Stelle treffend , wo die Kraft seines Armes nöthig war ... Zwei , Herr ! wiederholte er . Im Frühjahr haben wir ihrer noch mehr . Nur gewandte Arbeiter , sagte Ackermann , mit denen Ihr Ehre einlegt ! Wir haben viel zu schaffen . Unsre Wägen machen wir uns selbst . Es soll schon rüstig bei uns hergehen . Der Alte verzog die Miene zu einem sonderbaren Lachen , das aber ein offenbares Wohlgefallen an der Arbeit und sicher auch die Hoffnung auf Gewinn ausdrückte . Zugleich lag Neugier in dieser Miene . Denn Zeck hatte wohl gehört , daß Ackermann nicht allein kam . Dies ist der Besuch vom Schlosse , sagte Ackermann , nach dem herangetretenen Louis hinsprechend , er freut sich , wie wacker es Euch von der Hand geht . Zeck riß die Augen auf und nickte nach der Seite hin , wo er sich Louis dachte , dem der Anblick dieses Blinden in einem für sein Gefühl erschütternden Zusammenhang mit den ihm bekannten Thatsachen stand . Wir kennen uns , sagte Louis und um nur über die mögliche Erwähnung seines im Schlosse gebliebenen Begleiters rasch hinwegzukommen , bemerkte er : Drum fand ich es in Eurer Schmiede nicht zu lebhaft ... So , Herr ? sagte Zeck ; ja , es sind zwei Arbeiter eingetreten . Der Eine versteht sich auf feine Sachen und kann als Klempner arbeiten . Aber sie sind faul . Die Schraube an dem Klavier können Sie uns schon anvertrauen . Sind Sie musikalisch ? fragte Ackermann . Louis war es im Gesang , aber nicht auf dem Klavier . Er konnte die Wahrheit nicht umgehen und mußte einräumen , daß ihn noch ein Freund begleitet hätte , der kränklich wäre , zurückgezogen auf seinem Zimmer lebe und sich mit Musik unterhalte . Zeck horchte gespannt und bemerkte zu Louis ' Erstaunen , daß der Blinde in seiner neugierigen , dreinlachenden Weise sagte : Die Brigitte sagt , daß der Herr ja auch etwas vom Fach ist : Er hat ' s mit Kupfer , wie wir mit Eisen . Mit Kupfer ? fragte Ackermann sorglos . Louis , der Murray ' s Einfall , ihm eine Visitenkarte zu stechen , ebenso sehr verwünschte , wie die Plauderhaftigkeit ihrer Bedienung , bemerkte , daß sein Begleiter chemische Experimente mache und zuweilen auf Kupferplatten ätze . Als Ackermann sich zum Gehen wandte , bemerkte er : Ein Verwandter dieses Blinden nannte sich schon in England Morton und war ein Kupferstecher . Wie er dazu kam , hat mir Keiner von ihnen klar machen wollen . Es sind versteckte unheimliche Menschen . Auch Morton ? frug Louis , ohne an dem Namen Morton statt Murray Anstoß zu nehmen . Morton war ein Sonderling , sagte Ackermann . Ich lernte ihn auf eigene Art kennen . Er reiste einmal mit einem nicht minder eigenthümlichen Manne , dem Diplomaten Otto von Dystra , durch die Vereinigten Staaten , fast immer zu Fuß , viel rüstiger , als ich ihn in nicht gar langer Zeit darauf in Newyork wieder antraf . Die beiden Wanderer kamen an den Missouri , wo ich meine Niederlassung unter Engländern hatte . Sie hörten meine verstorbene Frau in der Farm ein deutsches Lied singen . Sie hatte eine helle zum Herzen dringende Stimme . So klopften sie an mein Thor und blieben lange genug , um die Sängerin schätzen zu lernen . Otto von Dystra wohnte als russischer Consul in Newyork . Er war ein Tourist von Profession , hatte die halbe Welt gesehen und war der eigenthümlichste Bequemlichkeitsphilosoph , der mir jemals vorgekommen . Bequemlichkeitsphilosoph ? unterbrach Louis die freundliche Mittheilung . Verstehen Sie darunter einen Epikuräer ? Ja ! Einen Epikuräer des Geistes , sagte Ackermann . Es gibt Epikuräer der Sinne . Ein solcher soll z.B. der Justizrath Schlurck sein , der früher hier schaltete . Es gibt aber auch Epikuräer des Geistes . Unter ihnen versteh ' ich Menschen , die auf Alles nach Wohlgefallen dilettiren , die jede Wahrheit zu schätzen wissen , ohne sich für eine zu erklären , Männer des Studiums und eines unermüdlichen Wissenstriebes , Reisende , denen es nirgends Ruhe läßt , Verschönerer der Natur , mit einem Worte Menschen , die glücklicherweise so reich sein müssen wie Otto von Dystra , um sich so durch die Welt tummeln zu können , wie er es liebt . Und ein solcher Komet paßt in die russischen Bahnen ? fragte Louis erstaunt . Für Petersburg schwerlich , sagte Ackermann . Aber Rußland hat die weise Art , seine Diplomatie nach den Ländern einzurichten , in denen sie wirken soll . Die deutschen Gesandten des Zaren sind oft halbe Gelehrte , seine italiänischen Gesandten sind Kunstliebhaber , die französischen sind Liebhaber der Intrigue , die englischen sind Wettrenner und Dandies . In Nordamerika läßt sich der Zar durch halbe Republikaner vertreten , die in den Ton und die Denkweise jener Länder wenigstens einzugehen verstehen . Dem reichen Kurländer Otto von Dystra hat man vergebens große Summen geboten , die eigentliche Botschafterstelle in Washington anzunehmen . Er begnügte sich mit dem Consulat in Newyork , weil es ihm Gelegenheit zu Menschenstudien bot , die ihm die liebsten sind . Daß er jetzt in Europa , in unsrer Nähe ist , überrascht mich . Ich versäumte von ihm Abschied zu nehmen . In Europa kann der Zar diese Persönlichkeit zu keinem seiner Zwecke mehr brauchen , umsoweniger , als er abschreckend häßlich ist . Wie wurde wol Murray mit diesem Manne bekannt ? fragte Louis . Murray ? sagte Ackermann und verbesserte : Morton ! Morton ! wiederholte Louis . Morton war ein Kupferstecher und hatte für Otto von Dystra Karten gestochen . Dies wurde die Veranlassung gemeinschaftlicher Reisen . Zwei wunderliche Gegensätze ! Otto von Dystra , klein , verwachsen , ganz Epikuräer , Morton ganz Stoiker . Von seinem frühern Leben hab ' ich aus diesem alten Zeck nicht viel herausbringen können . Er