hätte aufregen können ... Der Oberst , das erfuhr er erst hier , leitete die Vorbereitungen zu seinem Papierbetrieb ... Der muthige Mann fand die größten Schwierigkeiten ... Sie gingen bis zu muthwilligen nächtlichen Zerstörungen seiner Bauten ... Armgart und Monika mußten sich in ihrer ganzen Kraft zeigen ... Sie hatten ein kleines Hans in Witoborn gemiethet und es geschmackvoll , wenn auch einfach eingerichtet ... Hedemann schrieb an den Dechanten von einer Heirath mit Porzia Biancchi , der Tochter des Gipsfigurenhändlers ... Seine Aeltern waren schnell hintereinander gestorben ... Ein so schönes Familienverhältniß hätte sich jetzt begründen können , aber die Beunruhigung durch die lichtscheue Bevölkerung der Gegend war zu groß ... Armgart verlöre , hieß es , allen Halt in ihren Anschauungen ... Wo sie hinginge , müßte sie - » sie « ! - Reden halten zur Vertheidigung - des Papiers und der Aufklärung ! ... Ulrich von Hülleshoven überflügelte bald die Herrschaft seines Bruders Levinus auf Schloß Westerhof ... Mußte ihm das gelingen schon durch seinen männlich festen Sinn , seine Lebenserfahrung , so kam der wohlthuende Eindruck hinzu , den er auf die Frauen machte ... Er war in der Lage , Monika ' s schroffe Entschiedenheit , die indessen den Dechanten noch immer in ihrer Correspondenz entzückte , zu mildern ... Während Monika bald das Stift Heiligenkreuz zum Feinde hatte , während sie die Frau von Sicking zur Aenderung ihres Aufenthalts bewog und in diesen Kämpfen von Armgart ' s wie aus einem Traumleben erwachendem gesunden und frischen Sinn unterstützt wurde , schlösse man sich , erzählte der Onkel aus Monika ' s Briefen , dem Obersten an , der zu begütigen und auszugleichen wisse ... Paula gewann ihn , das wußte Bonaventura , besonders lieb und erlag seiner magnetischen Einwirkung ... Der Oberst durfte sie nur berühren und sie versank in jenen Schlummer , der ihr einziges Labsal war im Schmerz des Nerven- und Seelenlebens ... Bonaventura beobachtete dies gleich an dem letzten Mittag vor Terschka ' s Flucht , wo Paula bei Tisch mit der abwesenden Armgart zu sprechen angefangen ... Der Oberst führte sie damals in ihr Zimmer und sie antwortete auf jede seiner Fragen ... Bonaventura erzählte davon dem Onkel ... Paula , berichtete er , ohne Zweifel übermannt von der seit dem Fund der Urkunde sie folternden Angst um den Grafen Hugo , hatte die bei Tisch fehlende Armgart gefragt , was sie am Schranke suche ? ... » Am Schranke ? « ... fragte man ... » Ein Kleid ? « ... Nimm ein weißes , sprach sie , es steht dir besser ! Auch die Myrte nimm ! setzte sie hinzu ... Die Myrte ? fragte der Oberst . Macht denn Armgart Hochzeit ? ... Darauf stockte Paula und erwiderte : Armgart sucht ein Kleid für sie aus ... Sie meinte : für sich selbst ... Niemand hatte den Muth , zu fragen : Heirathest du denn ? ... Ihr Kleid ist aber noch nicht fertig ! sagte sie dann wie aus sich selbst und zeigte hinauf in die Luft mit den Worten : Sieh , sieh , die vielen Körbe ! ... Fast so heiter sprach sie das , daß die Umstehenden an die Zahl der zunehmenden Bewerber denken mochten ... Aber Paula setzte hinzu : Korb an Korb ! ... Am Altar der » besten Maria « stehen sie ! ... Jetzt hätte leise die Tante erklärt : Terschka erzählte vom Schloß Castellungo , daß die nächstliegende Kapelle der » besten Maria « gewidmet wäre und die malerisch schönen Seidencocons oft in hunderten von Körben unter Blumen dort niedergestellt würden zur Segnung durch Priesterhand ... Paula entschlummerte dann ... Jeder sagte : Sie hat in den Körben die Anfänge ihres Brautgewandes gesehen ... Der Onkel schüttelte den Kopf , versank aber über die Nennung des Namens Castellungo in ein staunendes Nachdenken ... Bonaventura führte sich selbst noch oft seine letzten westerhofer Tage vor ... Er riß sich an jenem Mittag voll Verzweiflung los ... Er glaubte überhaupt keinen Abschied von Paula nehmen zu können und griff zur Feder , um seine Empfindungen niederzuschreiben ... ... Zwei Briefe entwarf er ... Einen in der stürmischsten Liebesbetheuerung mit dem Bekenntniß aller Gefühle , die auf dem geheimsten Grund seines Herzens lebten ... Es war ein trunkener Rausch der Herausforderung an sein Geschick und doch - er warf ihn in die Flammen ... Einen zweiten schrieb er milder , ersichtlich zum ewigen Abschied ... Auch diesen vernichtete er ... So stand er rathlos ... Da hörte er neben seinem Zimmer das Aechzen seines Wirths Norbert Müllenhoff , der im ersten Stockwerk schlief ... Das an der Pfarrhausthüre ausgesetzte Kind gehörte ohne Zweifel nur dem wunderlichen Zeloten ... Die Zukunft des Unglücklichen war zerstört , wenn die Rache der Hebamme , im Bund mit dem buckeligen Geiger , die finkenhofer Lene zum Geständniß vor Gericht brachte ... Einmal hörte er den Pfarrer in seiner Kammer laut ausrufen : Allmächtiger Schöpfer Himmels und der Erden ! ... Es war ein Ruf wie aus der tiefsten Seele ... Die Hände wurden dabei zusammen geschlagen wie von einem Verzweifelnden - Dann war wieder alles still ... Bonaventura erbebte ... Es durchschüttelte sein Gebein , diesen Ausruf zu hören , der aus der Tiefe des Jammers kam ... Müllenhoff sah voraus , daß ihm eine zeitweilige Verweisung in das Strafkloster Altenbüren gewiß war ... Ein ewiger Makel haftete damit an seinem Leben , ein Hinderniß an jeder . Beförderung ... Hätte nicht auch Bonaventura in diese Anrufung des Schöpfers der Natur einstimmen und alle Elemente entbieten mögen , ihm beizustehen , die Zwingburg unnatürlicher Gesetze zu brechen ? ... Er klopfte an die Kammer und trat ein mit der Frage an den Stöhnenden und jetzt mit zusammengefaltenen Händen wie bewußtlos Daliegenden , ob er ihm in irgend etwas vor seiner an demselben Abend bevorstehenden Abreise behülflich sein könnte ... Anfangs fuhr Müllenhoff in gewohnter Grobheit auf ... Dann besann er sich , bat