dem Tage vorher ereignet , an welchem Franz Thalheim so unbesorgt war über die Ankunft des langen dürren Herrn Stiefel . III. Wiedersehen » An dem hellsten Sommertag , Unter Zweigen lichtdurchbrochen , Bei der Lerchen Jubelschlag Hab ' ich Dich zuerst gesprochen . « Betty Paoli . Einige Wochen waren seit dem Tage vergangen , an welchem Graf Hohenthal und Rittmeister Waldow sich vergeblich bemüht hatten , Herrn Felchner zu einer kleinen Gestundung zu vermögen - er war im Recht gewesen und er hatte von diesem Recht Gebrauch gemacht - der Wald war ihm als Eigenthum zuerkannt worden . Jaromir hatte eine der Hütten , welche zu der Wasserheilanstalt Hohenheim gehörten , für sich gemiethet und vollkommen Alles das ausgeführt , was er mit Waldow in Bezug auf die Heilanstalt verabredet hatte . Ehe er sich ganz in dieselbe begab , war er noch auf ein paar Wochen zurück in die Residenz gereist , um dort seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen , da er vorher seine Abwesenheit nicht auf eine längere Dauer berechnet hatte . Zugleich benutzte er die Zeit dieses Aufenthaltes dazu , den idyllischen Aufenthalt in Hohenheim mit entzückenden und glänzenden Farben in einigen aristokratischen Zirkeln so verführerisch zu beschreiben , daß ihm beim Abschied mehr als ein Mal , und von mehr als einer Person das Wort entgegentönte : » Ich denke , wir sehen uns wieder - in Hohenheim . « Vollkommen befriedigt von den Resultaten dieser Wochen , vollkommen ermüdet und gelangweilt von der Gesellschaft in der Residenz , dagegen aber auch nach seiner elenden Hütte sich sehnend - vielleicht auch noch verlangender nach Etwas mehr kam er in Hohenheim an . Der Restauration der Wasserheilanstalt gegenüber , welche ein speculativer Gastwirth auf Zureden des Wasserdoctors für einen geringen Pacht übernommen hatte , befand sich eine Baute aus Brettern , welche man den Kursalon zu nennen beliebte . Er war nach vorn geöffnet , von einigen Bäumen umgeben , mit Markisen von grauer Leinwand versehen und sein Fußboden mit grobem Kies bestreut . Weiß angestrichne Lattenbänke , ebenfalls weiß gefirnißte Tische und ein Duzend Feldstühle mit Sitzen von groben Gurtbändern , dies war das Meublement dieses Salons , welcher dazu bestimmt war , daß die Kurgäste zu den Stunden in ihm sich versammelten . wo sie ein solches Mittelding von freier Luft und Bretterschutz gegen diese wünschenswerth fanden . In der That , ein Aufenthalt , welcher mehr als einfach war . Jaromir hatte ihn sogar zu einem Lesesalon gemacht , indem er gefällig genug war , diejenigen Journale , welche er vermöge seiner literarischen Verbindungen zugeschickt erhielt , daselbst zur allgemeinen Lectüre auszulegen . Niemand war glücklicher als Hofrath Wispermann , in Jaromir eine so gute Acquisition gemacht zu haben , er überhäufte ihn dafür mit Artigkeiten , wiewohl es ihn im Stillen verdroß , daß der Graf durchaus seine ärztliche Behandlung , seine Bäder verschmähte . Gleich am ersten Nachmittag nach seiner Ankunft besuchte Jaromir diesen Salon . Der junge Waldow traf am Eingang mit ihm zusammen . » Hierher ist fast mein täglicher Spazierritt , « sagte er , » um zugleich jeden neuen Ankömmling mustern zu können und zu erfahren , wie er die göttliche Romantik dieses Ortes findet , mit welcher Ihre Schilderungen ihn so reichlich versehen haben . - Dort sitzt ja ein ganzer Klubb - lassen Sie uns die Gesellschaft erst aus der Ferne in Augenschein nehmen . Lorgnetten heraus ! Dort das rothbackige Gesicht des Engländers mit dem großen Mund , der die verhältnißmäßig gleich großen Vatermörder zu küssen scheint , kennen wir schon - er behauptet ewig dieselbe stereotype Figur - er sitzt allein und liest in einem Buche . Mein Himmel ! Was muß der Mensch nicht Alles schon zusammengelesen haben , wenn er ' s immer so treibt wie hier - ich habe ihn noch niemals anders als lesend gesehen , ich kann mir ihn auch gar nicht anders vorstellen . Wie jene Wilden , welche , als sie die ersten Reiter sahen , glaubten , Mensch und Roß wären ein Wesen , so scheint mir der Engländer mit seinem Buch durchaus ein Ganzes zu bilden . Den eleganten Herrn mit den gelben Glacehandschuhen und der rothen Sammtweste kenne ich und werde Sie nachher einander vorstellen . Es ist ein Kammerjunker von Aarens , der sich nur Courmachens halber hier aufhält - er ist nämlich hierher gegangen , weil er den Grafen Hohenthal kennt und eine reiche Partie beabsichtigt - er ist seit einer Woche hier und schon sehr oft in dem benachbarten Schloß gewesen . « Jaromir hatte zuletzt aufmerksamer als Anfangs zugehört , den eben Besprochenen mit prüfenden Blicken gemustert und sagte jetzt ruhig : » Der Mensch sieht sehr unbedeutend aus . « » Was ihn aber bedeutend machen kann , ist ein alter Name , bedeutendes Vermögen und große Gunst , welche er an seinem Hof genießt . Den Herrn zwischen ihm und unsern Doctor , eben so lang und dürr wie dieser , aber mit einer so ausgesucht malitiösen Miene , kenne ich nicht , es muß ein neuer Ankömmling sein . Der Geheimrath von Brodenbrücker daneben hat sich bis jetzt schrecklich gelangweilt , er ist aus Gefälligkeit für seine Frau , welche vollkommnes Pantoffelregiment geltend macht , hierher gekommen , denn sie will nämlich gern in jeder Mode den Ton angeben und hat sich es deshalb nicht nehmen lassen , krank zu sein und von einem gefälligen Arzt in eine Wasserheilanstalt geschickt zu werden . Sie scheint eine sentimentale Kokette zu sein , bei welcher man sich Etwas erlauben darf . Nun kommen Sie , ich stelle Sie den Herrschaften vor , Ihr Name wird frappiren , wenn ihn nicht etwa der Doctor schon ausgeplaudert hat . Bemerken Sie wohl , welche schmachtenden Blicke die Geheimräthin auf uns wirft - ich glaube , es ist ihr lange nicht so wohl geworden , die einzige Dame in einem Badeort zu sein . « Waldow trat jetzt mit