und Geistliches sich mischen Noch ehe der zweite Lehnzins gegeben werden sollte , er , hielt Vreneli das zweite Kind , und diesmal einen munteren Buben . An diesem hatte Uli sehr große Freude , er rechnete schon , wie schnell er ihn brauchen könne , was er ihm ersparen werde , nur war er noch ungewiß , ob er ihm als Karrer oder Melker ersprießlichere Dienste leisten werde . Die Gevatterschaft gab auch diesmal viel Redens , Uli und Vreneli wurden lange nicht einig ; endlich mußte Vreneli nachgeben , Uli hielt ihm den Hagelhans vor . Es handelte sich absonderlich um die beiden Paten ; die Gotte ward einhellig erwählt in der Schmiedin , welche Vreneli noch weitläufig verwandt war . Die Paten waren Wirt und Müller , mit welchen Uli im Verkehr stand , aber nicht zu Vrenelis Freude ; es war ihm immer , als könnten die Uli verderblich sein , als suchten sie ihn in ihre Gewalt zu erhalten , um ihn auszubeuten . Ihre zärtlichen Worte schienen ihm eben falsche Münze zu sein . Der Wirt war ein dicker , schwerer Mann , jeder Zoll an ihm ein Zentner Holdseligkeit , mit welcher man eine große Stadt voll saurer Engländer hätte süß machen können . Die Freundlichkeit ist die freundlichste aller Tugenden , hat unter allen das lieblichste Gesicht , sie ist der Schlüssel zu allen Herzen , sie ist eine erquickende Essenz , erscheine sie am Krankenlager oder im Gesellschaftszimmer , bei der Magd im Schweinestall oder bei dem Regenten auf dem Throne ; sie wird viel zu wenig beachtet , viel zu wenig bei den Kindern darauf gesehen , tausendmal des Tages sollte man daran erinnern . Gott gibt sie den begabtern Menschen umsonst , aber desto wüster ists , wenn sie auf Gewinn ausgelegt wird , benutzt , wie man den Honig braucht , wenn man Fliegen fangen will , mit ihr auf Menschen spekuliert , mit durch sie gewonnenem Zutrauen Wucher treibt , Gewinn und Gewerbe , dem Anderen ablockt , was er hat , mit der größten Gewissenlosigkeit , unbekümmert darum , hängen die Betrogenen sich , springen sie ins Wasser oder gehen sie einfach und simpel zu Grunde . Eine Person der Art war unser Wirt ; mit schlauem Verstand , kaltem Herzen und holdseligem Wesen hatte er ein schönes Stück Geld verdient . Wer mit ihm handeln wollte , dem tat es im Herzen wohl , und seine Worte schienen viel besser zu sein als anderer Leute bares Geld . Er hatte eine großherzige Weise , die Leute glücklich zu machen . » Sieh , weil du es bist , gebe ich dir einen Gulden mehr . Die Sache ist mir recht , da braucht man nicht Kummer zu haben , man kriege seine Sache nicht oder schlecht ; ja , wenn alle wären wie du , dann könnte man handeln . Sieh , du bist mir zu hoch im Preise , aber weißt du was ? Versuche , was du lösen kannst , halte die Sache feil , wem du willst ; sieh , was dir geboten wird , und einen Gulden mehr als der Höchstbietende will ich dir geben ; es kann Keiner geben was ich , ich habe den Absatz und Leute an der Hand , welche zahlen , welche um eines Kreuzers willen nicht reden , bis sie Löcher in die Zunge kriegen , reiche Leute , und wenn sie schon nicht auf den Tag zahlen , von wegen sie sind in gar vielen Dingen , so kömmt es dann zusammen , da gibt es Haufen Geld ; du magst mir es glauben oder nicht , mein Rößlein hat mich manchmal übel erbarmet , wenn es heimziehen mußte . « Nebenbei war er auch den meisten Weibern lieb . Er kannte das Handwerk des Flattierens aus dem Grunde und wußte ihnen so zärtlich in die Augen zu gucken , daß sie die Fuße nicht mehr stillehalten konnten unterm Tische . Ihn vorzüglich haßte Vreneli . » Du wirst dich mit ihm abgeben , bis du einen Schuh voll herausnimmst , « sagte es oft zu Uli . Den Müller haßte Vreneli etwas weniger , doch immer noch genug , um ihn nicht zum Götti zu wollen . Er hing sich auch an Uli , war alle Augenblicke da , war nicht ganz mit Honig bestrichen , doch wußte er sich auch zu rühmen und zu ködern , daß Uli ihn für einen trefflichen Freund hielt . Bald holte ihn der Müller , um ein Pferd zu besehen , bald sollte er ihm eine Kuh kaufen helfen : das kenne niemand wie Uli , bald holte er einige Malter Getreide und sagte , er müsse es haben , er solle für diesen oder jenen Bäcker besonders schönes Mehl haben , und Korn wie bei Uli fände er nirgends , er wolle es ihm dann aber auch darnach bezahlen , sobald sie mit einander rechneten . Das wußte er immer ganz vortrefflich zu karten , daß sie mit einander in Rechnung blieben , von welcher Rechnung er beständig auch sprach , sehr selten aber sie zum Abschluß machte , sondern immer so , daß etwas auf neue Rechnung blieb . Es ist wirklich auch nichts Bequemeres im Handel , als wenn man immer sagen kann : » Ich zahle dir das jetzt nicht , es geht zum Andern ; behalte alles gut in Rechnung , die Sache wird sich dann schon finden . « Wenn Vreneli Seufzer über solche Rechnungen ausstieß , so sagte Uli : » Sieh , dies verstehst du nicht , die Sache findet sich , und was brauche ich einstweilen Geld Es ist mir sicherer dort , als wenn ich es daheim hätte , ich begreife gar nicht , was du wider die Männer hast , und weißt doch , wie kommod sie uns kommen und wie da nie Nein ist , man mag wollen was man will . Gehe ich