sind capriziös ! drei Stunden täglich den Liebsten bewundert zu sehen , alle Seelen beherrschend , alle Blicke fixirend - das mag eine große Befriedigung sein . « » Dann kommt er matt , unschön , abgespannt heim , ein in die Raupenhülle zurückgekrochener Schmetterling .... « » Ach , Bester ! die Frau bekommt den Mann sehr häufig in unschöner Gestalt zu sehen , ohne daß er zuvor die Welt entzückt ! Und dann glaub ' ich , daß es fast unmöglich ist , den Zauber zu ergründen , welcher über den intimen Umgang aller Kunstmenschen ausgebreitet ist , und daher auch schwer , ihm zu widerstehen , wenn man dafür empfänglich . Launen mögen sie haben , heftig , zerstreut , wild mögen sie sein - dennoch besitzen sie eine Magie , die mit dem allen versöhnt - und das ist vielleicht der höchste Triumph der Kunst . « » Es fragt sich doch , ob diese Magie fürs Leben ausreicht . Welcher junge Mann ist nicht einmal in eine Schauspielerin , Sängerin bis zum Wahnsinn verliebt gewesen , und wie selten entspringt daraus ein dauerndes Verhältniß . « » Weil überhaupt ein solches nicht aus jugendlichen Aufwallungen hervorgeht . « » Nein , weil jene Erscheinungen nur im Besitz der Magie sind , welche für einen Moment blendet , ohne zu fesseln . « » Sie haben freilich die eigene Erfahrung für sich « - sagte Faustine launig - » dagegen kann ich nicht streiten . Künstler aller Art sind und bleiben aber doch meine geborenen Freunde , für die ich mich vorzugsweise interessire - nur müssen es wahre Künstler sein , schaffende , begeisterte , keine Nachahmer , keine Handwerker . « » Das Genie hat das nämliche Schicksal wie die Tugend : sie sind beide in der Minorität auf unserer mittelmäßigen Erde . Ein großer Künstler ist eben so selten , als ein großer Mensch . « » Hört er Ihrer Meinung nach auf ein Mensch zu sein ? « » Halb und halb ! es kommen Inspirationen über ihn - er weiß nicht woher ! es steigen Bilder vor ihm auf - er weiß nicht von wannen ! streitende und ringende Gewalten werden in ihm rege , die kein äußerer Anlaß , keine innere Leidenschaft geweckt ! er sagt Dinge , die er noch nie gedacht ! er schafft Gebilde , deren Gleichen er nicht geschaut ! Allein er kann nicht der Kraft gebieten , welche sie aus dem Nichts hervorruft . Er muß warten , bis ein Gott , ein Dämon , ein Genius sie ihm einhaucht . Er besitzt höhere Gewalt , als die gewöhnlich menschlichen , sogar die allerglänzendsten Fähigkeiten ; aber er wird von einer noch höheren Gewalt besessen . Er schreibt Gesetze vor , er stürzt Gebräuche und Meinungen , er beginnt und endet Epochen , wie ein Gott ; aber er ist zugleich ein blinder , gehorsam dienender Priester im Tempel des Gottes . Und diese wundersamen Mischungen , welche essentiel seine Wesenheit ausmachen , stellen ihn gewissermaßen seitab von den selbstbewußten Menschen . Ich gestehe , daß ich immer eine Art von Scheu vor ihnen habe , die sonst meiner Natur fremd . Man ist nie sicher bei ihnen , ob sie bergan oder bergab steigen - ob sie Himmelslichter in die Tiefe leuchten , oder unterirdische Flammen am Himmel strahlen lassen wollen - ob sie ihre immensen Gaben wie der Reiter bändigen , oder wie das Roß ihnen gehorchen . Ich liebe sie nur par distance - in ihren Werken . « » Das ist recht weltmenschlich kalt gesprochen ! Sie fürchten nur , in eine Sphäre fortgewirbelt zu werden , der Sie nicht gewachsen sind . Bedenken Sie nur , welche unermeßliche Wohlthat ein einziger Künstler für lange Zeiten und kommende Geschlechter werden kann , und Ihr Herz muß schlagen für ein Wesen , das von Gott zu einem Segen der Menschheit auserlesen ward , und das diese hohe Ehre vielleicht mit ungekannten und ungemessenen Schmerzen bezahlt hat . « » Aber durch welche Wonnen werden diese Wehen des ringenden und schaffenden Genius compensirt ! ich denke mir , daß wenig Menschen eine Empfindung hatten , derjenigen gleich , womit Rafael vor seiner vollendeten Sixtinischen Madonna gestanden . « » Vor der vollendeten ? kaum ! - der Genius ist éminemment strebend , findet weder Genuß noch Befriedigung in dem Ueberwundenen , dem Geleisteten . Wenn die Conception in ihm aufgeht , dann glaub ' ich , feiert er seine seligen Mysterien , gegen deren tiefsinnige , glühende , unirdische Trunkenheit unsere kleinen mäßigen Freuden freilich sehr grau aussehen mögen . Doch jener Rausch ist ein Moment , und dann steht er plötzlich in dem nüchternen Leben . « » Wir Alle stehen in dem nüchternen Leben und ohne jenen compensirenden Rausch - « » Es muß demjenigen schwer werden , einen Schoppen aus der Hand der schwarzaugigen Kellnerin zu nehmen , dem Hebe die Schaale kredenzt hat . Er wird unwillkürlich vergleichen , den Wein mit dem Nektar , das Mädchen mit der Göttin , und Vergleiche stören die Genußfähigkeit . Wir aber begnügen uns tout bonnement mit dem Wein und der Sterblichen , denn wir wurden nicht aus dem Olymp auf die Erde geschleudert . So wird er auch immer das , was er gewollt , mit dem vergleichen , was er geschaffen hat , und gewiß in der Erscheinung nur einen Schatten seiner ursprünglichen Idee finden . Ich hab ' einen Freund - er ist aber nicht Maler , sondern Dichter - der spricht : All meine Schöpfungen kommen mir vor wie gefallene Engel ! sie haben wol noch etwas , was an ihren Ursprung mahnt , doch die Glorie ist verschwunden , seit sie die sinnliche Form annahmen . Mich grämt ' s aber wenig ! ich verkehre mit den ungefallenen Geistern , und schneide ihnen nach besten Kräften ein Mäntelchen von Staub zurecht , worin sie sich den Menschen offenbaren