Zutraun zu ihm gewann . Mit Erstaunen hörte er im Verlaufe des Gesprächs völlig regelrechte Hexameter aus ihrem Munde tönen , die nur durch gehäufte Spondeen etwas Unbeholfnes erhielten . Nach einer Viertelstunde waren sie wie alte Freunde miteinander . Indessen entstanden doch , wie es bei raschem Bekanntwerden zu geschehen pflegt , Pausen . Hermann erhob sich daher und wollte gehn . Sie faßte ihn bei der Hand und sagte , ihm treuherzig ins Gesicht sehend : » Ihr Herrn habt es im Kopfe , aber selten viel im Beutel , und obgleich Sie wohlhabender zu sein scheinen , als die Kandidaten , welche uns sonst besuchen , so dächte ich doch , daß frei Quartier bei guten Leuten besser wäre , als teure Gasthofszeche . Ich will Ihnen Ihr Zimmerchen zeigen , und Sie können nur gleich Ihre Sachen vom Wirtshause herüberbringen lassen . « Ohne seine Antwort zu erwarten , nahm sie ihn mit in das obere Stockwerk , wies ihm unterwegs verschiedne wirtschaftliche Einrichtungen , namentlich den Ofen , der zwei Stuben zugleich heizte , und den neuen Wandschrank , und führte ihn dann in ein helles Erkerzimmerchen , von welchem man das ganze Flußtal übersah . Er fragte nach dem Namen eines Dorfs , dessen Turmspitze am Horizonte hervorragte , und erfuhr nicht nur diesen , sondern lernte auch auf der Stelle die Topographie des ganzen Umkreises mit allen Verwandten , Freunden und Gevattern , die da und dort wohnten , kennen . » Sind Sie versprochen , Herr Schmidt ? « fragte sie plötzlich . » Nein ! « - » Rauchen Sie Tabak ? « - » Auch nicht . « - » Dann sind Sie auch kein ordentlicher Kandidat ! « rief sie lachend . » Ich habe wenigstens noch keinen kennengelernt , der nicht eine Braut und eine Pfeife gehabt hätte . Sie müssen sich beides bald anschaffen . « Er erwiderte ihren Scherz , der halb wie Ernst klang , und wurde von ihr mit einem Armvoll Tischzeug beladen , welches er unten in das Eßzimmer tragen sollte . Sie schien es als etwas sich von selbst Verstehendes zu betrachten , daß ein Kandidat der Frau eines Schulvorstehers nötigenfalls dienstbar sein müsse . Unten sagte er , um seinem Zwecke etwas näher zu kommen : » Es ist so still in Ihrem Hause , und ich sehe keinen Ihrer Pensionäre oder Pensionärinnen . « - » Pensionäre ? Pensionärinnen ? « fragte sie erstaunt . » Wir haben bloß unsre Knaben in Pension . Man hat mit den eignen Kindern Last genug , wer wollte sich noch die Mühe mit fremdem liebem Gute machen ? « Da sie nun merkte , daß diese Worte ihn befremdeten , fuhr sie nach einigem Besinnen fort : » Ach , gewiß ist da wieder eine Verwechselung vorgefallen , und Sie meinen , bei dem Edukationsrate zu sein . Wir werden noch an das Stadttor schreiben lassen müssen : Da wohnt der Philologe und da der Realschulmann . « Bei näherer Erkundigung hörte er nun , daß sich noch ein Namensvetter des Rektors am Orte befinde , welcher aber nicht am Gymnasium angestellt sei , sondern eine Privaterziehungsanstalt habe . Er sei in allem der Gegner ihres Alten , sagte die Rektorin , halte nichts auf Römer und Griechen , wolle vielmehr die ganze Bildung der Jugend auf das Praktische richten . » Dies hindert aber nicht « , fügte sie hinzu , » daß wir gute Freunde bleiben . Wir kommen zusammen , die beiden Alten zanken sich tüchtig ab , wenn der Konrektor dabei ist , so spricht auch das Mittelalter noch ein Wort darein , am Ende sind sie müde , der Edukationsrat ruft : Die Gegenwart gehört der Gegenwart ! das ist mein Stichwort ; ich sage dann : Es ist angerichtet , wir setzen uns zu Tische und verzehren ganz verträglich und lustig ein Gericht Gerngesehen miteinander . « Hermann überzeugte sich im stillen , daß der Arzt ihm jenen Edukationsrat habe empfehlen wollen und daß er verkehrterweise in ein andres Haus geraten sei . Indessen würde es unartig gewesen sein , das Mißverständnis zu bekennen , und er erwiderte daher auf den scherzhaften Zuruf der Rektorin , sich nunmehr zwischen dem linguistischen und dem Realsysteme zu entscheiden , daß seine Nachfrage nur eine zufällige gewesen sei , und daß er niemand hier habe kennenlernen wollen , als den in der gelehrten Welt hochgefeierten Herausgeber des Eutrop . » Nun wohl « , sagte die Rektorin , » ich glaube Ihnen , aber nehmen Sie sich in acht ; Sie werden auf den Zahn gefühlt werden . Und jetzo lassen Sie uns voneinander scheiden . Sie können den näheren Weg durch den Garten nach Ihrem Wirtshause nehmen ; schicken Sie mir mein Cornelchen daher , wir wollen einen Topf mehr zum Feuer rücken , damit es heut mittag heißen kann : Und sie erhoben die Hände zum lecker bereiteten Mahle ; worauf es dann ferner lauten soll : Aber nachdem die Begierde des Tranks und der Speise gestillt war , Gingen sie alle gesamt zu dem göttlichen Hirten Eumäos , Dort des Kaffees Gebräu zu schlürfen aus blumiger Tasse . « Zweites Kapitel Indem Hermann über den Hof und durch den Garten ging , war es ihm nicht unlieb , daß er sich in der Person des Schulmanns geirrt hatte . Nach dem Wesen der Frau , nach dem Begriffe , den er durch ihre Reden von dem Manne erhalten , bei dem Anblicke der philologischen Bildnisse , der engen Häuslichkeit , der schmalen Gartenstiegelchen und sauber gehaltnen Beetchen hätte er nicht erwarten können , daß ein Sinn , der diese Umgebung sich geschaffen , geneigt gewesen wäre , sich mit einem wilden Geschöpfe , wie Flämmchen , zu befassen . Nun aber durfte er von dem Edukationsrate noch alles hoffen . Im Pavillon , der am Ende des in eine Spitze auslaufenden Gärtchens stand , sah er ein