den Kaiserthron zu erstreiten . Dem Kaiser sei selbst einmal , als er sich auf der Gemsenjagd verirrt und verstiegen hatte , ein Schloß erschienen und in den Wolken verschwunden , das gleichsam aus durchsichtigem Glase erbauet zu sein geschienen und eine Krone in die Wolken gestreckt habe . » Begierig staunte er das Wunderbild an , suchte sich ihm zu nähern , aber bald umzog ihn die Wolke immer dichter . Dennoch verfolgte er nach seiner Meinung die rechte Richtung , als aber der Wind die Wolken zerstreute , fand er sich in einer noch öderen Gegend wieder , wo er nichts von dem Schlosse wahrnehmen konnte , aber auch keinen Weg , um herab zu kommen , denn da , wo er hinauf gestiegen war in der Trübheit der Wolken , da war in der Klarheit kein Herabsteigen möglich . Er hatte sonst die Welt in seinem Reichsapfel spielend in Händen getragen , jetzt trug ihn die Welt spielend in ihrer luftigen Hand und schien zu zweifeln , ob sie ihn dem eignen Schwindel , oder dem Sturmwinde , oder den wilden Vögeln überlassen sollte , deren Nestern er zu nahe getreten war . Er ließ sich auf die Kniee nieder , um sich im Gebet zu verstecken , wie der Strauß , vom Jäger übereilt , den Kopf unterm Flügel birgt . Da rührte eine Hand an seine Schulter , Gottes Allgegenwart schien ihn sichtlich zu ergreifen , er blickte mit Scheu um und sah einen heiter lächelnden , blonden Lockenkopf , den er für einen Engel hielt . Aber körperlich fest ergriff der Knabe seine Hand und führte ihn mit Anstrengung zu einem schwierigen , doch gefahrlosen , sehr verborgenen Seitenwege , wo weiter keine Gefahr voraus zu sehen war . Hier blieb der Knabe und gebot ihm auf demselben , ohne sich aufzuhalten , bis zum Sonnenuntergang fort zu gehen , nie wieder zu kehren in diese Gegend und niemand von seiner Rettung etwas zu sagen , so lieb ihm sein Leben ; denn , sagte er , ich war geschickt , dich herab zu stoßen , aber dein mildes Antlitz machte mich ungehorsam und ich rettete dein Leben und wage jetzt das meine , wenn ich nicht dein Schwert mitbringe , das mir als Wahrzeichen zu bringen geboten . - Milde reichte der Kaiser dem Knaben das Schwert und sagte ihm , es sei das Schwert Karls des Großen , zugleich bat er ihn um Aufschluß über die Geschichte des Schlosses und der Menschen , die es bewohnten . Aber leichtfüßig , ohne Antwort , war schon der Knabe mit dem Schwerte entschwunden , der Kaiser traf nach mehreren Tagen auf Bergbewohner , die ihn zu den Seinen führten . Er schwieg wirklich , sagte , daß er sein Schwert beim Klettern verloren habe , und ließ heimlich ein gleiches machen . Erst nach mehreren Jahren hat er mich jetzt , wo er sich am Rande seines Lebens fühlt , ins Vertrauen gezogen , nachdem ihm auf andern Wegen die Sage von Abkömmlingen der Hohenstaufen bestätiget worden ist ; er fürchtet für seinen Sohn und für die großen Entwürfe seines Lebens . Er wünscht von Euch Nachforschung über die geheimen Führer des Bauernaufruhrs , der im Jahre 1514 um Waiblingen bei Beutelspach scheinbar wegen Maß und Gewicht ausbrach , eigentlich aber wohl von der Brüderschaft des Armen Konrad , worunter Konradin von Schwaben gemeint , angestiftet worden sei . « - Berthold lächelte und meinte : » Ich bin zwar hinfällig in dieser Zeit gewesen , daß ich nur das Notwendigste zur Sicherheit unsrer Stadt anordnen konnte , aber so viel ich damals gehört , so hat dieser Konrad nichts mit Konradin zu tun , es war ein Bauernscherz , sie wußten sich keinen Rat , wer sie führen sollte , da keiner gern seinen Hals daran setzen mochte , darum nannten sie ihren unsichtbaren Führer Keinrat , daraus wurde in ihrer Aussprache Konrad . Die Sage bildet gern etwas Zweideutiges in der Geschichte , so wurde auch dieser Name , wie die Orakel der Alten , zweifach ausgelegt . « - Treitssauerwein antwortete : » Das Nächste täuscht am leichtesten , denn aus Gewohnheit kommen wir darauf , nichts Ungewohntes darin zu vermuten ; glaubt mir , am armen Konrad war der Ernst früher , als der Scherz , der ihm zum Deckmantel dienen sollte . « - Sie hatten sich unterdessen dem Kaiser genähert , der , mit der Armbrust hinter einem Dornbusche versteckt , ihnen Stille zuwinkte , weil seine Hunde ihm einen Hasen eben schußrecht herantrieben . Inzwischen hatten sie beide doch schon dem Hasen zur Warnung gedient , er sprang seitwärts , der Kaiser nahm ohne Zorn den Bolzen von der Armbrust , rief die Hunde und schickte sie mit den Jägern zurück . Der Kaiser sprach : » Nicht wahr , mein lieber Bürgermeister , es steht eigen mit der Welt , wenn sie einen Jäger zum Kaiser hat ! « - » Gnädiger Kaiser « , antwortete Berthold , » ich habe eben vernommen , wie die Gemsenjagd Euch einst auf so seltsame Entdeckung gebracht , demnach möchte auch diese Neigung wohl zu Eurem Besten Euch eingepflanzt sein . « - » Zu meiner Gesundheit wenigstens « , sagte Maximilian , » wohl tat unser Freund Gelegenheit etwas für uns , aber unser Feind Ungelegenheit machte alle Nachforschungen darüber bisher vergeblich . Wir nahmen ' s damals nicht ernst genug , wir merken erst jetzt an manchem Widerstande der Kurfürsten , daß sie mehr von der Sache wissen , als wir bei aller offenen Macht und heimlichen Kundschaft . Wir haben Euch erwählt , lieber Bürgermeister , weil Ihr uns durch Marx und Kunz empfohlen seid , und keiner auf Euch rät , uns Aufschluß in der Sache zu verschaffen . « - Berthold erklärte sich bereit , aus allen Kräften mitzuwirken , und es ging ihm ängstlich im Kopfe herum , ob er nicht dem Kaiser