Blüthe ihres Lebens - das Prisma ihrer Jugend nun zerbrochen - und hinter drohenden Gewitterwolken der letzte Glanz verschwunden , der ihr Loos vergoldete . XVI So im Innersten erregt , dem Schmerze Preis gegeben , ohne Kraft , selbst ohne Willen , ihn zu verbergen , fand sie Linovsky , als er , von Alexander ' s Entfernung überzeugt , die Thür wieder öffnete , um zu ihr zurückzukehren . Sein heißes Blut hatte sich in der Einsamkeit abgekühlt , er war wieder zu sich gekommen , und hatte eingesehen , daß es Unrecht sei , Erna zu verdammen , da doch nur der kurze Maasstab vorgefaßter Meinung und die übereilten Irrthümer seines Mistrauens ihn gegen sie erbittert hatten . Ob er gleich den , Alexandern so freundlich gewährten Zutritt , durch nichts entschuldigen zu können glaubte , so sehnte sich doch sein Herz , die zu tief Gekränkte , durch den Ausbruch seines Unmuths bereits bitter Bestrafte wieder zu versöhnen , und er nahte ihr jetzt wirklich in dieser friedlichen Absicht , als der Anblick ihres stummen , unverschleierten Grams und ihrer Thränen ihn von Neuem zu einem Verdacht aufreizte , der ihn bis zur Wuth empörte . Gilt diese Fluth , die Deinen Augen entströmt , Deinem Hausfreunde ? fragte er still ergrimmt , oder meinst Du vielleicht durch das Bitterkleesalz der Thränen die Flecken hinwegwaschen zu können , die Dein Ruf , so wie wahrscheinlich Dein Bewußtseyn durch diesen Umgang erhalten hat ? Erna , durch den Ton , so wie durch den Sinn seiner Worte schmerzlich verwundet , fühlte ihre Stimmung schnell aus der weichsten Wehmuth in Erbitterung übergehen . Sie fand es indeß unter ihrer Würde , etwas auf den schneidenden Hohn zu erwiedern , der ihr Herz zerriß , und nur als er , da sie ihr Angesicht von ihm abwandte , von Neuem vor sie trat , sie wiederholt um Antwort auf seine Fragen zu mahnen , versetzte sie , daß sie für solche Fragen keine habe , und daß er eher an seinen Zweifeln als an ihr habe zweifeln sollen . Als sie dies mit dumpf erloschener , beinahe lautloser Stimme gesagt hatte , sank sie ohnmächtig zu seinen Füßen nieder . Indessen war Alexander zur Stadt zurückgekehrt . Bilder der hohen himmlischen Lust , die die Erinnerung in ihm erweckte , Erna in seinen Armen gehalten und sie an seine Brust gedrückt zu haben , wechselten mit der schrecklichen Vorstellung , sie nun nicht mehr zu sehen , ja , sie nicht einmal glücklich zu wissen , da der Hausaltar , den sie als Opferlamm schmückte , durch Härte und rohen Argwohn entwürdigt war . Für einen Augenblick wollte eine selige Hoffnung in ihm aufdämmern . War es doch nicht unmöglich , und in dem Staate , wo er lebte , sogar leicht , Bande wieder aufzulösen , die durch unglückliche Verhältnisse das Glück der Ehe strangulirten , statt es zu befestigen . Aber auch nur einen Augenblick dauerte die glückliche Verblendung des Wahns , der eine solche Möglichkeit ihm vorspiegelte . Denn ach , er kannte Erna , und wußte , sie würde eher den Tod der Märtyrerin an Linovsky ' s Seite , als getrennt von ihm , die Schmach der Bundbrüchigkeit und des befleckten Bewußtseyns wählen . Mehrere Tage sperrte er sich - allem unzugänglich - in seine Wohnung ein , und seine treuen Diener , die einzigen Wesen , welche Gelegenheit hatten , ihn zu beobachten , glaubten ihn oft an der Schwelle , die in das verworrene Gebiet des Wahnsinns hinüberführt , so ungleich war sein Betragen , bald eine excentrische Fröhlichkeit , bald die tiefste Schwermuth ausdrückend , wie eben die Gedanken und Gefühle in seinem Innern sich durchkreuzten . Endlich beschloß er wieder auszugehen . Er sann auf Thätigkeit , die ihn zerstreuen , auf irgend einen Zweck , der ihn von dem Schauplatz des einst besessenen , nun so grausam gestörten Glückes entfernen könne . Denn er sah wohl ein , daß bei einem leicht möglichen Zusammentreffen mit Linovsky , trotz der Festigkeit , mit welcher er sich selbst gelobt hatte , Erna ' s Ruhe und ihren Willen zu ehren , eine Reibung zwischen ihnen entstehen müsse , die alsdann nur ein blutiger Kampf zu stillen im Stande seyn werde . Aber noch hatte die dumpfe Gährung in der politischen Welt , welche Krieg drohte , kein entscheidendes Resultat hervorgebracht . In langsamen Zurüstungen und weit aussehenden Vorbereitungen zersplitterte sich der thatenlustige Geist der Zeit , und ungeduldig sah das Heer , so wie das Volk , dem endlichen Ausbruch baldiger Feindseligkeiten entgegen . Diese Erwartungen mit ganzer Seele theilend , und unstät bemüht , die Zeit bis zu ihrer Erfüllung so gut wie möglich zu tödten und zu kürzen , nahm sich Alexander eines Tages vor , zur Gräfin zu gehen . Zwar hatte ihr Umgang eben keinen sonderlichen Reiz für ihn , da ihre Heiterkeit nicht kindlich spielend , wie er es an Frauen liebte , sondern oft stechend und durch Ironie verwundend war ; aber die Hoffnung zog ihn mit magnetischer Kraft zu ihr hin , vielleicht bei ihr ein Wort von Erna zu hören . Denn es schien ihm , als sei er jetzt auf einem Punkt gekommen , wo er nun nicht länger Nachricht von ihr entbehren könne . Er begegnete , als er sich zu ihr begeben wollte , unter dem Portal des Hauses Frau von Lahnberg mit ihrer Tochter , die eben von ihr kamen , und ihn mit vielen freundlich seyn sollenden Verzerrungen ihrer ohnehin nicht lieblichen Gesichtszüge becomplimentirten . Durch Combinationen und Nachforschungen war er nach und nach dahinter gekommen , daß der bittere Verdrus , den ihm einst Mariane , seinen Erna geschenkten Rhododendron und die Daphne an der Brust , bereitete , nur durch ein Gewebe boshafter Lügen entstanden sei , wodurch ihre Misgunst den reichen und blühenden Bewerber von Erna ab , und wo möglich auf sich zu lenken