in das Reich wesenloser Schatten - oder des wesenloseren Nichts - schauderhaft , entsetzlich ! Unerfreulich und düster steht die dunkle Welt jenseits vor dem forschenden Blicke , und nach tausend Zweifeln , eiteln Spekulationen und nichtigen Erwartungen bleibt dem grübelnden Verstande höchstens - der Trost der Ungewißheit . Weiter kann er es nicht bringen , weiter hat es nie ein Weiser gebracht . Was sich wider diese Ueberzeugung in uns empört , ist der Trieb der Selbsterhaltung , dem der Gedanke der Vernichtung unmöglich zu fassen ist . Ich sollte von Tiridates scheiden , ihn der düstern Verzweiflung , oder - schreckliche Wahl - den Tröstungen einer neuen Liebe überlassen , und hingehen , woher nie Jemand zurückkommt , wo keine Hoffnung des Wiedersehens ist ! O nein , nein ! nur jetzt nicht sterben ! Die Aerzte geben mir Hoffnung , und ich ergreife sie begierig ; sie sagen , und es ist auch mehr als wahrscheinlich , daß jene traurigen Erschütterungen , die Beschwerden der Reise , die Veränderung des Clima ' s auf meinen geschwächten Körper nachtheilig wirken mußten ; sie versprechen mir viel von der Wirkung der Zeit , und der inneren Zufriedenheit ; und so will ich denn geduldig seyn , und alle Gedanken und Zweifel verbannen , die noch zuweilen in mir aufsteigen wollen ; ich will recht gelassen , recht ergeben seyn , sogar blind und gefühllos , wenn es die Erhaltung meiner Gesundheit fordert . Du fragst mich , was und wie Agathokles von dir spricht ? Du willst dein Betragen nach meinen Beobachtungen einrichten ? So muß ich ja wohl ganz aufrichtig seyn , und nichts als strenge Wahrheit sprechen . Er achtet dich ohne Zweifel , er will dir herzlich wohl , und wenn ich seinen Kummer zu zerstreuen wünsche , kann ich es am besten dadurch , daß ich einige Bilder und Scenen aus seinem römischen Aufenthalte vor seine Seele führe . Er erheitert sich dann und spricht mit Vergnügen von jener Zeit - aber das Alles sehr ruhig , und ohne daß die geringste Verlegenheit oder höhere Wärme auf eine lebhaftere Empfindung schließen ließe . Vergiß aber nicht für meine und deine Erwartungen , und für das künftige Glück unsers Freundes , daß die Wunde seines Herzens noch frisch und durch die Art des Verlusts seiner Geliebten wirklich schrecklich ist . Zudem ist er einer von jenen beneidenswerthen Schwärmern , die sich mit einem seligen Wiedersehen nach dem Tode schmeicheln können . Für ihn ist seine Larissa nicht todt , sie ist nur vorangegangen , und so muß er ihr wohl die Treue bewahren . Doch ungeachtet dieser und mancher andern Schwärmereien , die er mir aus den Lehrsätzen der Christen genommen zu haben scheint : - laß nur einige Zeit verfließen , bis die Neuheit des Eindrucks sich verliert ; laß die Reize deines angenehmen Umganges seinen Verstand beschäftigen , sein Gemüth erheitern , laß ihn den Zauber deiner Schönheit empfinden - und die Liebe zu einem leeren Schattenbilde wird der Gewalt der Gegenwart weichen . Tiridates bringt dir diesen Brief . Er freut sich sehr , dich wieder zu sehen , so sehr , daß , wärest du weniger , was du bist , ich beinahe besorgt seyn müßte . Er hat mir versprochen , dich und deinen Vater zu bereden , daß ihr mit ihm zu mir herauskommen sollt , und so erwarte ich denn in wenigen Tagen das allein ungetrübte Glück der Freundschaft in deinen Armen zu genießen . Leb ' wohl ! 40. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im März 302 . Die Friedenshoffnungen haben sich zerstreut , und der Kampf beginnt auf ' s Neue . Das Heer hat Befehl aufzubrechen , und ich gehe mit Tiridates , unter Galerius Fahnen zu dienen . Die Zurüstungen sind mit eben so viel Klugheit als Anstrengung gemacht . Galerius hat unumschränkte Macht , und es ist zu hoffen , daß dieses Jahr etwas Entscheidenderes vorgehen werde . Immer ist es Gewinn für den Gang her Angelegenheiten , wenn der höchste Wille , die Macht und die Ausübung sich in Einem Punkte vereinigen . Wir ziehen an das Ufer des Euphrats , dort wird wahrscheinlich der erste Schlag geschehen . Ich folge diesmal dem Heere nicht blos aus Pflicht , sondern auch in der Hoffnung , strenge Beschäftigung , und in derselben Aufheiterung zu finden . Einsamkeit und Muße sind nicht für ein Gemüth , das in dieser Stille nur an Trauer und Verlust zu denken hat . Eine viel versprechende , sehr anziehende Bekanntschaft habe ich noch in diesen Tagen gemacht . Apelles , den ein Befehl seiner Vorgesetzten nach Apamäa zurückrief , führte mich vorher zu dem Bischofe von Nikomedien , Eutychius . Ich fand an ihm einen Mann , der seine Lebensart , Menschenkenntniß und priesterliche Würde wohl zu vereinigen weiß . Ich errieth Apelles Wunsch , Eutychius sollte vollenden , was er begonnen hatte . Noch kann ich nicht urtheilen , ob diese Wahl gut getroffen ist ; aber das öffentliche Zeugniß und Apelles Meinung sprechen für Eutychius . Als ich zum zweitenmal bei ihm war , trat ein junger Mann , ungefähr von meinem Alter , ein . Eine hohe männlich schöne Gestalt , Kraft , fester Wille , beinahe Härte , sprach aus den bedeutenden Zügen , den schmalen festgeschlossenen Lippen ; nur in manchem Blick , in manchem Aufschlag der großen blauen Augen lag ein zarter edler Ausdruck , der höchst anziehend den festen Ernst des Ganzen milderte . Der Sohn des abendländischen Cäsars - Constantin - sagte der Bischof , als er mich ihm vorstellte , und auch ihm meinen Namen , nebst einigen Umständen von mir , sagte . Ein forschender Blick , doch nicht ohne freundliche Güte , schien mein Innerstes durchschauen zu wollen , übrigens nahm er mich sehr anständig auf . Der Bischof wurde abgerufen , Constantin blieb mit mir allein . Er sprach wenig , aber gut . Du weißt