, was ich nicht verstand . Aber das Folgende verstand ich nur zu gut ! Die Kammerfrau ging ins Nebenzimmer und kam nach einigen Augenblicken mit einer Wärterin zurück , die ein ganz kleines Kind trug und es in Arabellas Arme legte . Sie empfing es zärtlich , küßte seine Händchen , sah es an und wieder an , plauderte abwechselnd mit ihm und den beiden Frauenzimmern italienisch und irisch , und gab es erst zurück als es anfing zu weinen . Da trug die Wärterin es fort , und Arabella bereitete sich zur Ruhe . Die Kammerfrau schloß Fenster und Vorhang , löschte die Lampen - - - verschwunden war das Bild im Zauberspiegel und ich stand da in der feuchten , grauen Dämmerung . Daß es Tag wurde brachte mich zu mir selbst . Ich fühlte nichts als daß eine Art von Erstarrung sich meiner bemächtigt hatte , welche mir die Empfindung gab , als ob statt des Herzens mir ein Marmorblock im Busen liege eiskalt und schwer . Ich riß eine Convolvel-Ranke vom Fenster ab um ein sichtbares Zeichen zu haben , daß meine Vision kein Traum gewesen sei , und kehrte zur Gondel zurück in die mich Gino hineintrug . Zu meiner eigenen Ueberraschung sagte ich sehr gelassen und mit fester Stimme : » Gino , wie hast Du dies Geheimniß erfahren ? « Er wollte Ausflüchte machen ; aber ich sagte : » Bevor ich es wußte mußtest Du schweigen , das versteht sich , Gino ! allein jezt weiß ich es bereits - also rede .... und die Wahrheit . « Da erzählte er mir , er habe längst bemerkt daß Astrau zu seinen nächtlichen Fahrten nicht unsre eigenen Gondoliere gebraucht habe , sondern zu einem traghetto gegangen sei , und dieser Mangel an Vertrauen habe ihn tief gekränkt , da er sich doch als ein Muster von Verschwiegenheit und Treue bewährt . Seine Ergebenheit für mich , die gute Herrin , sei dazu gekommen um ihn zu einer tadelnswerthen Handlung zu verleiten : vor acht bis zehn Tagen sei er heimlich der Barke Astraus nachgefahren , und auf Torcello vorsichtig ihm nachgeschlichen . In dem Häuschen sei es in jener Nacht sehr unruhig gewesen , viel Hin- und Her-Gehens , klagende Stimmen - ihm habe gegraut , und er habe nicht auf Astraus Rückfahrt gewartet , sondern vor ihm Torcello verlassen - was auch sehr gut gewesen indem dieselbe erst am andern Morgen um zehn Uhr erfolgt sei . Am nächsten Tage sei er wieder hinüber gefahren , habe sich beim Hauswirth von Benvenutas Wohnung erkundigt wer in jenem Häuschen wohne , und erfahren es sei eine fremde vornehme Frau , die es schon im vorigen Sommer bezogen habe , in tiefer Einsamkeit lebe und in letzter Nacht ein Kind geboren habe - wie es durch die Wehmutter verlaute , die ganz erstarrt sei über die Herrlichkeit welche die Dame umgebe und über deren Schönheit . Gino suchte in den folgenden Tagen unbemerkt dem Hause sich zu nähern , fand es nur möglich in der Weise wie er es auch heute bewerkstelligt hatte , entdeckte bei der Gelegenheit das erleuchtete Fenster mit Allem was hinter demselben vorging , und wollte mich nun von seiner Entdeckung unterrichten , damit ich meinen Mann in diesem wichtigen Augenblick nicht verließe . Ich bewunderte im Stillen Ginos Takt , der ihn die hohe Wichtigkeit des Moments errathen ließ , denn allerdings ! jezt konnte bei Astrau eine gewisse Gleichgültigkeit gegen - oder eine verstärkte Hinneigung zu Arabella eintreten ; aber was ging das mich an ? ich hatte nur mit dem einen , dem niederschmetternden Gedanken zu thun : Nichts dauert ! die Gefühle des Menschen sind Seifenblasen , bunt , leer , nichtig - abhängig von den Wellen des Blutes und den Nervenfasern , welche heute angeregt und morgen abgespannt sind und ihn in diese oder jene Emotion versetzen . - - Ich saß nicht mehr auf der grünen blumigen Wiese auf der es mir vor einem Jahr so wol gefallen hatte , daß ich meinte ich wolle nie meinen Platz verlassen . Ich war aufgestanden .... war wieder an den Rand des Abgrunds getreten .... sah tief unten den schwarzen Strom fließen der Endlichkeit heißt , und der stückweise und gliederweise alle Bestandtheile des menschlichen Daseins verschlingt und fortwirbelt .... und sah starren Blicks ein Stück meines eigenen Lebens darin untergehen . Ich war nicht entsetzt , nicht verzweiflungsvoll - nur unerhört traurig . Ich hatte keine bittre , zürnende Empfindung gegen Andre , keine mitleidige oder resignirte mit und in mir selbst ; - nur den Wunsch : O könntest du versteinern , Sibylle , um wenigstens auf Einmal und nicht so gräßlich stückweise den Sturz in den unvermeidlichen Abgrund zu thun ! - und mir war als ob die Kälte des Steines langsam und schwer durch meine Adern zum Herzen hinauf kröche und mich ersterben mache . Als ich zu Hause angelangt mich zu Bett legte , meinte ich unter einem Felsen begraben zu werden . Aber ich schlief als sei mir nichts geschehen einen traum- und leidlosen , von den Qualen der Seele unbelästigten Schlaf . Wird dereinst der Tod also sein ? Ich schlief als ginge mich Glück und Unglück , Freude und Schmerz nichts an ; und ebenso erwachte ich . Eine Stunde darauf trat Otbert , ausnahmsweise , zum Frühstück bei mir ein . » Du kehrtest recht spät oder eigentlich recht früh von einer einsamen Spazierfahrt heim ? « sagte er . » Ungefähr eine halbe Stunde nach Dir , entgegnete ich ruhig ; - denn nachdem Du Arabella verlassen hattest , sah ich noch Astralis , die zu ihrer Mutter gebracht wurde . Ich war auf Torcello vor dem Häuschen um dessen Fenster diese Convolveln sich schlingen « - setzte ich hinzu auf die Ranke deutend , die eine Wasserschaale umgab . Astrau starrte mich an als ob ein Medusenhaupt zu ihm spräche . » Du hast