beinahe scheu sagte : „ Onkel Arno , ich habe eine Bitte an Dich . “ „ Ich höre , “ versetzte er einsilbig . „ Wenn dieser enge Verkehr mit der Familie des Oberst Wilten auch in der Stadt fortgesetzt werden soll , so erlaß wenigstens mir die Betheiligung daran ! “ „ Weshalb ? “ „ Weil ich während unseres Landaufenthaltes entdeckt habe , daß die Mama einen ganz bestimmten Plan verfolgte , als sie die Einladung annahm , einen Plan , den auch Du begünstigt . “ „ Ich begünstige nichts ! “ sagte Raven kalt . „ Deine Mutter handelt ganz nach eigenem Wunsche und auf eigene Verantwortung . Ich stehe der Sache vollständig fern . “ „ Man wird aber Deine Entscheidung fordern , “ erwiderte Gabriele . „ Wenigstens hat mir die Mama angedeutet , daß Albrecht von Wilten nächstens eine Bitte an Dich richten wird , die – “ „ Dich betrifft , “ ergänzte Raven , als sie inne hielt . „ Das ist allerdings wahrscheinlich , aber darüber hast Du allein zu entscheiden , und ich werde den jungen Baron auf Deine Antwort verweisen . “ „ Erspare ihm und mir das ! “ fiel das junge Mädchen hastig ein . „ Es würde für ihn ebenso kränkend sein , ein Nein aus meinem Munde zu hören , wie es mir peinlich wäre , es auszusprechen . “ „ Du bist also entschlossen , seinen Antrag zurückzuweisen ? “ Sie schlug das Auge groß und vorwurfsvoll auf . „ Das fragst Du noch ? Du weißt ja , daß ich einem Anderen mein Wort gegeben habe . “ „ Und Du weißt , daß ich jenes übereilte Versprechen nicht als eine Fessel anerkenne , die Dich binden könnte . Weil ich einem Anderen mein Wort gegeben habe ! – das klingt sehr pflichtgemäß . Früher sagtest Du : ‚ Weil ich einen Anderen liebe ! ‘ “ Die Bemerkung mußte wohl treffen , denn in dem Antlitz Gabrielens stieg eine dunkle Röthe auf und sie umging die Antwort . „ Albrecht von Wilten war mir bisher gleichgültig , “ entgegnete sie . „ Seit ich weiß , daß seine Hand mir aufgedrungen werden soll , habe ich einen Widerwillen gegen ihn gefaßt . Ich werde nie seine Gattin werden . “ Die Brust des Freiherrn schien sich unter einem tiefen Athemzuge zu erweitern , aber er versetzte in dem eisigen Tone , den er während des ganzen Gespräches festgehalten hatte : „ Ich will Dich zu einer Wahl weder zwingen noch überreden . Wenn Du wirklich fest entschlossen bist , dem jungen Wilten ein Nein zu geben , so ist es allerdings besser , sein Antrag unterbleibt überhaupt . Ich werde dem Oberst mittheilen , daß er sich keine Hoffnung machen darf ; es soll schon morgen geschehen . “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 21 , S. 339 – 342 Fortsetzungsroman – Teil 13 [ 339 ] Raven lehnte sich in den Sitz zurück , und das frühere Schweigen trat wieder ein . Auch Gabriele schmiegte sich fester in die Wagenecke ; sie , die es sonst nicht vermocht hatte , auch nur eine Viertelstunde zu fahren , ohne sich in allen möglichen Plaudereien zu ergehen , zeigte jetzt nicht die mindeste Neigung , das Gespräch wieder anzuknüpfen . Es war eine mächtige und tiefgreifende Veränderung mit ihr vorgegangen , die nicht erst von der Entfernung Georg ’ s datirte ; schon früher , viel früher war jenes räthselhafte Etwas aufgewacht , gegen das sie vom ersten Augenblicke an gekämpft und das sie so lange für Furcht und Scheu gehalten hatte . Es hatte ja so gar nichts gemein mit jener frohen , beglückenden Empfindung , die wie Sonnenschein durch die Seele des jungen Mädchens floß , als Georg ihr seine Liebe gestand , als er mit der ganzen Innigkeit seines Wesens um ihre Gegenliebe bat und sie lächelnd und erröthend das ersehnte Ja aussprach . Sie rief oft genug das Andenken an jene Stunde zurück , wie man eine schützende Macht anruft , aber oft vergeblich . Es wich in solchen Momenten das Bild Georg ’ s , das sie festzuhalten strebte , in weite Ferne zurück , und bisweilen verblaßte es ganz . Wenn es nur die Trennung war , die das verschuldete , warum erwies sich diese Trennung denn machtlos jenem anderen Bilde gegenüber , das sich so ernst und düster erhob und immer deutlicher hervortrat , je mehr das erste sich verschleierte ? Es hatte Gabriele nicht verlassen in diesen ganzen vierzehn Tagen ; weder die schmeichelnden Huldigungen des jungen Officiers noch der Gedanke an den fernen Geliebten hatten die Erinnerung verscheuchen können , die alles Denken und Fühlen gewaltsam an sich riß . Es war , als habe eine dämonische Macht die ganze Natur des jungen Mädchens in Fesseln geschlagen ; Frohsinn , Uebermuth , Kinderlaunen , das Alles war dahin , und was an dessen Stelle trat , diese dunklen und räthselhaften , mehr dem Schmerze als der Freude verwandten Regungen , dieses Auf- und Abwogen von Empfindungen , die sie nicht verstand , beängstigte und peinigte Gabriele unendlich . Noch kämpfte sie halb unbewußt dagegen , noch ahnte sie nicht , wollte nicht ahnen , welche Gefahr es war , die ihrer Liebe und dem Glücke Georg ’ s drohte ; sie fühlte nur , daß Beides bedroht war , und daß die Gefahr nicht von außen kam . Die Fahrt ging ununterbrochen in der gleichen Eile vorwärts , der Stadt zu , die nebelumflort noch in ziemlicher Entfernung lag . Das weite Thal mit seinem Bergeskranze trug schon das Gewand des Herbstes , der hier in der Nähe des Hochgebirges seine Herrschaft früher antrat , als drunten in der Ebene . Noch standen die Bäume und