Besitzungen auf Jahre hinaus verpfändete . Mich , die protestantische Stiftsdame , band zwar kein Gelübde , aber auch mir hatte mein Vater wenig hinterlassen , obgleich die Einkünfte meines kleinen Kapitals , verbunden mit denen meiner Präbende , für mich hinreichend waren um anständig davon leben zu können . Bernhard schauderte vor dem Gedanken , an seiner Hand mich , die Heißgeliebte , vielleicht in einen bodenlosen Abgrund von Sorgen und Mangel hinabzuziehen , und so blieb uns denn nichts übrig , als Entsagung . Mein Freund war darüber der Verzweiflung nahe , denn er betrachtete unser trauriges Loos als die Folge einer sonst ganz gegen seinen Karakter streitenden Uebereilung , zu der sein damals von allen Seiten schmerzlich bestürmtes Gefühl ihn hingerissen hatte , und die traurige Gewißheit , daß sein Bruder an der Seite der so theuer erkauften Gattin das gehoffte Glück bei weitem nicht gefunden habe , raubte ihm vollends jeden Trost . Doch ich , die ich einen weit herbern Schmerz gekannt , ich war beglückt , wenn gleich unter Thränen . Ich wandte alles an , um auch meinem Freunde die wehmüthige Ruhe mitzutheilen , die seit dieser unvergeßlichen Stunde mich nie wieder ganz verlassen hat ; doch leider widerstand sein Kummer lange Zeit allen meinen Bitten und Vorstellungen . Bernhard , sprach ich zu ihm , glauben Sie mir , von heute an trage ich nicht nur resignirt , sondern auch mit stiller Freude diese Strafe meines früheren Leichtsinns . Von nun an ist mein ganzes Leben einzig dem beseeligenden Bewustsein geweiht , Ihnen anzugehören , und wie auch unser Schicksal sich wenden mag , und wenn wir auch nie wieder wie heute neben einander stehen , wenn ich nach der schmerzlichen Trennung , die uns so nahe bevorsteht , auch nie wieder die geliebte Gestalt meines Freundes wiedersehen soll , so bin und bleibe ich doch in unwandelbarer Treue Ihnen zu eigen und werde nie eines andern sein . Denn wir sind eins auf ewig , und das Gelübde das Sie bindet , fesselt auch mich . Bernhard erschrack auf das Heftigste , da er diesen Entschluß von mir vernahm ; beinahe kniend flehte er mich an , davon abzustehen . Sie wissen nicht Anna , rief er , Sie wissen nicht zu welchem Opfer Ihr Edelmuth Sie verleiten will . Noch blüht Ihnen das Leben und die nie wiederkehrende Jugend , o verschleudern Sie nicht beide um eines Unglücklichen willen , der gestraft werden muß , weil er an Sie nicht glauben wollte und im blinden Wahn sich selbst Fesseln schmiedete , die er jezt nicht mehr zerreißen darf . Theure Anna , denken Sie von heute an ich sei gestorben , tragen Sie mein Andenken wie das eines einst geliebten Todten in Ihrem reinen treuen Gemüth , erinnern Sie sich meiner mit stiller Wehmuth wenn Sie glücklich sind , mehr darf und kann ich nicht wollen , aber versprechen Sie mir wenigstens , das Glück um meinetwillen nicht von sich zu stoßen , wenn es in einer Ihrer würdigen Gestalt sich Ihnen naht , und das wird es gewiß und bald . Ich bin ja der Welt und dem Glück schon abgestorben , ich bin ja eigentlich nichts weiter mehr als der Leichenstein dessen , was ich einst war . Sein inniges Flehen , die Thräne die sein schönes Auge umdunkelte , rührten mich tief in der Seele , weil er es war der so bat , nicht weil die Gründe die er anführte meinen Vorsatz erschüttert hätten . Ich weinte mit ihm , aber ich blieb fest auf meinem Sinn . Und so schieden wir wieder noch am nämlichen Abende von einander , auf lange , lange Zeit . Denn Bernhards Rückkehr nach Maltha stand unabänderlich fest . Ich blieb wieder einsam zurück , doch wie ganz anders war alles gegen ehedem . Bernhards Briefe , obgleich die weite Entfernung sie selten genug machte , wurden von nun an das eigentliche Element meines Lebens , meine ganze Existenz drehte sich einzig um ihren Empfang und um die Freude sie zu beantworten . Jeder neue Jahrestag , den wir so weit von einander entfernt erlebten , fand uns fester verbunden , denn unser ganzes Dasein verzweigte sich , durch die schriftliche Mittheilung aller unsrer innern und äußern Begebnisse auf das wunderbarste in einander , und wenn je zwei Menschen eins genannt zu werden verdienten , so waren wir es . Zuweilen trennte ich mich auf einige Monate von der mir so lieb gewordnen Einsamkeit , um meine im Gewühl der Welt lebende Schwester zu besuchen , doch immer kehrte ich voll heißer Sehnsucht zu ihr wieder zurück , sobald ich dies nur konnte ohne Karolinen wehe zu thun . Wenn ich dann bei meiner Heimkehr die alten Thürme meiner klösterlichen Wohnung wieder von Ferne erblickte , so klopfte mir das Herz in ungestümer Freude , beinahe als wäre ich gewiß , ihn dort wieder zu finden , für den und in dem ich einzig noch lebte ; denn ich kannte keine Freude als die Beschäftigung mit ihm , der ich mich nirgend so ungestört ergeben konnte . Die Welt vergaß mich allmählig wie sie alles bald vergißt , und so führte ich ein paar Jahre hindurch ein ernstes ruhiges , ich könnte sogar sagen , ein glückliches Leben , von wenigen gekannt , von keinem beneidet . In wilden Kämpfen wogte indessen die Welt . Die französische Revolution war ausgebrochen , und alles , alles , sowohl im Reich der Ideen als der Wirklichkeit , näherte sich einer furchtbar gewaltsamen Umwälzung , welcher nur wenige sich ganz zu entziehen vermochten . Auch mein Freund hielt es nicht länger aus , dem allen nur aus der Ferne zuzusehen , er konnte das ruhige stille Leben nicht weiter fortführen , das bei dem gewaltigen Treiben im übrigen Theil von Europa , ihm wie Unthätigkeit vorkam , und er wandte alles an , um sich wenigstens auf einige Zeit davon loszumachen . Er