Ei , Clemens , Du bist nicht recht gescheit ! - » Wenn sie Dich kennte , sie liebte mich vielleicht . « Gewiß nicht . Wenn sie mich kennte , so würd ich ihr sagen , sei ganz ruhig , Benediktchen , der Clemens wird allemal ein Narr , wenn er an den Rhein kommt , im vorigen Jahr war ' s so mit der Walpurgis , da brausten Reime wie Schäume ! - Clemens , versuch ' s doch , zu dichten , das erleichtert vielleicht Dir die Brust . - Dort , wo Deiner Kindheit goldne Tage in fröhlichem Spiel dahinflogen , auf nimmermehr wiederkehren , wo Du mit Nachbarskindern im Sand spieltest , wo Benediktchen schon seinen blonden Lockenkopf an Deine Schulter versteckte , wenn die Sonne zu heiß brannte , wo Du ihm das Stumpfnäschen putztest und schon damals ihm drohtest , daß wenn es nicht Deine Braut sein wolle , so werdest Du Dich erschießen . Gäb das nicht eine Idylle , einen zärtlichen Roman ? Woher weiß ich das alles ? - Eben kam der Kanonikus Linz zur Großmama direkt von Koblenz , erzählt , daß Du dort im Korbachischen Hause Schiffbruch gelitten , daß Dein Freund ein schöner munterer , vollblühender preußischer Jüngling , weitergereist sei , wahrscheinlich um Deiner Liebe keinen Eintrag zu tun , da er dem Benediktchen , das auch rote Wangen habe und blond sei und voll wie eine Rose und ein Ringelhaar habe bis auf die Erde , diesem habe Dein preußischer Freund besser gefallen ; so sei er fort nach Düsseldorf , wo er Dich erwarte , wenn Du würdest Deine Liebeskapriolen fertiggeschnitten haben ( Ausdruck des Kanonikus Linz , Du kannst ' s ihm nicht übelnehmen , er ist geistlicher Herr und muß aus Solidität schon dergleichen Liebeshändel verachten ) . Clemente , Du bist närrisch ! - Ich kann es deutlich erkennen an der Nachschrift Deines Briefes : » Schreibe dem Savigny alles , was ich Dir schrieb . « Was ist denn das alles , was ich schreiben soll ? - Ich habe das Blättchen auf die andere Seite gedreht , es befand sich ganz weiß , und ich bin in höchster Unwissenheit ! - Was soll ich dem Savigny schreiben ? Daß Du glücklich in Wochen gekommen bist mit einer neuen Liebschaft ? - Am Rhein , wo ' s allemal so geht ? - Ja in Wochen ! - Denn so lang wird ' s kaum dauern , denn Du wirst Dich gewiß schon früher wieder herausmachen und wirst gelaufen kommen und Deinen Kirchgang tun bei mir und von mir Dich aussegnen lassen wieder , denn das muß ich allemal . Das erstemal Walpurgis , das zweitemal die Gachet , und nun Benediktchen , hinter all dem steckt nun noch Mienchen , da steckt die Günderode , da steck ich auch , dahinter steckt auch die Eitelkeit . - Die Braut Deines einzigen Freundes . Der Freund ist vielleicht ein dicker , ungeschliffner , gar nicht reizender Bräutigam . Du siehst im Spiegel ein edles Antlitz mit sanftem Reiz der Unterlippe , mit unendlich anmutig witz ' gem Feuer der Oberlippe widersprechen . Du siehst eine blendende Stirn , auf der das Genie nicht zu verschleiern ist , und ein Paar schwarze Augen und einen ganzen Kerl , der gewohnt ist zu siegen ! - Du kommst , und die Braut ist schon mit Kuchenbacken beschäftigt ; sie hat keine Zeit mehr zum Scherzen , die Wirklichkeit geht an , das Spiel der Lieblichkeit kann nicht auf dessen Kosten getrieben werden . O Clemente , Deine blaue Halsbinde , Deine wunderschön lederne Beinkleider ! Deine rote Freiheitsmütze ! - Die ganze Armatur wurde von mir bestellt und dem Schneider mit einer witzigen Bemerkung nach der andern das Bequeme , aber notwendig Elegante eingeschärft . - Ich war bei der Günderode , als ich von Eurer Begleitung nach dem Mainzer Schiff zurückkam , ich lachte , und sie lächelte ( sie lächelt immer nur über Dich , sie lacht nie ) , wie ich ihr aber die Beschreibung machte von Euch zwei , wie Arnim so schlampig in seinem weiten Überrock , die Naht im Ärmel aufgetrennt , mit dem Ziegenhainer , die Mütze mit halb abgerißnem Futter , das neben heraussah , Du so fein und elegant , mit rotem Mützchen über Deinen tausend schwarzen Locken , mit dem dünnsten Röhrchen , einen lockenden Tabaksbeutel aus der Tasche , und wie Arnim unterwegs die Bemerkung machte , die Mädchen am Brunnen sähen Dir mit Wohlgefallen nach , daß Du da unterwegs getan hast , als verständest Du das nicht , und nachher es dem Arnim zuschobst , aber doch gleich sehr viel schärfer auftratst , als wenn Dir wer weiß welcher originelle Geist so ganz durch den Leib gefahren wär , und wie Du mit Deinem zierlichen Sprung ins Mainzer Schiff mit einem so selbstbewußten Genuß hineinsprangst . - Es sei prophetisch , meinte gleich die Günderode ! - Und wir verbrachten noch den letzten Nachmittag in ihrem Stiftskämmerchen mit Glossen über Dich . - Kaum bin ich hier , so kommt Dein Briefchen mit allem Schaden , den Deine Vorbereitung Dir angerichtet hat ; denn sie hat leider wie der Blitz in Dich selber eingeschlagen . Verzweifle nicht ! - Aber dem Savigny schreib ich ' s nicht , genug , daß es die Günderode weiß . - Da hast Du nun meinen Brief . Und noch eins hab ich mit der Günderode ausgemacht , Dich zu fragen - ob Du ' s noch so unpassend findest , daß der Gärtner an den Blumen hängt , seiner Passion , und nicht so am Kohl , seiner Pflicht . Deine barbarische Schwester . An Clemens Lieber Clemens ! Es wird mir bange , daß Du nicht schreibst , und eine Zeile kannst Du schreiben ! Bist Du wieder ruhig ? Mein unartiger Brief wird doch kein Mißverständnis zwischen uns gemacht haben