Dagegen war es den Soldaten jetzt wegen des Qualms ebenfalls unmöglich geworden , ihre Angriffe zu erneuen . Ja , als der Rauch alle Räume des Corridors erfüllt hatte und keinen Abzug fand , verdichtete er sich zuerst oben , und senkte sich dann immer tiefer und tiefer , bis er endlich das Parterre erreichte . Da drängte sich jener Unbekannte vor und rief : Folgt mir , Cameraden , ich werde euch führen . - Mit Sicherheit darauf rechnend , daß der Rauch die Feinde in die Zimmer getrieben , auf der Treppe also weniger zu fürchten war , zumal theils der dicke Qualm , theils die bereits einbrechende Dunkelheit eine deutliche Unterscheidung von Feind und Freund unmöglich machte , schritt er den Soldaten voran auf eine Thüre zu und deutete mit einer verständlichen Pantomine an , daß sie eingeschlagen werden solle . Die Soldaten gehorchten . Einige Kolbenstöße reichten hin , sie zu zerschmettern . Man drang ein - es war ein leeres Gemach - man gelangte zu einer zweiten Thüre . - Da warf sich ihnen mit wüthendem Geschrei die Schaar der Arbeiter entgegen . Einigen Soldaten wurden die Gewehre entrissen , Andere , und sie selbst mit ihren eigenen Waffen niedergestreckt . Man kämpfte Mann gegen Mann . Die Schläge donnerten , die Verwundeten ächzten - endlich neigte sich der Sieg auf die Seite der Uebermacht an Zahl und Bewaffnung . Das bis auf fünf Kämpfer geschmolzene Häuflein der Arbeiter zog sich zurück . Die Soldaten gewannen frischen Muth , sie drangen nach - - da plötzlich blieben sie an den Boden gebannt und ihre Waffen entsanken fast ihren Händen - - ein bleiches schönes Weib stand vor ihnen , wie eine überirdische Erscheinung , neben ihr ein schwarzlockiger Knabe , in der Hand einen blinkenden Dolch haltend . Es war Lydia . Ihr Gemach war der Schauplatz des eben beschriebenen Kampfes geworden . Die Arbeiter hatten sich um ihr Lager geschaart , so daß sie anfangs den angreifenden Soldaten nicht sichtbar war . In dem Augenblick , wo der Kampf in ihrer unmittelbaren Nähe entbrannte , erwachte sie aus ihrer Betäubung , und wunderbar , mit ihrem Bewußtsein war ein Muth , eine Geistesgegenwart in sie zurückgekehrt , die sie inmitten der furchtbaren Scene , von der sie Zeugin war , ruhig und besonnen erhielt . Sie sah , daß die Arbeiter unterliegen mußten , und befahl ihnen , sich zurückzuziehen . Sie selbst aber erhob sich und trat den Soldaten muthig entgegen , sie versuchte zu sprechen , aber die Stimme versagte ihr . Den rechten Arm ausgestreckt , den linken auf Salvadors Schulter gestützt , so stand sie regungslos den Erstaunten gegenüber . - Nun , was zaudert Ihr ? ertönte die Stimme des fremden Officiers hinter ihnen . Ertrat vor und er blieb ebenfalls erstarrt vor Lydia stehen . - Gilbert ! - riefen die Arbeiter von der andern Seite erstaunt . In demselben Augenblick sank Lydia , von der Stimme Gilberts , Gilbert , vom Dolche Salvadors getroffen , zu Boden ; im nächsten hatten sich die Arbeiter abermals auf die Soldaten gestürzt . - Der Kampf entbrannte von Neuem . - Der Ausgang konnte eben so wenig zweifelhaft sein , wie vorhin . Ein Soldat hatte Salvador ergriffen , und ihn zum offnen Fenster geschleppt . Der Knabe aber hatte sich fest um seinen Gegner geklammert , so daß dieser sich nicht von ihm losmachen konnten . Jetzt taumelte er rückwärts - Salvador hatte ihn ins Gesicht gebissen . Kaum befreit , warf er sich zu Lydia auf den Boden . Doch sein Gegner , dessen Erbitterung noch durch den Schmerz der Wunde vergrößert worden war , ergriff ihn von Neuem . Diesmal hatte er ihn besser gefaßt . Abermals schleppte er ihn zum Fenster - da fühlte er sich plötzlich an der Schulter gepackt und zu Boden gerissen . Der Prinz A. in Generalsuniform stand vor ihm . - Verruchter ! - donnerte ihm dieser zu - an wehrlosen Knaben erprobst Du Deine Tapferkeit ? - Dem tobenden Kampfgewühl war eine Todtenstille gefolgt . Drei von den fünf übriggebliebenen Arbeitern lagen blutend am Boden , aber eben so viel Soldaten hatten ihren Fall mit zerschmettertem Hirnschädel gebüßt . - Wer hat diese Schlächterei befohlen ? - fragte der Prinz weiter , einen Blick tiefen Schauders über die Scene werfend . Der commandirende Officier trat vor : - Excellenz - - Sie haben die preußische Uniform geschändet , Herr ! - In der That , eine Bravour sonder Gleichen haben Sie bewiesen gegen Knaben , Weiber und Unbewaffnete . - Gehen Sie , ich will nicht fragen , wer Sie sind , damit ich nicht gezwungen bin , Sie kassiren zu lassen . Ein tiefes Stöhnen unterbrach die Stille , welche abermals nach den Worten des Prinzen eingetreten war - es kam aus der Brust Gilberts . Der Prinz wandte sein Gesicht und fuhr erbleichend zurück . - Wie kommt der Mensch hieher ? - stammelte er . - Er war unser Führer - sagte der Officier . Der Prinz winkte mit der Hand und wandte sich ab . Die Soldaten hoben Gilbert auf und verließen lautlos das Zimmer . Salvador , welcher sich wieder über Lydia geworfen hatte , erhob sich jetzt und rief die beiden Arbeiter . Leise traten sie näher , um die bewußtlose Lydia in das andere Zimmer zu tragen . Da erwachte der Prinz aus seiner Träumerei und warf einen Blick auf das Gesicht der Leblosen . - Therese ! - rief er mit durchdringendem Schrei und stürzte neben ihr nieder . Therese - erwache , erwache , Geliebte ! ! XIII Mitternacht war vorüber , noch immer donnerten die Kanonen durch die festlich erleuchteten Straßen . Man illuminirte zum Wiegenfeste der Revolution . Denn wenn Zorn über die Rohheit der Soldateska und Entrüstung über den Verrath am Volke die Barrikaden erbauet hatte , so bedurfte es nur eines achtstündigen Kampfes , um jene -