Gärten des Königs und viele hundert Gärtner und Gärtnermädchen stehen unter ihm .... Jetzt bekam der alte Mann einen Einfall . Nun fühlte er sich . Er glaubte mit seinem verwilderten Garten , der doch so schön grün noch aussah , der doch soviel bunte Blumen noch trieb , eine Ehre einzulegen , vielleicht Anerkennung , Beförderung zu finden . Aber bis zu dem Muth , Frau Brigitte aufzufodern , sich nach des vornehmen Herrn , den sie nur als Excellenz kannten , Namen zu erkundigen , die Idee auszusprechen , ob er nicht noch ein Plätzchen im Staatsdienst offen hätte für eine alte zitternde Gärtnerhand , soweit reichte sein , wie man wol annehmen kann , durch die formelle Religionsübung und die systematische Selbstbeschränkung verengter Horizont nicht , obschon ihm in der That die Auszeichnung zutheilwurde , daß der herablassende vornehme Herr zum dritten male zurückkam , wieder den geharkten Weg zertrat , wieder sich eines beifälligen Nickens befleißigte , endlich aber doch mit Kennermiene sich als ein mit Sprachwerkzeugen begabter Sterblicher zeigte und dahin äußerte , daß er ganz kurz und gar leise , gar leise die Worte flüsterte : Schön geharkt ! Richtiger Strich Das ! Seid ' s braver Gärtner ! Kenne Das ! Schön geharkt ! So fortgefahren ! Brave alte Leute ! Brigitte dankte für sich und für den alten Winkler , der ganz sprachlos vor Spannung dastand und die leisen Worte nicht gehört hatte . Ach , Excellenz sind gar zu gnädig , ergriff sie , sich Muth fassend , rasch das Wort ; gar zu gnädig gegen uns geringe Leute . Gott wird Excellenz dafür lohnen , zeitlich und ewiglich , denn bei Dem da oben gilt kein Ansehen der Person . Aber wenn Excellenz ( die vorige Phrase choquirte weder ihn noch sie ) , wenn Excellenz das ganze Schloß kaufen sollten und nicht blos das Mobiliar der in Gott ruhenden Fürstin , der ich funfzig Jahre treu gedient habe , wenn Excellenz dann zwei alte Diener nicht verstoßen möchten , die jeden Riegel hier im Schlosse kennen - Schön geharkt ! Richtiger Strich ! Braver Gärtner ! Ich kenne Das ! Diese Worte waren Alles , was der vornehme Herr , sie unterbrechend , als Antwort gab . Er lächelte dabei sehr herablassend und ging , nachdem er Winkler und Brigitte auf die Schultern geklopft hatte , vorüber , ohne sich auf ein Dienstgesuch einzulassen , daß man ihm wahrscheinlich schriftlich einreichen mußte . Ein Gefühl , daß er da Menschen zurückließ , von denen er mit vollem Rechte annehmen durfte , daß er sie außerordentlich glücklich gemacht und durch seinen Beifall mit einer der angenehmsten Hoffnungen für ihre noch kurze Lebenszeit erfüllt hatte , überkam ihn dabei wol mit einschmeichelndem Behagen , aber nur flüchtig , nur obenhin . Dieser vornehme Herr war nun , wie wir bald bestätigt erhalten werden , Se . Excellenz der Herr Intendant sämmtlicher königlicher Schlösser und Gärten , eine im Lande wohlbekannte und gefürchtete Persönlichkeit , der wirkliche Geheimrath Kurt Henning Detlev von Harder zu Harderstein , zweiter Sohn jenes neunzigjährigen Obertribunalpräsidenten , der bei Tempelheide mit Anna von Harder , der Witwe seines ersten Sohnes , in so stiller Zurückgezogenheit lebte . Der neunzigjährige Hohepriester der Themis hatte bekanntlich zwei Söhne ; einen feurigen , höchst talentvollen , unternehmenden , aber früh verstorbenen , den Gatten eben jener Anna von Harder , die Frau von Trompetta als ein so seltenes Muster edler Weiblichkeit gerühmt hatte und nach Allem , was wir jetzt schon von ihr wissen , ein solches wol auch sein mußte . Der jüngere dagegen war diese sogenannte » junge Excellenz von Harder « , die nicht ganz in die Richtung des Harder ' schen Hauses paßte . Der alte Vater war ein scharfsinniger und sehr bedeutender Kopf , dem der ältere Sohn in jeder Hinsicht entsprach ; der Jüngere dagegen , früh etwas verwöhnt , wurde durch einen Zufall , den der Vater ewig bereute , für den Hof erzogen , war anfangs Kammerpage , dann Kammerjunker , zuletzt Kammerherr und hatte keine andere Bildung sich angeeignet als die , die er auf Reisen mit dem verstorbenen Monarchen , dem Vater des jetzt regierenden , sich sammeln konnte . Es war durch die Richtung , die der Kammerherr Kurt Henning Detlev von Harder nahm , eine große Spannung zwischen Vater und Sohn eingetreten . Berührungen fanden seit Jahren zwischen ihnen nicht mehr statt und konnten es um so weniger , als sich der wunderliche alte Herr nur auf seine Gerechtigkeitsübung beschränkte , in frühern Jahren allenfalls noch nebenbei die Maurerei , die er sehr liebte , eifrig trieb , gegenwärtig aber auf seine sonderbaren psychologischen Studien über die Thierseele , die ihn von den Menschen ganz abzog , sich beschränkte . Spötter bei Hofe , die den später zum wirklichen Geheimrath und Intendanten der königlichen Schlösser avancirten Kammerherrn von Harder nach seinem Geistesgrade kannten , behaupteten , daß sein Vater , als dieser sein Sohn von Reisen mit dem verstorbenen Landesfürsten und besonders von einer mehrjährigen Abwesenheit in Paris zurückkehrte , gerade durch das Wiedersehen desselben auf die Idee gekommen wäre , sich künftig nur noch mit den Geistesanlagen der Thiere zu beschäftigen . Ehemalige Spötter behaupteten Das . Denn wie wir bald sehen werden , in der Nähe des gegenwärtigen Herrscherpaares durften sich solche Plaisanterien , Wortspiele und kleinen Frivolitäten nicht mehr hörbar machen . Nach anderer Version verdankte Henning von Harder seine Stellung nicht den Rundreisen mit dem verstorbenen Monarchen , sondern dem eminenten Geiste seiner Gattin , die zufälligerweise auch seine Schwägerin war . Die beiden Harders hatten Schwestern geheirathet , die geborenen Freiinnen Anna und Pauline von Marschalk . Wie Dem auch sein möge - die Zukunft wird uns über diese in unsere Geschichte eingreifenden Persönlichkeiten Aufklärung geben - wie Dem auch sein möge , Se . Excellenz der Geheimrath von Harder war auf dem Schlosse Hohenberg als Gläubiger vom Throne erschienen und hatte in