- freilich allerlei ... Aber jetzt , wie gesagt , ist er chappirt und wird wol in Amerika » sind « ... Und wenn Grützmacher hierauf , während Bonaventura aufmerksam zuhörte , zu seiner Frau sagte : » Ne , diese kathol ' schen Pfaffen , doch nichts Aufrichtiges ! Jetzt auch schon Der ! Und ein ehemaliger Porteépéefähnrich das ! « - so hatte er Recht . Jüterbogk und Rom reden allerdings seit drei Jahrhunderten verschiedene Sprachen und Bonaventura hörte ihm über die angeregten Punkte , gebunden durch Furcht , Beichtgeheimnisse und äußerste Spannung , zu ... Dem Oheim gegenüber legte Bonaventura vor seiner Abreise eine übertriebene Scheu ab und theilte ihm nach kurzem Kampf mit , was er seither über den Inhalt des Sarges des alten Mevissen und über dessen Räuber erfahren hatte ... Gab der Onkel auch nicht zu , daß sein Bruder Friedrich noch lebte , so mußte der alte Diener desselben doch ein Geheimniß bewahrt und in seinen Sarg Dinge gelegt haben , die mit einem Verlangen in Verbindung standen , daß sie einst vom Tode auferstehen sollten - zu irgendwelchem noch verschleierten Zwecke ... Bonaventura erzählte dem Onkel , daß der Fund in Lucindens Händen wäre ... Dem darüber Hocherstaunenden nannte Bonaventura auch die Drohung , die Lucinde ausgestoßen , und hielt nur zurück , als er die außerordentliche Aufregung sah , in die er damit den Onkel versetzte ... Das ist ja erschreckend , sagte dieser ... Und du hast von ihr noch immer nicht diese Papiere verlangt ? ... Mit Gewalt verlangt ? ... So fliehst und verachtest du sie ? ... Bona ! So alt ich bin , durch meine Adern rollt Feuerstrom , so oft ich an die wenigen Tage denke , die dies Wesen bei uns zubrachte ... Ich nehme sie morgen wieder , wenn sie will ... Meine Macht im Hause hat zugenommen ... Hm ! Hm ! ... Was kann nur jene Schrift enthalten ? ... Und von wem ist sie ausgestellt ? ... Auf die von Bonaventura zusammengefaßten nähern Angaben , auf die Mittheilung , jene Schrift , deren Urheber er nicht kannte , sollte ebensowol mit seiner persönlichen Ehre wie mit dem ganzen Bau der Kirche zusammenhängen , und Lucinde könnte alle seine Handlungen , selbst wenn er die dreifache Krone trüge , damit entwerthen , ja ungeschehen machen - lachte endlich der Onkel und hielt die Meinung fest : Da hör ' ich die verschmähte Liebe ! ... Das sind jene Erfindungen , die die Frauen zu machen pflegen , wenn man mit ihnen » bricht « ... Regelmäßig gibt es dann Papiere , von denen es heißt , ihre Veröffentlichung würde uns » vernichten « ... Oder der Briefwechsel würde zwar ausgeliefert werden , aber » Abschriften würde man auf alle Fälle davon zurückbehalten « u.s.w. ... Der Onkel rieth ernstlich mit Lucinden Frieden zu schließen ... Das Leben ist so arm an Liebe , sagte er , daß man nie eine dargereichte Hand ablehnen soll ... Als Bonaventura eine Liebe bezweifelte , die fortwährend in Haß und Rache überzuschlagen drohte , entgegnete der Onkel : So sind sie ja alle ! ... Meine eigene Petronella würde mich mit kaltem Blut an einer Pastete sterben sehen , wenn ich » mit ihr bräche « ! ... Selbst die Buschbeck , deren grausamem Charakter ich den Besitz ihrer Schwester verdanke - letztere war jünger ; Benno ' s Vater trat sie mir ab - aus Geiz - ab , um nicht » zwei von dieser Bande « ernähren zu müssen - selbst Brigitte von Gülpen , die älteste Tochter der Bischofsköchin und fürstabtlichen Blutes nicht unverdächtig , wäre besser geworden durch gewährte Liebe ... Die Idee , für einen treulosen Geliebten , der ins Kloster ging , die Menschheit zu tyrannisiren , Kindern und Mägden das Leben zu vergiften , sich selbst das Brot abzuhungern , vergegenwärtigt dir jene tiefe Bedürftigkeit des Weibes , unter allen Umständen ein Wesen sein zu nennen und wär ' s zuletzt nichts als ein alter , mit einer Flanelljacke bekleideter Mops , der am Asthma in den Armen seiner weinenden Gebieterin stirbt ... Deine Renate - wie alt ist sie ? ... Nahe den Siebzigen ... Du wirst an einen Ersatz denken müssen ... Und wehe dir auch da , wenn sie deine Absicht merkt ... Schlage die Concilien nach ... Sie ließen lange zweifelhaft , ob die Frauen überhaupt Menschen sind ... Bonaventura ließ , wenn auch zögernd , diese Auffassung der Drohungen Lucindens gelten ... In fernern Gesprächen zeigte sich auch noch zuletzt , warum der Onkel regelmäßig bei Erwähnung des Schlosses von Castellungo in Nachdenken verfiel ... Das zufällige Aussprechen der Worte : Fiat lux in perpetuis ! brachte zwischen beiden das Geheimniß des empfangenen lateinischen Briefes zur Sprache ... Der Onkel öffnete kopfschüttelnd sein Schreibbureau und reichte dem Neffen die ihm gewordene anonyme Aufforderung ... Sie war gleichlautend mit der , die auch Bonaventura empfangen hatte ... Ich werde die bedenklichen Ehren eines Huß und Savonarola nicht mehr gewinnen , sagte der Onkel , und hüte auch du dich vor ihnen ... Welche Mystificationen das ! ... Bonaventura versicherte , daß sein Glaube feststünde , der Eremit von Castellungo wäre sein Vater ... Er wäre in Italien Waldenser geworden und hätte , ein Opfer der römischen Scheidungsgesetze , den Gedanken einer Kirchenverbesserung gefaßt ... Würde er auch an jenem 20. August der Versammlung , zu der er einlud , achtzig Jahre sein oder nicht mehr leben , so würde man doch seine Gemeinde finden ... Nach allem , was ich höre , schloß er , ist dort eine Simultankirche auf den Grund der Bibel errichtet worden , die bis dahin an Macht und Ausdehnung gewonnen haben kann ... Wenn sie nicht die Jesuiten zerstören ! unterbrach der Dechant ... Lieber Sohn ! Welche Träume ! Sehen sie meinem Bruder Friedrich ähnlich ? ... Nein , nein - Mystifikationen ! ... Doch die Eichen von