, dem Capitain de Sazé , während des Winters im Lager von Kamiesch untergebracht worden und hatte dort die Leiden und die Noth der Armee weniger empfunden . Erst als ihr Beschützer und zeitweiliger Geliebter gefallen oder wenigstens verschwunden war und sie dadurch in allerlei Verlegenheiten gerieth , hatte sie den Vicomte de Méricourt , als den ihr bekannten Freund desselben , aufgesucht und dabei Nini Bourdon in ihrer neuen Lage wiedergetroffen . So peinlich und unangenehm in vieler Beziehung ihr auch die Begegnung mit der früheren Freundin und deren Gefährten sein mochte , hatte die Klugheit ihr doch geboten , das gutherzige Anerbieten derselben und eine Stelle als Demoiselle de Comptoir in der Cantine anzunehmen , die sie seit einer Woche bekleidete und die ihr reichlich Zerstreuung und Gelegenheit gab , mit den besuchenden Offizieren zu kokettiren und ihre Netze auszuwerfen . Die fortwährenden Intriguen , in denen sie sich bewegte , waren es auch , die ihre Aufmerksamkeit von der Aehnlichkeit des armen Blödsinnigen mit dem früheren Geliebten Nini ' s in Paris abwandten und sie nicht näher und schärfer nachforschen ließen , als daß sie ein seltenes Spiel des Zufalls darin sah . Irgend eine Geschichte , die ihr die ehemalige Grisette von dem armen Verwandten erzählt , genügte ihr daher wenigstens scheinbar , da sie sorgfältig und aus ihr wohlbekannten Gründen vermied , auf die Scene jenes Abends in der Rue St. Joseph zurückzukommen und sich auch wohl gehütet hatte , Nini von ihrem späteren Zusammentreffen mit dem Fürsten Iwan Oczakoff zu erzählen . Dennoch blieb ihr das Verhältniß zu Nini Bourdon und deren Umgebungen höchst unbehaglich und sie ergriff daher die erste sichere Gelegenheit , sich ihm zu entziehen , indem sie die Anerbietungen des reichen Garde-Offiziers annahm . - - - Während ihres Gesprächs mit dem Grafen Bretanne und den draußen vorgehenden lebhaften Scenen war daher auch der Eintritt eines englischen Offiziers wenig beachtet worden , der unfern des Eingangs Platz nahm und Kaffee bestellte . Der Fremde trug die Interims-Uniform eines englischen Linien-Regiments , mit allen Nebenerfordernissen der feinsten Toilette . Ein röthlicher Schnurr- und Backenbart rahmte sein offenbar noch sehr jugendliches Gesicht ein , eine blaue Brille bedeckte die Augen . Dennoch schien dies Gesicht einen eigenthümlichen Eindruck hervorzubringen , denn Nini , bei der der britische Offizier im Vorübergehen Kaffee bestellt , betrachtete ihn mit halb erstaunter Miene und ging zwei Mal an ihm vorüber , ihn neugierig anschauend , ehe die Wendung des Verhörs vor General Pelissier all ' ihre Aufmerksamkeit und ihre Besorgniß fesselte . Der schwachsinnige Jean brachte , da alle Bedienung sich außerhalb der Cantine befand , das Getränk und setzte es in seinem träumerischen Wesen achtlos vor dem fremden Offizier nieder . Nicht so spurlos ging die einfache Begegnung bei diesem vorüber . Der Anblick des armen blödsinnigen Burschen durchzuckte ihn gleich einem elektrischen Schlage ; er machte unwillkürlich eine Bewegung , aufzuspringen , die Arme erhoben sich - doch eben so schnell schien er seiner Bewegung Meister zu werden und jedes Zeichen der Aufregung zu unterdrücken , außer , daß seine Blicke von diesem Moment an unverändert allen Bewegungen des Schwachsinnigen folgten , der das empfangene Geld zum Comptoir trug und den Rest dem Offizier zurückbrachte . Dieser berührte hastig dabei die Hand des armen Burschen - es schien , als ob er sie drückte . Wer in diesem Augenblick ihn näher beobachtet hätte , würde bemerkt haben , daß zwei große schwere Tropfen unter den blauen Gläsern der Brille langsam hervor und über seine Wangen flossen . General Pelissier hatte bereits den Platz verlassen und verschiedene Gruppen der Offiziere und Soldaten hatten , während der Lärm und Jubel draußen tobte , sich um das Comptoir Celesten ' s oder in der Cantine selbst versammelt , jener und der jungen Marketenderin die komischen Scenen des Verhörs schildernd , von dem bevorstehenden Kampf plaudernd oder sich gemächlich zum Einnehmen ihres Kaffee ' s anschickend . Die britische Uniform war eine zu gewöhnliche Erscheinung , als daß sie irgend hätte Aufmerksamkeit erregen können , als höchstens einige flüchtige Blicke , da der fremde Offizier sich abgesondert hielt und den Kopf in die Hand gestützt dadurch einen Theil seines Gesichts verbarg . Zwei Männer nur hatten ihm eine schärfere Beachtung gewidmet , ohne daß er dies bemerkte . Es war der Corporal Bourdon , der seinen sehr grämlichen und ärgerlichen Sergeant-Major in eine Ecke gezogen , um sich dort gegen die Vorwürfe zu vertheidigen , die der Alte für seinen Aufruf zum Zeugniß ihm machte . » Den Teufel über Euch , Halunken , « schmälte der Feldwebel . » Konntet Ihr Euch nicht herauslügen aus der Geschichte , ohne einen alten Kerl , wie mich , und seine kleinen Sünden vor den General zu bringen ? - Wenn er mich nun degradirt hätte , Ihr Schufte , blos weil ich mich verleiten ließ , mir in Gesellschaft solcher Laffen einen kleinen Haarbeutel zu trinken ? He - was hätte man dann in der ganzen Armee von Sergeant-Major Fabrice gesprochen ? Welche Schmach wäre damit auf die sämtlichen Zuaven gefallen ! Fichtre ! « » Il n ' est pas si diable qu ' il est noir , Papa Fabrice ! « beruhigte ihn der Corporal . » Ihr habt Nichts von einem Haarbeutel gestanden und nur die Wahrheit gesagt , daß Ihr mit uns ein Wenig gebechert . Wie sollte das Eurem Ruf schaden ? Oder wolltet Ihr vielleicht lieber , daß wir in eine arge Klemme kamen , wo es blos galt , ein Paar Worte Wahrheit zu sprechen ? Parbleu - laßt das meine Schwester nicht hören ! « » Na , na , « brummte der Alte , » es hätte mir freilich leid gethan , aber ... « » Ich schwöre Euch überdies , Papa Fabrice , « fuhr der Corporal fort , » Ihr war ' t auch im Geringsten nicht betrunken . Ich weiß ganz gewiß , daß Ihr uns Alle