in der Welt von selbst verstände ! explizirte Hinchvoch . Ich verstehe Dich nicht , erkläre Dich deutlicher , sagte Przemysl dringend . Laß erst noch ein Faß Meth holen , sagte Hinchvoch . Soll geschehen ! rief Przemysl , und es war alsbald durch den Diener herbeigeschafft . Nun , sagte Hinchvoch , nachdem er noch einmal getrunken , daß sich Alles in der Welt von selbst versteht , ist klar . Zum Beispiel , daß du frei bist , versteht sich von selbst . Ebenso , daß Du nicht mehr heirathen wirst ! Was machst Du Dir also Gedanken darüber ! Die Zeit ist kostbar . Laß uns schlafen ! - Mir wird Angst bei Dir ! sagte Przemysl . Du fängst an geistreich zu werden . Ich dachte , Du hättest keinen Geist . Und siehe , mein Haar sträubt sich empor , und es ist mir , als käme der neuerdings Mode gewordene Geist der Weissagung auch über meine Seele . Ja , ja , Hinchvoch , ich bitte Dich um Alles in der Welt , ich sehe die Zukunft vor meinen Blicken aufsteigen . Ich schaue eine Periode des Menschengeschlechts , wo Alle geistreich sind . Es ist das glorreiche neunzehnte Jahrhundert , in dem jeder Ladendiener geistreich werden wird . Man wird einem Menschen nichts Schlechteres mehr nachsagen können , als daß er geistreich ist , und überall , wo man hinhört , wird die Rede sein von geistreichen Jünglingen , von geistreichen Frauen , von geistreichen Berliner Banquiersöhnen , und Keiner wird mehr ein Kleid machen lassen bei einem Schneider , wenn der Schneider nicht geistreich ist . Die Recensenten , wenn sie weiter nichts mehr zu sagen wissen , werden das Wort Geistreich zum Schimpfwort brauchen , und diese klägliche Periode wird damit endigen , daß sich die Geistreichen alle unter einander mit Haut und Haaren auffressen . Ich sehe schreckliche Dinge , die da kommen werden , Keiner sagt mehr zum Andern guten Morgen , ohne dabei geistreich zu sein . Keiner ißt mehr ruhig sein Butterbrot , ohne eine geistreiche Bemerkung dabei zu machen . Kein Spitzbube wird gehängt , ohne ein geistreiches Gesicht dabei zu schneiden . Kein Mann prügelt mehr seine Frau , ohne geistreiche Motive dazu zu haben . Alles wird sich geistreich motiviren , und es wird kein gesunder Discours , bei dem man sich bequem ausruhen kann , mehr zu Stande kommen . Diese klägliche Periode und ihr klägliches Ende habe ich prophezeiht . Ich bin dazu ausersehen vom Verhängniß . O Hinchvoch , Hinchvoch , halte mich , mir wackelt der Kopf und ich kann nicht wieder zu mir kommen , mir schwinden die Sinne ! Er sank in die Arme seines getreuen Hinchvoch zurück , und dieser rüttelte und schüttelte ihn , bis die Kraft der Weissagung wieder von ihm wich . Dann sahen sich beide ganz erstaunt an , und reichten sich gerührt die Hände . Sie schwuren , daß sie nie wieder ein Gespräch mit einander führen wollten , an dem sie sich erhitzen könnten , da heut um ein Haar ihre Freundschaft auf dem Spiele gestanden hätte . In diesem Augenblick trat ein Diener in den Saal , und meldete , daß eine Gesandtschaft von vier Jungfrauen draußen stände , die etwas Wichtiges an den Herzog Przemysl und den Reichsobersten Hinchvoch auszurichten hätten . Die Jungfrauen wurden eingelassen , und schritten mit schüchterner Geberde , die beredte Budeslawka an ihrer Spitze , vor die Beiden hin . Budeslawka erhob ihre helltönende Stimme , und begann zuerst , mit gesenkten Augen , von dem heiligen und allen Völkern stets ehrwürdig gewesenen Beruf des weiblichen Geschlechts zu sprechen . Sie nannte die Frauen die Ordnerinnen und Hüterinnen des Lebens , und erinnerte , klagend und triumphirend zugleich , an der Libussa mächtigen Geist , welche dieses hochemporblühende Reich zuerst eingerichtet , und in seinen Grundvesten geschaffen , geordnet , zusammengehalten habe . Dann ging sie , muthiger werdend , und mit durchdringenden Blicken aufschauend , zu der Behauptung über , daß kein Reich , kein Staat , kein Volk ohne der Frauen mitwirkende Hülfe , ohne ihren Alles im Gleichgewicht erhaltenden Sinn , bestehen , gedeihen könne . Sie fügte , leiser betonend , hinzu , daß sie und alle ihre Schwestern draußen auf dem Berge Widowle entschlossen seien , nur am Altar des Vaterlandes ihre Lebenspflichten zu üben , und Wlasta und Stratka , ihrer Schönheit und Tugend wegen allberühmte Jungfrauen , hätten entschieden , die Ersten zu sein , welche dem allgemeinen Besten des Staates sich opferten . Sie böten beide ihre Hand dar , Jene dem Przemysl , Diese dem Hinchvoch , um mit ihnen vereint im Bunde der Ehe Antheil zu haben an dem Wirken und Verrichten der Männer . Dies gäben sie durch diese Abgesandtschaft offen und frei zu erkennen , denn die Frau sei souverain , sie dürfe reden ! Nun sei es an Przemysl und Hinchvoch , so würdigen Jungfrauen würdige Antwort zu ertheilen . Budeslawka schwieg und trat , sich verneigend , wieder einige Schritte zurück , während Przemysl und Hinchvoch sich vor Verwunderung nicht zu lassen wußten . Sie begaben sich endlich beide in ein anliegendes Kabinet , um sich dort miteinander zu berathen . Ein seltsamer Fall ! sagte Przemysl . Ich dächte , man fragte die Gelehrten ! sagte Hinchvoch . Was Gelehrten ! rief Przemysl entrüstet aus . Wir müssen ihnen auf der Stelle eine abschlägliche Antwort geben . Das müssen wir , aber ohne allen Aufwand von Redekunst ! sagte Hinchvoch . So antworte Du ! sagte Przemysl . Nein , antworte Du ! sagte Hinchvoch . Du bist der Herzog . Eben weil ich der Herzog bin , sagte Przemysl , befehle ich Dir , zu antworten . Ja so , sagte Hinchvoch . Ich werde mir etwas ausdenken , was Keine beleidigen und Keine erfreuen kann . Hierauf gingen sie wieder in den Saal zurück , und