, wie die guten Leute , worüber sein schöner Verstand freilich etwas wacklicht werden konnte , aber ebendeshalb , mein ' ich , war Herr Leonhard kein echter Musikant . Diese tragen die erkorne Dame im Herzen und wollen nichts als ihr zu Ehren singen , dichten , malen und sind in der vorzüglichsten Courtoisie den galanten Rittern zu vergleichen , ja , was unschuldsvolle Gesinnung betrifft , ihnen vorzuziehen , da sie nicht verfahren wie sonst diese , die blutdürstiger Weise , waren nicht gleich Riesen , Drachen bei der Hand , die schätzbarsten Leute niederstreckten in den Staub , um der Herzensdame zu huldigen ! « - » Nein , « rief die Prinzessin , wie erwachend aus einem Traum , » nein , es ist unmöglich , daß in der Brust des Mannes ein solch reines Vestas Feuer sich entzünden sollte ! - Was ist die Liebe des Mannes anders als die verräterische Waffe , die er gebraucht , einen Sieg zu feiern , der das Weib verdirbt , ohne ihn zu beglücken . « - Kreisler wollte sich eben über solche absonderliche Gesinnungen einer siebzehn- , achtzehnjährigen Prinzessin höchlich verwundern , als die Türe aufging und Prinz Ignatius hineintrat . Der Kapellmeister war froh , ein Gespräch zu enden , das er sehr gut mit einem wohleingerichteten Duett verglich , in dem jede Stimme ihrem eigentümlichen Charakter getreu bleiben muß . Während die Prinzessin , so behauptete er , im wehmütigen Adagio beharrt und nur hie und da einen Mordent , einen Pralltriller angebracht , sei er als ein vorzüglicher Buffo und erzkomischer Chanteur mit einer ganzen Legion kurzer Noten parlando dazwischengefahren , so daß er , da das Ganze ein wahres Meisterstück der Komposition und der Ausführung zu nennen , nichts weiter gewünscht , als der Prinzessin und sich selbst zuhören zu können aus irgendeiner Loge oder einem schicklichen Sperrsitz . Also Prinz Ignatius trat hinein mit einer zerbrochenen Tasse in der Hand , schluchzend und weinend . Es ist nötig , zu sagen , daß der Prinz , unerachtet hoch in die zwanzig , doch sich noch immer nicht von den Lieblingsspielen der Kinderjahre trennen konnte . Ganz vorzüglich liebte er schöne Tassen , mit denen er stundenlang in der Art spielen konnte , daß er sie in Reihen vor sich hinstellte auf den Tisch und diese Reihen immer anders und anders ordnete , so daß bald die gelbe Tasse neben der roten , dann die grüne bei der roten u.s.w. stehen mußte . Dabei freute er sich so innig , so herzlich wie ein frohes zufriedenes Kind . Das Unglück , worüber er jetzt lamentierte , bestand darin , daß ihm der kleine Mops unversehens auf den Tisch gesprungen war und die schönste der Tassen herabgeworfen hatte . Die Prinzessin versprach , dafür zu sorgen , daß er eine Mundtasse im neuesten Geschmack aus Paris erhalten solle . Da gab er sich zufrieden und lächelte mit dem ganzen Gesicht . Jetzt erst schien er den Kapellmeister zu bemerken . Er wandte sich zu ihm mit der Frage , ob er auch viele schöne Tassen besitze . Kreisler wußte schon , von Meister Abraham hatte er es erfahren , was man darauf zu antworten . Er versicherte nämlich , daß er keinesweges solche schöne Tassen besitze wie der gnädigste Herr , und daß es ihm auch ganz unmöglich sei , so viel Geld darauf zu verwenden , als der gnädigste Herr es tue . » Sehn Sie wohl , « erwiderte Ignaz sehr vergnügt , » sehen Sie wohl , ich bin ein Prinz und kann deshalb schöne Tassen haben , wie ich nur mag , aber das können Sie nicht , weil Sie kein Prinz sind , denn weil ich nun einmal ganz gewiß ein Prinz bin , so sind schöne Tassen - « Tassen und Prinzen und Prinzen und Tassen gingen nun durcheinander in immer mehr verwirrter Rede , und dabei lachte und hüpfte Ignatius und klopfte in die Hände vor seligem Vergnügen ! - Hedwiga schlug errötend die Augen nieder , sie schämte sich des imbezillen Bruders , sie fürchtete mit Unrecht Kreislers Spott , dem , nach seiner innersten Gemütsstimmung , des Prinzen Albernheit als ein Zustand des wirklichen Wahnsinnes nur ein Mitleid erregte , das eben nicht wohltun konnte , vielmehr die Spannung des Augenblicks vermehren mußte . Um den Armen nur abzubringen von den unseligen Tassen , bat die Prinzessin ihn , die kleine Handbibliothek in Ordnung zu bringen , die in einem zierlichen Wandschrank aufgestellt stand . Ganz vergnügt , unter fröhlichem Gelächter begann der Prinz sogleich die sauber gebundenen Bücher herauszunehmen und , sie , nach dem Format sorglich ordnend , so hinzustellen , daß die goldnen Schnitte , nach außen stehend , eine blanke Reihe formten , worüber er sich über alle Maßen freute . Fräulein Nannette stürzte hinein und rief laut : » Der Fürst , der Fürst mit dem Prinzen ! « - » O mein Gott , « sprach die Prinzessin , » meine Toilette , in der Tat , Kreisler , wir haben die Stunden verplaudert , ohne daran zu denken . - Ich habe mich ganz vergessen ! - Mich und den Fürsten und den Prinzen . « Sie verschwand mit Nannetten in das Nebengemach . Prinz Ignaz ließ sich in seinem Geschäft gar nicht stören . Schon rollte der Staatswagen des Fürsten heran ; als Kreisler sich unten an der Haupttreppe befand , stiegen eben die beiden Laufer in Staatslivree aus der Wurst . - Das muß näher erklärt werden . Fürst Irenäus ließ nicht ab von dem alten Brauch , und so hatte er zur selben Zeit , als kein schnellfüßiger Hanswurst in bunter Jacke vor den Pferden herzulaufen genötigt wie ein gehetztes Tier , in der zahlreichen Dienerschaft von allen Waffen auch noch zwei Laufer , artige hübsche Leute von gesetzten Jahren , wohlgefüttert und nur zuweilen von Unterleibsbeschwerden geplagt wegen der sitzenden Lebensweise . Viel zu