. Der Geist hat auch Sinne ; so wie wir manches nur hören , oder nur sehen , oder nur fühlen : so gibt ' s Gedanken , die der Geist auch nur mit einem dieser Sinne wahrnimmt ; oft seh ich nur , was ich denke , oft fühle ich ' s ; und wenn ich ' s höre , da erschüttert mich ' s. Ich weiß nicht , wie ich zu diesen Erfahrungen komme , die sich nicht aus eigner Überlegung erzeugen ; - ich sehe mich um nach dem Herrn dieser Stimme ; - und dann meine ich , daß sich alles aus dem Feuer der Liebe erzeuge . Es ist Wärme im Geist , wir fühlen es ; die Wangen glühen vom Denken , und Frostschauer überlaufen uns , die die Begeistrung zu neuer Glut anfachen . Ja , lieber Freund , heute morgen , da ich erwachte , war mir ' s , als hätte ich Großes erlebt , als hätten die Gelübde meines Herzens Flügel und schwängen sich über Berg und Tal ins reine , heitre , lichterfüllte Blau . - Keinen Schwur , keine Bedingungen , alles nur angemeßne Bewegung , reines Streben nach dem Himmlischen . Das ist mein Gelübde : Freiheit von allen Banden , und daß ich nur dem Geist glauben will , der Schönes offenbart , der Seligkeit prophezeit . Der Nachttau hat mich gewaschen ; der scharfe Morgenwind trocknete mich wieder ; ich fühlte ein leises Frösteln , aber ich erwärmte mich beim Herabsteigen von meinem lieben samtnen Rochus ; die Schmetterlinge flogen schon um die Blumen ; ich trieb sie alle vor mir her , und wo ich unterwegs einen sah , da jagte ich ihn zu meiner Herde ; unten hatte ich wohl an dreißig beisammen , - ich hätte sie gar zu gerne mit über den Rhein getrieben , aber da haspelten sie alle auseinander . Eben kommt eine Ladung Frankfurter Gäste ; - Christian Schlosser bringt mir einen Brief von der Mutter und Dir , ich schließe um zu lesen . Dein Kind Lieber Goethe ! Du bist zufrieden mit mir und freust Dich über alles , was ich schreibe , und willst meine goldne Halsnadel tragen ; - ja tu es , und lasse sie ein Talisman sein für diese glückerfüllte Zeit . Heute haben wir den 21. An Goethe Caub Ich schreibe Dir in der kristallnen Mitternacht ; schwarze Basaltgegend , ins Mondlicht eingetaucht ! Die Stadt macht einen rechten Katzenbuckel mit ihren geduckten Häusern , und ganz bepelzt mit himmelsträubenden Felszacken und Burgtrümmern ; und da gegenüber schauert ' s und flimmert ' s im Dunkel , wie wenn man der Katze das Fell streicht . Ich lag schon im Bett unter einer wunderlichen Damastdecke , die mit Wappen und verschlungenen Namenszügen und verblichnen Rosen und Jasminranken ganz starr gestickt ist ; ich hatte mich aber drunter in das Dir bekannte Fell des Silberbären eingehüllt . Ich lag recht bequem und angenehm und überlegte mir , was der Christian Schlosser mir unterwegs hierher alles vorgefaselt hat ; er sagt , Du verstehst nichts von Musik und hörst nicht gern vom Tod reden . Ich fragte , woher er das wisse ; - er meint , er habe sich Mühe gegeben . Dich über Musik zu belehren ; es sei ihm nicht gelungen ; - vom Tod aber habe er gar nicht angefangen , aus Furcht , Dir zu mißfallen . Und wie ich eben in dem alleinigen , mit großen Federbüschen verzierten Ehebett darüber nachdenke , hör ich draußen ein Liedchen singen in fremder Sprache ; so viel Gesang - - so viel Pause ! - Ich springe im Silberbär ans Fenster und gucke hinaus , - da sitzt mein spanischer Schiffsmann in der frischen Mondnacht und singt . Ich erkannte ihn gleich an der goldnen Quaste auf seiner Mütze ; ich sagte : » Guten Abend , Herr Kapitän , ich dachte , Ihr wärt schon vor acht Tagen den Rhein hinab ins Meer geschwommen . « Er erkannte mich gleich und meinte , er habe drauf gewartet , ob ich nicht mit wolle . Ich ließ mir das Lied noch einmal singen ; es klang sehr feierlich , - in den Pausen hörte man den Widerhall an der kleinen scharfkantigen Pfalz , die inmitten umdrängender schwarzer Felsgruppen mit ihren elfenbeinernen Festen und silbernen Zinnen ganz ins Mondlicht eingeschmolzen war . - Lieber Goethe , ich weiß nicht , was Dir der Schlosser über Musik demonstriert hat mit seiner verpelzten Stimme , - aber hättest Du heute nacht mit mir dem fremden Schiffer zugehört , wie da die Töne unter sich einen feierlichen Reigen tanzten ; wie sie hinüberwallten an die Ufer , die Felsen anhauchten und der leise Widerhall in tiefer Nacht so süß geweckt , träumerisch nachtönte ; der Schiffer , wie er aus verschmachteter Pause wehmütig aufseufzt , in hohen Tönen klagt und aufgeregt in Verzweiflung hallend ruft nach Unerreichbarem und dann mit erneuter Leidenschaft der Erinnerung seinen Gesang weiht , in Perlenreihen weicher Töne den ganzen Schatz seines Glückes hinrollt ; - - O und Ach ! haucht , - lauscht , - schmetternd ruft ; - wieder lauscht - und ohne Antwort endlich die Herde sammelt , in Vergessenheit die kleinen Lämmer zählt : eins , zwei , drei , und wegzieht vom verödeten Strand seines Lebens , der arme Schäfer . - Ach , wunderbare Vermittlung des Unausprechlichen , was die Brust bedrängt ; ach Musik ! - Ja , hättest Du ' s mit angehört , mit eingestimmt hättest Du in die Geschicke ; mitgeseufzt , - mitgeweint , - und Begeistrung hätte Dich durchzückt , und mich , lieber Goethe , - die ich auch dabei war , - tiefbewegt , - mich hätte der Trost in Deinen Armen ereilt . Mir sagte der Schiffer gute Nacht , ich sprang in mein großes Bett unter die damastene Decke , sie knarrte mir