der großen Stadt enfernt lag . Er sagte zu Celio : » Hier , mein teurer Gesellschafter , muß ich mich von Euch trennen : liegt der Ort Eurer Bestimmung doch ganz nahe vor Euch , wo wir ja doch voneinander scheiden müßten . Ich werde hier noch im Gebirge einen alten Ohm besuchen , den ich , wenn ich ihn jetzt versäumte , vielleicht niemals wiedersehen würde . « - Jetzt erhob sich , indem sie freundlich Abschied nehmen wollten , ein Streit der Höflichkeit , denn der Mailänder wollte dem Florentiner die ausgelegten Reisekosten so reichlich vergüten , daß er sie dadurch wohl ganz allein bezahlte . Malespina weigerte sich , der Lombarde aber war so dringend , empfindlich , ja halb befehlerisch , daß Celio endlich nachgeben mußte . - » Ich bin reich « , sagte der Lombarde , » wenn mein Geschäft dort nicht ganz verunglückt , gewiß viel reicher als Ihr . Ich habe es wohl gemerkt , daß Ihr einigemal meinetwegen auf der Reise zögertet , daß Ihr hie und da , meiner Person zu gefallen , mehr aufgehen ließet , als wenn Ihr allein gewesen wäret , und so dürft Ihr meinetwegen keinen Schaden leiden , denn Ihr seid noch ein junger Hofmann , und Euer Glück noch keineswegs entschieden . « » Alter Herr « , sagte Celio empfindlich , » ich habe Euch mehr als einmal daran erinnert , daß Ihr von Höfen nichts wißt . Es ist auch ganz natürlich ; denn wenn der reiche Kaufmann auch einmal mit den Herrschaften in Berührung kommt , so kann er immer nur ihre ganz oberflächliche Außenseite gewahr werden , die doch immer nur eine Maske sein muß . « » Ihr habt nicht unrecht « , erwiderte jener , » und doch möchte ich , als der ältere Mann , Euch , dem jüngern , noch zum Abschied einen Rat geben , der weit mehr wert ist , als jene unbedeutende Summe , über welche wir so unnötig gestritten haben . « » Und der wäre ? « - » Sprecht , da Ihr ein Hofmann sein wollt , weniger , erzählt das was Ihr glaubt gesehn und erlebt zu haben , nicht andern , am wenigsten Fremden . « » Alter Herr « , rief Celio verdrießlich , » ich sollte Euch für Euern gutmeinenden Rat danken , und doch weiß ich es nicht anzufangen . Ich bin der Sekretär der Chiffer bei meinem gnädigsten Herrn , und ich verdiente gehängt zu werden , wenn ich auch nur das allerkleinste Geheimnis , ja nur eine Nachricht , die mir beim Dechiffrieren früher als jedem andern zukommt , verraten , oder ausplaudern wollte ; auch die gleichgültigste . Was ich Euch gesagt habe , und dort in Rom gesprochen , erzählen sich die Kinder auf den Gassen . « » Wenn gleich « , erwiderte der Ältere : » man gäbe oft viel darum , auch ein gleichgültiges Wort wieder zurücknehmen zu können . Nur allzuleicht kommt man durch diese Redseligkeit in eine gewisse Abhängigkeit von Menschen , mit denen man lieber nichts zu tun haben möchte ; mindestens erzeugt es mit Unbekannten oder Fremden eine gewisse Art von Vertraulichkeit , die uns auch drückend werden kann . Wen man als Redseligen kennt , dem kann der kluge Verleumder auch leicht etwas anheften , und von ihm das glaubwürdig machen , was er niemals gesprochen hat . « So trennten sie sich , beide verstimmt . Drittes Kapitel Es war im Beginne des Julius , welcher in diesem Jahre mit ungewöhnlicher Hitze eintrat . In Italien ist es schon oft bemerkt worden , daß in diesen heißen Monaten die meisten Untaten und Verbrechen geschehn . Im Norden will man wahrgenommen haben , daß auch bei anhaltender übermäßiger Kälte das Gemüt des Menschen sich verhärtet , und der Grausamkeit zugänglicher ist , als bei milderem Wetter . - In dem schönen Florenz sah man in allen Häusern und Palästen die Vorkehrung , sich eine anmutige Frische und Kühlung zu verschaffen , viele der reichen Familien bezogen ihre höher liegenden Schlösser im Gebirge , und auch der Hof hatte schon beschlossen , einige der angenehmen Paläste auf dem Lande zu besuchen . In seinem Palast war der Großherzog Francesco mit Arbeiten beschäftigt . Noch nicht weit in Jahren , fing er doch schon an , stark zu werden . Der Ausdruck seines Gesichtes war milde und freundlich , sein Auge verständig und leuchtend , er affektierte aber gern einen starren , abschreckenden Ernst , wie er in Spanien , wo er lange gelebt hatte , vom Könige und den Ersten des Reiches gesehn hatte , die er sich gern zum Muster nahm , wodurch er seinen italienischen Dienern und Untertanen oft unbequem wurde . Sein Sekretär Malespina stand vor ihm , mit dem er zufrieden schien , indem er wohlgefällig dessen Berichte aus Rom anhörte . Es war ihm nicht unwillkommen , alle die Kleinigkeiten zu erfahren , die ihm sein Geheimschreiber von seinem Bruder , dem Kardinal , mitteilen konnte . Mit Schadenfreude hörte er einige Anekdoten aus dessem Privatleben an , und von den kleinen Blößen , die sich doch auch im Eifer oder Nachlässigkeit der Mann gibt , der sich am meisten bewacht . Ein Kammerherr trat ein und meldete den Herzog Orsini von Bracciano . Francesco erschrak sichtlich und sprach halblaut mit dem Ausdruck des tiefsten Verdrusses im Gesicht : » Bracciano ? Wo kommt der ungestüme Mann her ? Was will er in Florenz ? Das ist ja so plötzlich und unvermutet , wie ein Donnerschlag aus heiterm Himmel . « Er winkte dem Edelmann , dieser ging hinaus , die Flügeltüren wurden geöffnet , und in seinem glänzenden Kleide trat der große starke Fürst mit königlichem Anstande herein . Mit einem von Freude strahlenden Gesicht ging ihm Francesco bis zur Tür entgegen und umarmte ihn herzlich . Der Sekretär aber riß groß die Augen auf und glaubte