für sein ungeberdiges Wesen um Verzeihung und wagte es , überwältigt schon von der unendlichen Milde in Bonaventura ' s Ton , unter dem Siegel der Beichte , seinen Vorgesetzten zu bitten , zur Frau Schmeling und zu jener Lene zu gehen und - den Versuch zu machen , die ihm drohende Gefahr abzuwenden ... Bonaventura fand sich bereit dazu ... Er betrat das Häuschen der Hebamme , redete ihr , ihrer Magd und der noch anwesenden Lene , jeder erst unter vier Augen , dann allen zugleich zu , die Verfolgung des Pfarrers von Sanct-Libori zu unterlassen ... Die nicht kleinen Summen , die es zu bieten gab , um ein Schweigen nach allen Seiten hin zu erwirken , legte er aus ... Ach , wie unrein schienen ihm seine Hände , als er sich aus diesem Hause entfernte ! ... Die Küsse , die man ihm darauf gedrückt hatte , mehrten nur das brennende Gefühl , sich in unwürdiger Berührung befunden zu haben ... Diese Verrichtung des Mitleids brachte Bonaventura um die Gelegenheit , den Düsternbrook und die beiden Eremiten zu besuchen ... Er hörte nur , daß sie vom Zustrom der Umgegend heimgesucht und Gegenstand der lebhaftesten Verhandlungen zwischen ihrem Kloster , seinem Stiefvater und den Behörden waren ... Jetzt waren sie auf dem Wege nach Rom ... Auf Westerhof erschien er dann wirklich noch persönlich zur ernsten Abschiedsfeier ... Aber als Priester - als schwankes Rohr , als » Begriff , den zwei Jahrtausende mit bunten Kleidern behängen « ... Vor allem , was er dann doch vielleicht blindlings aus einer Todesurne hätte ziehen können , bewahrte ihn Paula selbst ... Sie war , erzählte er wieder dem Onkel , gerade entschlummert ... Der Oberst ließ seine Hand auf ihr ruhen und sprach mit ihr wie mit dem willenlosen Werkzeug seiner eigenen Kraft ... Verwandtschaftlicher Rechte sich bedienend , fragte sie der Oberst mit Vertraulichkeit : » Siehst du den , der eben ins Zimmer tritt ? « ... » Sie sieht ihn ! « lautete die Antwort ... » Willst du mit ihm sprechen ? « ... » Sie stört ihn ! « ... » Warum stört sie ihn ? « ... » Er opfert . « ... » Siehst du einen Priester ? « ... » Einen Bischof ! « ... » Ist er allein ? « ... ... » Kinder stehen um ihn ! « ... » Sie tragen leinene Streifen am Arm ? « ... » Du sagst es ! « ... » So firmelt dein Freund die Knaben und die Mädchen ... Redet er ? ... Sprich ihm nach , was er redet ! « ... » Ich glaube an Gott , den Schöpfer Himmels und der Erden , an die Liebe , die Erhalterin der Welt , gelehrt durch Jesus Christus , an den Geist der Wahrheit , der uns zur ewigen Hoffnung führt ! « ... Wieder traten die zahlreich Umstehenden befangen zurück ... Wieder war es eine jener » incorrecten « Visionen wie Frau von Sicking zu sagen pflegte ... Paula sprach , nach des Onkels Ansicht , einen Glauben aus , den sie in Bonaventura ' s und des Obersten Innerstem zu lesen glaubte ... Das erzählte aber Bonaventura nicht , daß er sich damals , noch ehe sie erwachte , losriß mit Thränen im Auge und abreiste , begleitet von den Dank- und Segenswünschen aller derer , die ihm nahe gekommen waren - von denen seiner Mutter an , die ihn in Witoborn noch an der Post überraschte , bis auf den Händedruck Müllenhoff ' s , der ihm flüsternd - » in monatlichen Raten « zurückzuzahlen versprach , was seine Güte unter dem Dach der Verschwörer für den neuen Concordatsstifter und exemplarischen Bußheiligen verauslagt hatte ... Paula hatte Bonaventura als Bischof gesehen ... Der Onkel verlangte , daß Bonaventura auch in seinen Wirkungskreis nicht ohne eine höhere Würde zurückkehrte ... Begib dich , wenn sie dir nicht zu Willen sind , solange in ein Kloster ! ... Ein Mensch wie du darf nur fallen , um desto größer wieder aufzustehen ... Und die Leiden des Gemüths seines Neffen wol überblickend , sprach er : Armer Thor , was senkst du das Haupt und kannst dich in dein priesterlich Erbtheil nicht finden ! ... Zwei weibliche Schatten umkreisen dich ! Ein dunkler und ein lichter ! ... Jenen fliehst du und diesen wagst du nicht festzuhalten ! ... Ich bin dir kein Muster , aber ich könnte dir bessere Naturen , als die meinige nennen , die auch eines Tages zwischen dem Gott in der Natur und dem Deus in pyxide wählten und für ersteren entschieden ... Und ein andermal sprach er : Sagst du für Franz von Sales gut ? ... Ich theile alle Heiligen in drei Klassen ... Solche , die die verbotene Frucht bereits brachen und denen es dann , als sie satt waren , leicht wurde , in die Wüste zu gehen - in diesem Sinne haben wir noch jetzt Millionen Heilige und seit zwanzig Jahren bin ich der Allerheiligste unter ihnen - Dann in solche , die entweder geborene Narren waren oder es wurden , weil sie gerade auf den Naturtrieb hin , um diesen und nur diesen zu unterdrücken , das Tollste erfanden - wahre Casanovas der Frömmigkeit nenn ' ich sie ... Ihre innerste Sinnenqual versetzte sich ihnen , wie bei einer jungen Mutter die Milch in den Kopf steigen kann , so in religiöse Narrheit ... Endlich die dritte Gattung sind jene ganz geschlechtslosen Constitutionen , bei denen die Tugend eine fehlerhafte Organisation ihres Körpers ist ... Diese Halblinge findest du meistens unter äußerlich imponirenden Gestalten ... Darauf hin konnte auch mein Leo Perl in Paris ruhigen Bluts zusehen , wenn sich die andern im Palais-Royal ergingen ... Sei überzeugt , alle die Heiligen , die nicht auf die Klasse I und II paßten , gehörten zur Klasse III ! Wasserpflanzen , wo auch die ganze Kraft -