war gewohnt , deren Urteil in die erste Reihe zu stellen . Das schlimmste war , daß Edith selbst widerstrebte , daß sie mit voller Entschiedenheit erklärte , sie halte sich noch für gebunden , nur Felix selbst könne sie freigeben . Ihr Vater kannte den Charakter Ronalds doch hinreichend , um zu wissen , daß dieser einer solchen Großmut nicht fähig war , aber zu jedem Gewaltschritt , wenn man ihn reizte . Eine heiße Angst wallte plötzlich in Marlow auf , denn hier empfand er doch nur als Vater , alles andere trat davor zurück . Er wollte seine Tochter wieder haben , wollte sie frei machen von der Gewalt des Mannes , dem er sie selbst ausgeliefert . Einmal hatte er sich verleiten lassen , den alten Grundsätzen seines Hauses untreu zu werden , er hatte auch die Hand ausgestreckt nach dem » Hexengolde « , – das rächte sich jetzt an seinem einzigen Kinde ! Edith war heute nachmittag bei ihrer Rückkehr von Wilma so seltsam verstört und aufgeregt gewesen , hatte aber dem Vater nicht Rede gestanden , sondern nur verlangt , er solle sie mit Ronald , der heute abend kommen wollte , allein lassen und die Unterredung unter keiner Bedingung stören . Widerstrebend hatte er nachgegeben , Gott weiß , was zwischen den beiden da entschieden wurde ! Edith befand sich allein in ihrem Zimmer , die Dunkelheit war längst eingebrochen , aber hier in dem großen , reich und behaglich ausgestatteten Gemach herrschte blendende Helle . Das elektrische Licht , das aus gläsernen Blumenkelchen sprühte , wurde sonst durch einen rosigen Schleier gedämpft , heute war er entfernt worden . Grell und scharf floß das Licht nieder und beleuchtete jeden Gegenstand im Zimmer , jeden Zug in dem Gesicht des Mädchens , das bleich , aber in entschlossener Haltung am Kamin stand . Die » furchtbare Stunde « war da ! Ronald war gestern fern geblieben , erst heute morgen , hatte er einige Zeilen gesandt , um sich für den Abend anzumelden . Jetzt trat er ein , die Thür schloß sich hinter ihm , die beiden waren allein . Edith ging ihm anscheinend ruhig entgegen , aber als er sich zu ihr niederbeugte , um sie nach gewohnter Art in die Arme zu schließen , zuckte sie leicht zusammen , und das entging ihm nicht . Er streifte sie mit einem raschen , funkelnden Blick , dann berührten seine Lippen nur ihre Stirn und er richtete sich wieder empor . » Hast du mich gestern erwartet ? « fragte er . » Meine Stimmung war begreiflicherweise nicht die beste . Ich taugte schlecht zur Gesellschaft , deshalb blieb ich dir fern . « » Zur Unterhaltung habe ich dich auch nicht erwartet , « entgegnete Edith leise . » Vielleicht zur Aussprache ? Ich gehöre nicht zu den Menschen , die Trost brauchen , ich pflege das mit mir allein abzumachen . « Er stand ungebeugt vor ihr und sprach in einem völlig beherrschten Tone , nur die fahle Blässe in seinem Gesichte und das nervöse Zucken darin verrieten , wie ihn die gestrige Niederlage getroffen hatte , Edith war an den Kamin getreten , wo zwei niedrige Sessel standen , ihr gewöhnlicher Platz bei den Besuchen Ronalds . Sie ließ sich auch jetzt dort nieder , er folgte ihrem Beispiel . » Ich fürchte dich auch heute noch mit jedem Worte zu verletzen , « entgegnete sie , » Ich war ja gestern bei der Verhandlung , da brauchen wir es uns nicht erst zu sagen , wie der Ausgang uns beide getroffen hat . « » Uns beide ? « wiederholte er . » Rechnest du dich wirklich noch , zu mir ? Dein Vater thut das nicht mehr ! « » Du kommst von Papa ? « fragte Edith rasch . » Nein , ich kam direkt zu dir , aber es ist mir längst kein Geheimnis mehr , daß er dringend eine – Aenderung unseres Verhältnisses wünscht . Ich nehme ihm das nicht besonders übel , denn wir beide haben uns von jeher auf den geschäftlichen Standpunkt gestellt . Seine etwaige Abneigung kümmert mich sehr wenig . Ich habe mit dir zu thun , Edith , mit dir allein ! « Seine brennenden Augen ruhten in fieberhafter Unruhe auf ihren Zügen , aber es vergingen einige Sekunden , ehe Edith antwortete . Die entscheidende Frage drängte sich auf ihre Lippen und wurde doch nicht ausgesprochen . Das wilde , stürmische Klopfen ihres Herzens erstickte ihr fast die Stimme . » Ich lasse mich nicht von äußeren Ereignissen beeinflussen , das weißt du , Felix , « erwiderte sie endlich . » Und eben deshalb verlange ich Offenheit von dir . Mein Vater hält deine Stellung für schwer erschüttert , er meint , der gestrige Tag – « » Sei der Anfang vom Ende ! « unterbrach er sie mit bitterem Hohne . » Das glauben sie so ziemlich alle , man denkt sehr schnell mit mir fertig zu werden . Das › Götzenbild des Mammons ‹ wie mein genialer Gegner es nannte , ist ja nun gestürzt ! Ich glaube , er hat nicht übel Lust , sich selbst an diese Stelle zu setzen , und Aussicht hat er auch dazu . Man warf sich ihm ja gestern schon beinahe zu Füßen , dem großen Redner ! dem Anwalt des Rechtes ! Hat er dich nicht auch hingerissen mit seinen flammenden Tiraden ? Du bist ja sehr empfänglich dafür ! « In den Worten verriet sich seine ganze furchtbare Gereiztheit , die er nicht länger zurückhalten konnte . Edith schwieg , sie wußte , daß sie an diesen Punkt nicht rühren durfte , ohne seine volle Leidenschaftlichkeit zu entfesseln , und hier galt es doch , ruhig zu sein . Felix fuhr mit steigender Heftigkeit fort . » Sie könnten sich doch irren , all die weisen Propheten . Noch bin ich Felix Ronald , das