mit lauter Korinnen , Melissen und Aspasien besetzt wäre , ihrer noch unwürdig finden würde . Ich kenne dermalen keine dieses Standes in Athen , die eine Gesellschaft , wie diejenige , die ich zuweilen bei mir versammle , zu verschönern liebenswürdig genug wäre . Aber schicke mir nur diejenige unter deinen Nymphen , die es am wenigsten ist , und sie soll durch einen einstimmigen Beschluß zur Königin unsrer kleinen Symposien ernennt werden . 31. Lais an Aristipp . Ich habe Uranien zwei schneeweiße Täubchen und dem Wogenbändiger Poseidon einen Stör von der ersten Größe für deine glückliche Wiederkunft geopfert . Ein schwarzer Stier mit vergoldeten Hörnern ist ihm auf den Tag gelobt , an dem wir uns in Aegina widersehen werden . Es ist doch eine schöne Sache , Freund , so in der Welt herumzustreichen , und alles was groß , selten und sehenswerth ist , mit seinen eignen Augen zu besehen . Die Beschreibung , die du mir von dem Gemälde des Parrhasius zu Mitylene gibst , könnte mich leicht dahin bringen , selbst nach Lesbos zu reisen , um mich gewiß zu machen , daß die Kunst binnen dreißig bis vierzig Jahren schon zu einer solchen Höhe hinaufgestiegen sey . Leontides sagte mir , sein Landsmann und Zeitgenoß Kleophant habe für einen großen Maler gegolten , weil man einige Verschiedenheit in den Gesichtern seiner Figuren wahrgenommen ; von Ausdruck der Leidenschaften , Gemüthsregungen und Sitten hatte man damals noch keinen Begriff , und an die feinern Bezeichnungen der Gradationen in allem diesem war vollends gar nicht zu denken . Aber die sinnreichen Anmerkungen , die du über die verfehlte Absicht des Künstlers und über die Unmöglichkeit , den Charakter eines ganzen Volkes in einer historiirten Allegorie zu personificiren , machst , hättest du dir , dünkt mich , ersparen können , mein lieber Philosoph . Wer sagt dir denn , daß Parrhasius eine solche Absicht hatte ? oder wie kannst du dir einbilden , ein Maler , der das alles , was du an seinem Werke rühmst , leisten konnte , habe etwas unternehmen wollen , das der Kunst unmöglich ist ? Ich bin gewiß , es fiel ihm so wenig ein , das Attische Volk , insofern es sich als eine moralische Person denken läßt , in diesem Gemälde darstellen zu wollen , als die Anwohner der Imaus , oder das Volk im Mond . Warum wollen wir ihm eine andere Absicht leihen , als die sich in seinem Werke selbst ankündigt ? Warum soll es noch etwas andres seyn als es augenscheinlich ist ? Parrhasius wollte eine auseinandergehende Athenische Volksversammlung malen , und zwar so , daß wir errathen könnten was in derselben verhandelt worden , und wie es überhaupt darin zuzugehen pflege . Es war ein sinnreicher Gedanke , und , ihn auszuführen , unläugbar eine Aufgabe , an die sich nur ein großer Meister wagen durfte . Deiner Beschreibung nach , hat er das , was er leisten wollte , wirklich in einem so hohen Grade geleistet , daß die Kunst in Andeutung dessen , was sie dem Scharfsinn des Anschauers überlassen muß , schwerlich weiter gehen kann . Was wollt ihr noch mehr ? Die Nachricht , die du mir von dem Benehmen der Sokratiker und des Meisters selbst gegen dich gibst , hat für mich nichts Unerwartetes . Alles , dünkt mich , ist wie es seyn kann : wenn jeder bleiben soll , wozu ihn Natur und Umstände gemacht haben , könnt ihr in keinem andern Verhältniß mit einander stehen , und ich bin mit deinem Betragen gegen sie völlig zufrieden . Dein neuer Freund Hippias ist mir nicht so neu als du zu glauben scheinst . Ich lernte ihn schon vor einigen Jahren bei meinem Alten kennen , und ich müßte mich sehr irren , wenn es ihn schwer ankommen sollte , bloß mir zu Gefallen nach Korinth zu reisen . Wenn er ' s thäte , so ist er bis jetzt vielleicht der einzige , der dir gefährlich werden könnte . Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein , daß ich dir eine vor kurzem gemachte Entdeckung mitzutheilen habe . Oder solltest du es vielleicht schon wissen , daß sich ein zärtliches Herzensverständniß zwischen meiner kleinen Musarion und deinem wundervollen Freunde Kleombrotus angesponnen hat , wovon wir beide ( ich weiß nicht recht warum ) während der ganzen acht Tage , die er , vor eurer Reise , in meinem Hause zu Aegina mit uns lebte , nichts gewahr wurden . Wie hätt ' es aber auch zugehen sollen ? Sie hielten die Sache so geheim , daß die Hauptpersonen selbst , wenn es nur irgend möglich wäre , nichts davon gewahr worden wären . So lange sie einander alle Tage sehen und sprechen konnten so viel sie wollten , war die Sprache der Augen die einzige , wodurch ihre liebenden Seelen sich einander mittheilten . Gäbe es , um einen jungen Hercules , der lauter Geist ist , mit einer niedlichen kleinen Hebe , die lauter Seele ist , in Verbindung zu setzen , noch ein geistigeres Mittel als Blicke , so würden ihnen sogar Blicke noch zu materiell geschienen haben , um sich ihrer zu Unterhaltung dieser heiligen Flamme zu bedienen , die sich im Augenblick der ersten Annäherung , wie durch einen aus heiterm Himmel plötzlich herabfallenden Blitz , in ihren congenialischen Seelen entzündete . Dieß ersehe ich aus einem Briefe des erhabnen Kleombrotus an meine kleine Muse , worin er unter andern sagt : » O Musarion ! Warum können Seelen wie die unsrigen einander nicht unmittelbar berühren , unmittelbar umschlingen , durchdringen und in einzige zusammenfließen ! Warum muß ich Armer ein so dürftiges , kaltes , kraftloses , kümmerliches Mittel , als Worte sind , zu Hülfe nehmen , um dir zu sagen , was keine menschliche Sprache , was die Sprache der Götter selbst nicht aussprechen kann , - wie ich dich liebe ! « - Du fragst mich ,