kein Obdach wäre mir da etwas wert gewesen , so stark auch das Unwetter ; ich hörte Euer Herz schlagen , ich fühlte Euren Atem wie Tau an meiner Brust ; ich war Euch so nahe . Ach wie seid Ihr nun so gar entfernt ; ich denke mir rote und grüne Länder , wo Ihr durchgehet ; ich liebe Euch wie meinen Himmel und liebe den Himmel , wenn er so wie Ihr fortwandelt in aller Güte . O möge Euch für die Treue an mir , Maria , die Mutter Gottes , ihr Kindlein eine Stunde in die Arme geben , daß es Euch anlächle in der Wüste . Mich segnet Euer Andenken . 3. Der Einsiedler an die Mohrin Da der König David seine Jugend im Gottesdienste hatte verherrlicht , da begann er zu alten , da begann er zu kalten , und das sahen seine getreuen Diener , und die zogen durch alles Land und suchten ihm eine züchtige Jungfrau , und führten sie zu ihm , daß sie ihn wärmete mit ihrer Andacht , und also ward er wieder jung und ging wieder frisch zu dem Werke des Herrn . Siehe , so hast Du mir getan , und ich bin gestärkt durch Dich in die Welt gezogen ; siehe , so tue vielen und andern , die noch mehr Deiner bedürfen , als ich . Es sind jetzund viele Menschen , die tragen einen geistlichen Schein und haben Gott nie scheinbar erzürnet , aber sie sind laulicht , lieblos und gnadenleer geworden ; schließe Dich an sie , zu erwärmen die Kalten , und Reif wird herabfließen in Tränen und die Flur wird heller und grüner sein , denn jemals . Ein liebendes Herz spricht zu tausend andern , es tut als wilder Adler einen freien Schwung zur Sonne , daß die kalten Herzen inne werden der göttlichen Herrlichkeit . - Auch mir , Du geliebtes Kind , fehlet viel , da ich Dich nicht bei mir sehe ; der volle Mond ist gebrochen , die frohe Sonne erloschen , der liebe Ostertag zum stillen Freitag geworden , ach und die heiße Sommerwärme vom kalten Reife verdrängt ; doch manche Rose , die sich dem Himmelstau lange verschlossen , gehet im kalten Reife auf , also diente ich jetzt schon mancher andern frommen Seele . - Verzweifele nicht an Deiner Heiligung , höre nur treu die Stimme des geliebten Jesus , denn seine Stimme ist süß und sein Angesicht lieblich . Ich bitte die ewige Wahrheit , daß sie in Deinem Herzen haushalte , und alles Unreine kräftiglich darausstoße , das je darinnen sich gesetzet . Wie wäre es aber möglich , daß alles Getümmel , das zwanzig Jahre an einem Orte sich gesammelt , in wenigen Tagen ausgestoßen sei . Es muß noch manches wandelbare Wetter in Dir aufstehen , ehe die bleibende Heiterkeit sich darin setzet . Darum lässet Christus sein Antlitz leuchten über Dir , daß Du sehen mögest , wo es noch dunkel und unrein in Deinem Herzen . 4. Die Mohrin an den Einsiedler Heiliger Vater , Euer Brief hat mich gestärkt , daß ich zur großen Verlobung bin tüchtig geworden . Ich habe mein Gelübde getan ; ich konnte kein Haar mir abschneiden lassen wie die andern , denn mein Haar ist nie aufgegangen , das die heiße Sonne frühzeitig versengt hatte , und mein Herz ist trocken geblieben . Ich habe nicht getanzt wie die andern den Tag vorher , ich habe nicht geweinet wie die andern den Tag nachher , als die Tür zuschlug und ich in die dunkle Zelle eingeführt wurde . Ich fühlte mich nicht verändert , nicht heiliger , nicht frommer , und schreibe das der Trockenheit meines fremden Himmels zu . Ihr seid mein Führer , Ihr hörtet mich , als ich im Schandhaus ein frommes Lied sang , das ich nicht verstand , das ich bloß so nachsingen lernte meiner Mutter , ehe ich geraubt wurde . Da tratet Ihr herein und fürchtetet nicht das Gespötte , nicht die Drohungen der wilden Seeräuber ; Ihr riefet laut : » Hier ist noch eine arme Seele , die gerettet werden kann , denn sie wendet sich zu Gott . « - Und Gott gab Euren Worten die Kraft und erschreckte die Männer und ich folgte wie ein junges Kindlein der Mutter ; ich war einer großen Sünde recht nahe und wußte es nicht ; nun ich es weiß , habe ich Euch erst danken lernen ; Ihr habt mich an den Himmel abgegeben , aber ich wage nicht hinaufzusehen . Sehet hinauf und betet für mich . 5. Der Einsiedler an die Mohrin Die Weinstöcke haben Augen gewonnen und geben ihren Geruch ; die Turteltaube läßt sich hören in unserm Lande . Mit welchen Freuden meinst Du , daß sich der Herr in den schönen Weingärten ergeht ; ach ihr jungen schönen Weinstöcke des himmlischen Vaters , ihr schönen holdseligen Turteltäubelein des göttlichen Gemahls , gedenket wie lange Zeit ihr seid wüste gelegen , wie manchen schönen Tag müßig ! - O wehe des kalten Windes unnützer Worte ! Mein frommes Kind , was soll ich mehr schreiben . Es freuet sich mein Herz über Dein angefangenes heiliges Leben ; ehe Du aber erstarket bist , mußt Du Dich umzäunen , als ein junges Bäumelein gegen das grasende Vieh . So schaue in Dich , statt der andern Tun und Lassen zu vergleichen , warte der himmlischen Harfen , die im Gemüte , wie die Vögel der Luft , unsichtbar dem in sich Verlornen klingen . Auch sollst du gewarnet sein , so die schönen Weingärten aufblühen , daß auch dann die Bremen und leidigen Käfer beginnen zu stürmen , und wo der böse Geist mit sich selber nicht kann zukommen gegen einen frommen Menschen , da lässet er ihn reizen von seinem Gesinde mit bittern Worten und ihn selbst mit falschen Weissagungen in Lieb oder in Leide . Und darum mein