in der ich dort sein muß ; kommen Sie doch nur mit ! « - Florentin ließ es sich endlich gefallen . Der Mann gefiel ihm in seinem schönen Eifer für das Gute , trotz der etwas starken Neigung zur Redseligkeit . Sie ist doch meistens , dachte er , Zeichen eines offnen , absichtslosen Gemüts ; wenige Menschen sind mit ihren Worten zum Vorteil andrer so freigebig . - » In wenig Tagen « , fing der Doktor , indem sie gingen , wieder an , » sehen wir sie wieder in andrer Sorgfalt beschäftigt . Sie werden vielleicht schon von einer Badeanstalt gehört haben für arme Kranke , diese ist ihr Werk und entstand wie von selbst . Es ist wenige Meilen von hier entfernt , sie selbst braucht dieses Bad zu ihrer Erhaltung seit mehreren Jahren . Ihrem mitleidenden , für jeden fremden Schmerz empfindlichen Herzen war es eine höchst peinvolle Empfindung , eine Klasse Menschen an allem Mangel leiden zu sehen , die wegen wirklicher , sehr harter Gebrechen sich am Bade einfanden , unterdessen andre im größten Überfluß lebten , die nur Vergnügungen und Zeitverkürzung dort suchten . Auf eigne Kosten hat sie also jede Bequemlichkeit für die kranken Armen einrichten lassen , und zwar alles so gut , so sauber und bequem , daß sie für ihre eigne Person sich derselben jedesmal bedient . So dürfen nun die Armen , Geplagten nicht mehr den Abhub der Reichen kümmerlich erbetteln , und die Hülfe für ihre Schmerzen nicht erst dann erwarten , wenn jene , oft weniger Leidende befriedigt sind . Es wird alles für sie auf das pünktlichste und gefälligste besorgt , so daß sie auf jede Weise gegen den Einfluß des Übermuts geschützt bleiben . Zu diesen gehören dann auch die sonst üblichen Kollekten , die oft ganz unzweckmäßig verteilt werden ; und das Schauspiel der allgemeinen Abfütterungen , die auf den Kranken , bei ihrer gewöhnlichen Not und der täglichen schlechten Nahrung von sehr übeln Folgen sind . « - » O « , rief Florentin , » oft war ich Zeuge , mit welchem Überdruß , mit welcher Verachtung man seinen Beitrag zollte ! « - » Freilich « , antwortete jener , » doch vergesse man nicht , daß dergleichen auch für viele , die sich nicht ausschließen dürfen , oft ein lästiger Tribut sein kann . Freiwillige Beiträge , von einzelnen , weiset die Gräfin nie zurück ; um , wie sie sagt , den Segen des Wohltuns niemand zu entziehen . Die Gabe wird augenblicklich von der Gräfin selbst , in der Gegenwart des Gebers , den Armen zum freien Gebrauch eingehändigt . Bekannt wird aber nichts davon gemacht , weder mit noch ohne Namen . « - » So werden auch wohl diese milden Beiträge selten genug sein . « - » Das doch nicht ; es gibt viele gute Menschen ; und zeigt man ihnen den rechten Weg , so gehen sie ihn auch wohl . « - In welcher Weise , dachte Florentin , habe denn ich gelebt ? - Sie waren am Ufer des Sees angelangt , und hatten ein Haus , ein Zimmer nach dem andern in der kleinen Kolonie besucht . Florentin war dem Arzt gefolgt , teils aus Gefälligkeit , teils auch um dem Rittmeister desto sichrer auszuweichen , dessen Gesellschaft er mehr als jedes andre Übel verabscheute . Diese Roheit bei soviel Anmaßung , die Verachtung der feinen Welt im Besitz aller mit ihr verknüpften Verkehrtheiten , sie waren ihm in der Seele zuwider . Er war sich keiner Menschenfurcht bewußt , doch überfiel ihn etwas Ähnliches von böser Vorbedeutung bei diesem Walter . Er zog es also vor , mit dem guten Doktor die wohltätigen Anstalten der Gräfin zu besuchen , obgleich er denselben unangenehmen Eindruck befürchtete , den er schon oft bei Besuchen der für Elende erbauten Paläste gefühlt hatte , wo es der einzige wirklich ausgeführte Endzweck war , den Namen und Reichtum des Stifters bis an das Ende aller Dinge bekanntzumachen . Freudig ward er aber überrascht beim Anblick dieser Stiftung , wo ohne allen Prunk und irdische Verherrlichung der Geist der Liebe allein , still und heilig wirkte . - » Hat Clementina nie geliebt ? « fragte Florentin . - » Ich weiß nichts Eigentliches von ihrer Geschichte , auch weiß diese wohl niemand als Eleonore ; jetzt spricht sie nie darüber . Was könnte es aber anders sein , das eine so fromme Seele beugt und erhebt , als Leiden der Liebe ? So wie es nur durch die Liebe allein möglich ist , die zweckmäßigste Wohltätigkeit im schönsten Sinn zu verbreiten . « - » Nur von liebenden Frauen « , sagte Florentin , » müßte alle Wohltätigkeit kommen . Die Frauen verstehen auch am besten die Bedürfnisse einer schwachen Natur ; der Mann würde die Schwachheit lieber vertilgen von der Erde , als sie im Leiden unterstützen . « - » Ei , Sie sagen das einem Arzt ! « - » Jawohl ; eben darum denke ich , können die Frauen vortreffliche Wärterinnen und Verpflegerinnen , weniger aber Arzt sein . Dieser muß auch die härtesten Mittel nicht scheuen , um das Übel zu verderben ; jene würden aus Mitgefühl des äußern Leidens nichts Entscheidendes tun können . « - » Darin liegt etwas Wahres . Doch sind fromme Stiftungen von unglücklichen Männern errichtet worden . « - » Immer werden diese doch mehr das Gepräge des wilden , herben Schmerzes tragen , werden eigentlich mehr für Büßende als für Leidende taugen . Erinnern Sie sich des Mannes , der den strengsten aller Orden gestiftet ! Auf dem Gipfel der Hoffnung seiner glühenden Liebe von einem vernichtenden Schlage getroffen , indem er die Geliebte tot unter den Händen der Wundärzte antraf , die ihren von einer entsetzlichen Krankheit entstellten Körper öffneten , als er eben von einer Reise zurückkommend , sich durch eine geheime Tür mit Vorsicht und Ungeduld einschlich