eines großen giftigen Skorpions ... Tiefgeheimnißvoll ist das Blut , das durch die Geschlechter rollt ... Der gespaltene Funke wird da zur Flamme ; die gespaltene Flamme mehrt sich an Kraft ... Ein Geschlecht kann auf Jahrhunderte die Signatur des Körpers und Geistes bewahren , wenn die Mischungen bedacht sind , immer wieder auch das Fremdartige liebend sich anzueignen ... Benno aber mußte mit erstickter Stimme sprechen : Ich ein Wittekind ! ... Ist das , wie wenn Wettersturm aus den Schluchten des Teutoburger Waldes braust ! Meine Ahnenreihe bis in die Sagenzeit ... Doch - Friedrich und Jérôme von Wittekind meine Brüder ! ... Der Geist abgewelkt im Vater schon ! ... Oder war das nur das Loos der Ichsucht ? ... Ja , so gehen Despoten hinüber , die keinen Gegner finden , der sich mit ihnen mißt ! ... Alle die Beziehungen des Vaters , die Benno so gut kannte , wurden dem von Entsetzen Ergriffenen wie der Eingang in eine dunkle Höhle voll unheimlicher Gestalten , die er in Waffen betreten sollte ... Klingsohr , der Sohn des ermordeten Deichgrafen , der geistige Sohn des Kronsyndikus , stand plötzlich mit wirren Locken vor ihm und reichte ihm mit dem Brudernamen die blutige Rechte ... Ein Fieber ergriff ihn ... Wie eine Mutter nach der Geburt ... Wie das Hemd des Nessus brannten alle diese Namen und Beziehungen ... Angiolina - und - Pötzl - ein höhnischer Satyrkopf dieser Name hinter Rosenbüschen ... Wie kam der alte Schauspieler Pötzl bei den Kattendyks zu dieser Verlornen ? ... Auch die Mutter , Herzogin von Amarillas - die » Freundin « eines Cardinals Ceccone - ... Leiden unter etwas Angeborenem ist nicht zu schwer ... Der Krüppel , der Blinde , der Taube nimmt das Leben , wie es ihm die Geburt beschert ... Aber die Schönheit erst verlieren , das Häßliche erst gewinnen , plötzlich ein Blinder , plötzlich ein Tauber werden , das ist ein furchtbares Menschenloos ... Benno riß sich an jenem Abend aus Bonaventura ' s Armen und rief : Ich könnte in die Wälder rennen wie ein Wolfsmensch ! ... Ruhe ! Ruhe ! sprach Bonaventura und beschwichtigte ihn durch seine Umarmung ... Am Morgen nach diesem verhängnißvollen Abend war die Begegnung mit dem Onkel und mir Frau von Gülpen erschütternd ... Der Onkel grüßte mit Wehmuth und die Augen tief niederschlagend ... Er hätte die ewig dunkle Binde über Benno ' s Augen vorgezogen ... Das sagte er auch und lobte , als ihm Benno krampfhaft um den Hals stürzte , die Blindgeborenen , weil die alle so heiter blieben ... Benno preßte nur stumm seine Hand ... Es lag die Verzeihung der Liebe und der Dank für ein ganzes , doch nur vom Dechanten ihm gerettetes Leben darin ... Reden konnte er nicht ... Das Blut rollte ihm wie ein ihm fremd gewordenes und ungebändigt durch die Adern ... Als er zu scherzen versuchte , sagte der Onkel : Das hat er ganz von seinem tollen Alten ! Der konnte auch , wenn er wollte , ganz verteufelt liebenswürdig sein ! ... Dies Wort kam noch zur Unzeit ... Aber , als Benno düster die Augenbrauen zusammenzog , sagte der Dechant auch da : Wie sein Vater , der grimme Jäger ! ... Der Onkel hatte das Bedürfniß , das Ueberseltsame wieder in das Altgewohnte zurückzulenken ... Da sprach denn , als auch Frau von Gülpen , Benno ' s zweite Mutter , sich ausgeweint hatte , Benno : Nun bitt ' ich nur um eines ! Gebt mir meine fünf Julius Cäsar-Jahre heraus , die ich schon länger auf der Erde weile , als ich Erinnerungen habe - und die Taufscheine es wußten . Um wie viel früher hätt ' ich jetzt Hoffnung , meinen Militärmantel abzulegen ! ... Alle nähern Umstände dieser Verheimlichungen wurden erzählt ... Mit dem ihm eignen scharfen , aller Lebensverhältnisse kundigen Ueberblick durchschaute Benno alle neuen und nicht offen kund zu gebenden Bedingungen seines Lebens ... Er beruhigte den Präsidenten in einem Schreiben , in dem er ihn als Bruder begrüßte ... Mit edler Selbstbeherrschung bot er jede Bürgschaft , daß seine langgeprüfte Geduld , die Ergebung in sein räthselhaftes Dasein ihn an Entbehrung äußerer Anerkennungen gewöhnt hätte ... Ja , der Adoptivname , den er einstweilen trage , » von Asselyn « , wäre ihm ja durch seine theuersten Freunde geheiligt , auch von der Krone genehmigt ... Er mache nur dann Ansprüche auf die Wiederherstellung seiner Stellung zum Leben , wenn niemand damit eine Kränkung widerführe , am wenigsten seiner noch lebenden Mutter ... Diese freilich in ihrer Ansicht über das Vergangene zu erforschen , ihr sich , wenn es irgend ohne Verletzung äußerer Rücksichten möglich wäre , zu nähern - dafür ergriffe ihn ein unwiderstehliches Verlangen ... Ebenso zöge es ihn zur Annäherung an Angiolinen ... Eine Reise nach dem Süden läge nun fest beschlossen in seiner Seele ... Der Präsident antwortete voll Güte und gerührt dankend ... Er bot ihm reichere Mittel , als Benno annehmen konnte , da eine zu schnelle Veränderung seiner Lage leicht hätte Vermuthungen wecken können , die von allen Betheiligten nicht gewünscht werden konnten ... Auch Thiebold durfte nichts erfahren ... Der tolle Mensch , sagte Benno zu Bonaventura , thut in der Regel alles , was ich zu thun mich schäme , aber gern im Stillen manchmal thun möchte ... Er verhindert mich an Thorheiten , weil er sie selbst übernimmt ... Ich glaube , er übernähme dies Drohen mit meinem Geheimniß , dies Zupfen an Schleiern , die man allenfalls lüften könnte ... Besser , wir schweigen auch gegen ihn ... Je lichter somit von der Dechanei aus der Blick auf das sonnige , waldumkränzte , solange geheimnißvoll verschleiert gewesene Schloß Neuhof wurde , desto düsterer blieb der auf Witoborn und Westerhof ... Bonaventura hatte seit einem Vierteljahr sich nur im Entsagen geübt , auch nichts mehr von dorther vernommen , was ihn besonders wieder