zu vermeiden , räth man Ihnen , selbst Vacanz zu begehren , um eine Reise zu machen ... Nur gehen Sie nicht nach Witoborn , wodurch Sie das Uebel vermehren würden , gehen Sie nach Kocher am Fall ... Uebernehmen Sie die Aufträge nach Wien , so gilt dies für einen Bruch mit der Regierung ... Doch wie Sie wollen ; nur folgen Sie mit Vorsicht den Rathschlägen Nück ' s ... « Der Athem stockte dem Priester beim Lesen ... Nück begegnete ihm auf der Straße und rieth ihm , für immer mit diesem Staat zu brechen ... Wir müssen alle an Oesterreich halten ! sagte er ... Fort ! fort ! ... Was sollte Bonaventura thun ! ... Der Rath Lucindens war klug , beachtenswerth ... Aber ein Rath aus diesem Munde ! ... Nück ' s Absicht , ihn für immer zu entfernen , war unverkennbar ... Man kam ihm wieder mit dem Auftrag , nach Wien zu gehen ... Er sollte dem erwarteten Cardinal Ceccone und dem Staatskanzler die Vermittelung mit Rom und dem Landesfürsten , die Befreiung des gefangenen Erzbischofs , dem die Kirche zum irdischen Ersatz für seine Märtyrerkrone den Cardinalshut schicken wollte , aufs dringendste ans Herz legen ... Bonaventura war wie Benno ein Gegner der Waffengewalt , die die Regierung angewandt hatte ... Dennoch gingen sie beide so wenig mit dem Geiste , aus dem Nück alles leitete und einfädelte ... In dieser zagenden Ungewißheit theilte ihm Kanonikus Taube , der Hausfreund der Kattendyks , im Ton des Bedauerns die Nachricht mit , daß man ihn bis zur Entscheidung der Frage über den Magnetismus durch die Pönitentiarie in Rom ohne Zweifel vom Beichtstuhl entbinden würde ... Er möchte sich , setzte der Weltkluge hinzu , rasch zur wiener Mission entschließen ... So entginge er allen seinen Neidern und Feinden ... Der Regierung bliebe er ja doch unter allen Umständen anstößig , wie jetzt sämmtliche Priester , die adelige Namen trügen ... Bleiben Sie so lange in einem Donauklöster , bis eine Pfründe offen wird ! Ja , es sind die Tage des Exils ! sagte er und ging zur Whistpartie bei der Commerzienräthin ... Auf einzelne hervorragende Häupter legt sich in großen Krisen die Verantwortung . Es sind oft nur Loose des Zufalls . Irgendein Misverständniß , irgendeine unbegründete Annahme vertheilt die Rollen . Vollends kann ein katholischer Priester seine wahren Meinungen und Gesinnungen nicht kund geben . Bonaventura war gegen den damaligen so nüchternen und freiheitsfeindlichen Geist der Bureaukratie tief eingenommen , er war adelig , galt von früherher noch für gespannt mit seinem Stiefvater , dem Präsidenten , war intim mit dem hervorragenden Adel um Witoborn - wegen alles dessen galt er für einen Römling ... Wie konnte er dagegen protestiren ! ... Der alte Weihbischof übersah seine ganze Lage und rieth ihm gleichfalls , eine Vacanz zu begehren , um vorläufig in Kocher am Fall den kränkelnden Dechanten zu besuchen ... Benno rieth ebenso ... Niemand wußte besser , als Benno , wie Bonaventura dazu gekommen war , seine Hand auf Paula zu legen ... Er wurde dazu gezwungen , um Schmerzen zu stillen ... Armgart hatte mit Gewalt seine widerstrebende Hand ergriffen und geführt ... Dann war dafür der Oberst an seine Stelle getreten - schon bei dem Mittagsmahle , wo Paula eine Vision von ihrer Heirath hatte - auch bei seinem Abschied , wo er sie schlafend fand und sie ihn Bischof nannte ... Alles das - er hätte es so gern vergessen - rief man gewaltsam wieder in seinem Gedächtniß wach ... » Nach Witoborn ? « Das war unmöglich ... Aber als Benno dann sagte : » Vielleicht übernehme ich selbst es , dem Cardinal Ceccone und dem Staatskanzler offen unsere ganze hiesige Lage zu schildern , Nück drängt in mich , daß ich seine Proceßacten befördere « - als Bennos fortfuhr und sagte , daß es ihn ewig südwärts zöge und er sich vorkäme wie ein Zugvogel , der wider Willen auch den Winter im Norden zubringen müsse , weil ihm die Flügel gebrochen wären ; als er sagte , es wäre ihm , als hätte er sonst die Sprache Aegyptens verstanden , nun aber kämen die andern Störche im Frühjahr von der Reise zurück und plauderten Dinge von den Pyramiden , die er nur noch halb verstünde - da entschloß er sich , einige Wochen in der Dechanei des Onkels zuzubringen ; denn zu mächtig schlug sein Herz , Benno endlich sagen zu dürfen , wo sein wahrer Dachgiebel zum Nestbauen im Norden und im Süden wäre - auf Schloß Neuhof und in Rom ... Vielleicht gab die Pfingstzeit , wo Benno nach Kocher nachzukommen versprach , die Stunde der Enthüllung ... So reiste denn Bonaventura nach Kocher am Fall ... Er fand den Onkel erregter denn je ... Was sich auch seit den Enthüllungen über Benno ' s Ursprung in des Neffen Gemüth gegen den leichtsinnigen » Abbé « aus der Napoleonischen Zeit festgesetzt hatte , bald wich es dem edeln und versöhnenden Eindruck , den des Onkels liebevolle persönliche Erscheinung machte ... Und nun fand er den Milden , Gütigen in einer fast krankhaften Aufregung und von allen seinen alten Principien der Gleichgültigkeit besorgniserregend verlassen ... Um zehn Jahre war er älter geworden , muthloser , verdrießlicher , die Fliege an der Wand konnte ihn ängstigen ... Leicht drohte auch eine Untersuchung für den alten leichtsinnigen Betrug ... Frau von Gülpen war eine Mehrung dieser Unzufriedenheit des Greises mit sich selbst und keine Linderung ... Seit dem grauenvollen Erlebniß mit ihrer Schwester , seit der Hinrichtung des Mörders derselben war eine Schreckhaftigkeit über sie gekommen , die in allem Gefahren sah , selbst in dem Alleinwohnen auf der Dechanei ... Wäre nicht Windhack ' s gute Laune die alte geblieben , das Leben seiner jetzigen Vereinsamung wäre dem Onkel ganz die Qual geworden , die der römische Priester für seine alten Tage fürchtet ... Die Frage nach einer neuen Nichte war