aus der Taufe heben mußte , und daß sie mich gewählt haben , die kranke Frau zu pflegen ... Nicht wahr , gnädige Frau , ich kann die Komödie gut spielen ? Es sieht ganz natürlich aus , wenn ich den Gabriel drüben im Schlosse anfahre und in den Ecken ' rumstoße ... Ach , und er ist mein Herzblatt , mein Augentrost – ich könnte mein Herzblut tropfenweise für ihn hingeben . Habe ich ihn doch auferzogen vom ersten Atemzuge an , und Thränen genug geweint über das arme Köpfchen , aus dem mich die Augen doch immer so geduldig und liebevoll ansahen , wenn ich auch noch so hart that ! « Ihre Stimme brach ; jetzt weinte sie in der That bitterlich in ihre Schürze . » Und er ist doch einer von ihrer Familie , « setzte sie nach einer kurzen Pause sich bezwingend hinzu und ließ mit einer trotzigen Gebärde die Schürze fallen . » Er ist doch ein Mainau , so wahr die Sonne da oben steht – und wenn der selige gnädige Herr ihn auch nie mit einem Auge hat sehen dürfen – sein Kind ist und bleibt der Gabriel . « » Das alles hätten Sie dem jungen Herrn sagen sollen , als er die Erbschaft antrat , « sagte Liane ernst . Die Beschließerin prallte förmlich zurück und hob die Hände heftig protestierend . » Gnädige Frau – dem ? « fragte sie , als höre sie nicht recht . » Ach , das ist nicht Ihr Ernst ! Wenn der junge gnädige Herr den Gabriel nur von der Seite ansieht , da zittre ich schon – hu , der Blick geht mir durch Mark und Bein ! ... Es ist ja wahr , der Herr Baron ist sonst sehr gut . Er thut viel für die Armen und leidet kein Unrecht , das auf der Hand liegt ; aber – er will vieles nicht sehen , er läßt sich nicht gern stören in seiner Lebensfreude , und da geht ' s – husch – über manches hinweg , was ganz anders untersucht werden müßte ... Er weiß ja doch auch , weshalb die Kranke immer so aufschreit , wenn die Frau Herzogin vorbeikommt . « – Sie verstummte . » Nun , weshalb ? « fragte Liane gespannt . Die Beschließerin sah sie verlegen von der Seite an . » Je nun – der junge Herr Baron sieht seinem Onkel so ähnlich , daß unsereins manchmal darauf schwören möchte , der verstorbene gnädige Herr sei leibhaftig wieder da ... Und da ist er einmal am indischen Hause vorbeigegangen und hat die Frau Herzogin am Arme gehabt « – sie sah sich scheu um – » und die sieht ihn ja immer mit Augen an , als wollte sie ihn verbrennen – ich bin ja nicht dabei gewesen , ich weiß es ja nicht – aber die kranke Frau hat in ihrem Kopfe gemeint , der da draußen sei ihr Liebster , und hat in heller Eifersucht aufgeschrieen – seitdem ist sie immer so unruhig , wenn die Hoheit vorbeireitet ... Das beweist doch , wie lieb sie den verstorbenen Herrn gehabt hat – aber der Herr Baron sagt immer nur : › die Frau ist wirr im Kopfe ‹ , und damit ist die Sache abgemacht ... Nein , er rührt keinen Finger , und wenn der liebe Gott nicht ein Einsehen hat , da muß mein armer Junge ohne Gnade in drei Wochen fort in die geistliche Dressur – und nachher wird er unter die Heiden geschickt ; da ist er ihnen freilich nicht mehr im Wege . « » Das geschieht aber doch nur , weil es der Verstorbene gewünscht hat . « Die Beschließerin sah der jungen Frau mit einem langen , sprechenden Blick in die Augen . » Ja , so sagen sie drüben im Schlosse , aber – wer ' s glaubt ! Haben Sie den bewußten Zettel gelesen ? « Liane verneinte . » Ich glaub ' s – wer weiß , wie er aussieht ! ... Sehen Sie , gnädige Frau , an dem Abende , wo Sie unversehens in das indische Haus kamen und so liebevoll mit dem Gabriel waren , da habe ich innerlich aufgejubelt und habe gedacht : endlich schickt unser Herrgott seinen guten Engel . Der Engel sind Sie auch geblieben – ich habe es vorhin erst wieder gesehen , wo Sie so mutig vor der ganzen schrecklichen Gesellschaft dem armen Jungen beistehen wollten ; aber durchdringen werden Sie in dem Hause nie . Dahinein paßt nur eine , wie die selige gnädige Frau , die gleich mit beiden Füßen stampfte und den Schloßleuten alles an den Kopf warf , was ihr eben in die Hände kam , und wenn es Stahl und Eisen und spitzige Messer und Scheren waren ... Und da will ich lieber still sein und von dem , was ich weiß , nichts weiter auf Ihr gutes , sanftes Herz legen , denn – Sie haben für sich selber zu kämpfen , wenn Sie nur ein ganz kleines Stückchen Heft in der Hand behalten wollen ... Er , der alte böse Mann , wühlt unter Ihren Füßen wie ein Maulwurf – er will Sie um jeden Preis wieder hinausbeißen – und der andere , der Sie nach Schönwerth gebracht hat – seien Sie mir nicht böse , gnädige Frau , aber es muß heraus – der wird Sie nicht schützen , nicht halten . Das wissen und sehen wir alle . Wenn ihm das Treiben des alten Herrn zu bunt wird , da kehrt er Schönwerth den Rücken , macht drei Kreuze und fährt in die weite Welt hinein – was hinter ihm bleibt , das ist ihm sehr einerlei und – die arme junge Frau dazu . « Eine flammende Röte ergoß sich über Lianes Gesicht – welche Rolle spielte sie in diesem Hause ! Die gerade , ungeschminkte Ausdrucksweise der Frau zeichnete ihre