wie da drüben auf meinem Weiher ! - in den breiten , trägen , schönen Blättern liegt ... Solche Gespräche gab es häufig , selbst in Gegenwart Benno ' s beim Wandeln durch den Park , unter den eben sich erst mit dem jungen Laub ganz schließenden Alleedächern , beim Zwitschern der Vögel , beim Duft der Blütenpyramiden der Kastanienbäume , der Maiblumen und Narcissen auf den Buchsbaumbeeten , beim Schimmern der Dotterblumen von den Wiesen her ... Einmal an einem Strauch von Weißdorn still stehend , sagte Bonaventura : Onkel , ich bin so weit gekommen , daß ich an einem solchen einzigen Blatt , wie du hier siehst , stundenlang beobachten kann ! ... Sieh , es hat sich eben aus seiner Knospe entrollt ! Wie zart dies Grün ! Wie sanft aufgekräuselt die Windungen des kleinen Sprosses ! Die kleinen Härchen , die auf dem jungen Keime sitzen , möchte man zählen ! Es gibt nichts , was uns gegen alles das retten kann , was du schilderst , als die Betrachtung des Kleinsten ! ... Ich heuchle dir nicht Frömmigkeit , nicht mehr Begeisterung für meinen Beruf , den ich schmerzlich erkannt habe - ich habe aber ein Vergessen des Allgemeinen und meiner selbst in einem kleinen stillen Glück wie dem hier - vor einem solchen Frühlingsblatt ... Das sind bei mir die Radirungen und Kupferstiche ... sagte der Onkel , der für seine vorjährigen Warnungen gegen Rom eine frühzeitige Genugthuung erhielt ... Benno mußte zeitiger nach der Stadt zurück ... Er reiste an seiner Seele wie mit Adlerschwingen ... Er hoffte sich zunächst von einem Staatsleben freimachen zu können , das damals für den Menschen in seiner angeborenen Freiheit keine Bürgschaft bot ... Er wollte im Herbst über Wien nach dem Süden ... Er widersprach dem Onkel nicht , als dieser , ohne daß es Bonaventura hörte , sagte : Vielleicht kannst du die Angelegenheiten Paula ' s zu einem guten Ende führen ! Vielleicht deiner verwilderten Schwester die Nachfolgerin geben , die dem Hause Salem-Camphausen unerläßlich ist ! Schon hör ' ich , daß die Gräfin Erdmuthe nach Schloß Westerhof reisen und versuchen wird , alle Bedenklichkeiten persönlich zu beseitigen ... Bonaventura war bei diesen Worten wol zugegen , hörte sie aber nicht ... Er sah zu den Bäumen auf , unter denen sie dahinwandelten , und sprach , als beide näher kamen : Wie doch seit Jahren der Fink immer nur wieder zwischen denselben Resten sich ansiedelt , die Nachtigall denselben dunklen Busch sich sucht , die Schwalbe in demselben Gesims an deinem Portale haust ... Ein solches Heimatsgefühl ! ... Jeder findet sein rechtes Nest ... sprach nach einigen weitern Schritten ruhigen Wanderns der Dechant ... Auch - Paula wird wissen , daß die Liebe zu einem römischen Priester nicht zu den Möglichkeiten dieser Erde gehört und - wird nach Wien gehen ... Ich will sie selber trauen ! fiel Bonaventura mit einem zuckenden Schmerzensausdruck ein ... Es war ein Wort von solcher Schwere , daß der Dechant und Benno erschüttert schweigen mußten ... Letzterer gedachte auch des immer mehr ihm und Andern verklingenden Namens : - Armgart ... Als Benno dann abgereist war , kam in der Dechanei ein neuer Brief von Monika ... Das war ein Erguß frischer und gesunder Lebensanschauungen ... Sie berichtete dem Dechanten von einer nothwendigen Reise des Obersten nach England - von einem vielleicht gelegentlichen Abholen der Gräfin Erdmuthe - von Armgart ' s Begleitung des Vaters nach England - von Paula ' s leider schon bedenklich eingerissener Gewöhnung an die magnetische Behandlung durch ihren Gatten - von der Angst und Sorge , die man nun ohne ihn über ihren Zustand haben müsse ... Bei Erwähnung der gegen Bonaventura gerichteten Anklagen , deren Kunde schon bis Witoborn gedrungen war , sprach sie von dem einstimmigen Urtheil aller Betheiligten , daß die Ehe mit dem Grafen Hugo geschlossen werden müßte ... Monika bekannte sich als entschiedenste Beförderin dieser Verbindung ... Graf Hugo wäre eine Natur mit Eigenschaften , die nur entwickelt zu werden brauchten , um vor ihm mehr , als Achtung , sogar für ihn Neigung zu empfinden ... Bequemen Temperaments , wollte er beherrscht sein und jeder müsse ihm eine würdigere Leitung wünschen , als er sie bisjetzt gefunden ... Was an Terschka noch allenfalls Gutes wäre , verdanke dieser dem Grafen ... Der jesuitische Intriguant hätte die Macht einer guten und harmlosen Natur so auf sich einwirken gefühlt , daß er an seinen Aufträgen irre geworden wäre ... Wenn Paula in ein Kloster ginge , würde sie nach wenig Jahren eine Beute des Todes sein ... Sie müsse die Gräfin von Salem-Camphausen werden ... Der Domkapitular von Asselyn müßte sogar die Kraft über sich gewinnen , selbst die Hand zu bieten zu dieser nach allen Richtungen hin bedeutungsvollen gemischten Ehe ... In dem lieblichen Salem , in dem , wie sie gehört hätte , noch glückseligeren Thale von Castellungo würde die junge Gräfin , als Gattin , als Mutter blühender Kinder , als Theilnehmerin an den vielen gemeinnützigen Unternehmungen der Gräfin Erdmuthe , Lebenslust und Lebenskraft gewinnen ... Alle , alle , ihre Schwester Benigna , Onkel Levinus , die Bewohner von Neuhof wären der gleichen Meinung ... Die einzige Armgart , die noch immer widerspräche , hätte sie auch deshalb mit dem Vater nach England geschickt , wo sie überhaupt bei Lady Elliot eine Zeit lang bleiben und neue gesunde , praktische Anschauungen gewinnen müsse ... Armgart hätte sich indessen bei einigen Conflicten in der That mit großem Muth benommen und wäre seit den drei Tagen Correctionsgefängniß im Mühlenthurm mehrfach anders geworden ... Die Begegnung mit Terschka fürchte sie nicht mehr ; London wäre wie ein Ameisenhaufen ; Armgart hätte Kraft und Charakter aus Instinct schon immer gehabt - jetzt fange sie auch an , zu wissen , was sie wolle ... Das war eine Sprache , als sah man die kleine junge Frau ihre grauen Locken schütteln und mit blitzendem Auge ,