es ihm für den Augenblick unmöglich , den Preis bar zu bezahlen , wie Sie es bedingten . — Da ich sah , wie viel ihm daran lag , seinem Sohne , meinem Neffen , eine feste Lebensstellung durch den Besitz und die Leitung der Fabrik zu gründen , beschloß ich mit Zustimmung meines Johannes und seiner Vormünder das Kapital für ihn zu erlegen . So eben traf aus Paris Johannes ’ Antwort auf meine Anfrage ein . Er ist vollkommen mit meinem Plane einverstanden , denn er liebt seinen Onkel und würde , wenn selbst die Ge ­ fahr eines Verlustes damit verknüpft wäre , denselben für ihn gerne tragen . “ „ Man weiß in der Tat nicht , was man mehr bewundern soll , gnädige Frau , Ihre Entschlossenheit und Energie , oder Ihr großmütiges Herz ! Wohl dem der eine solche Schwester hat ! “ „ Ach , bitte , schmeicheln Sie nicht , “ sagte die Staatsrätin und eine Wolke des Mißfallens zog über ihre hohe , kräftige Stirn . „ Solche Dinge sind ja gar nicht der Rede wert . Ich wünsche Bruder und Neffen in meine Nähe zu fesseln , was ich nicht könnte , wenn sie genötigt würden , sich in einer andern Gegend anzukaufen ; es trifft sich gerade so schön , daß ich hier meinen Landsitz habe . Was ich also tue , ist reiner Eigennutz . — Da Sie morgen früh ab ­ reisen , wäre es wohl das Beste , wenn wir jetzt gleich die Sache in Ordnung brächten . Ich würde meinem Bruder dann heute Abend den Verkaufskontrakt unter die Teetasse legen ! “ „ Eine fürstliche Art zu überraschen , “ versetzte Leuthold und eilte dienstfertig zum Schreibtisch , um das Dokument aufzusetzen . Dieser Verkauf kam ihm eben recht , denn es lag ihm alles daran , mit Ernesti ­ nen im Süden zu bleiben , um seine Erziehungs ­ methode den Blicken ihrer jetzigen Gönner zu entziehen , und durch die Entäußerung des Gutes fiel der letzte Grund weg , der ihn zwingen konnte , wieder auf den Schauplatz von Ernestinens Kindheit zurückzukehren . Mittlerweile saßen Angelika und Ernestine unten in der ehemaligen Plättstube am Fenster und führten ein gar ernstes Gespräch . Angelika hatte von ihrem Bruder die Schreipuppe , von der sie geglaubt , er werde sie ihr mitbringen , heute geschickt erhalten . Sie war außer sich vor Entzücken und konnte nicht begrei ­ fen , daß Ernestine so gleichgültig bei dem Anblicke des Wunderwerkes war . Sie hatte sie mehrmals Papa und Mama sagen und die Augen öffnen und schließen lassen — Ernestine blieb kalt . Sie fand die Aus ­ sprache der Worte Papa und Mama undeutlich und behauptete , die Augendeckel klappten mit zu vielem Geräusch auf und zu . Daß sie schon eine angehende Menschenfeindin war , schmerzte Angelika nicht , denn sie bemerkte es nicht , aber sie als eine Puppenfeindin kennen zu ler ­ nen , das tat dem kleinen Mädchen bitter weh . „ Du wirst nie Freude an einer Puppe erleben , “ schalt es , „ wenn Du sie so wenig leiden kannst ! “ „ Was sollte ich auch wohl daran für Freude er ­ leben ? “ spottete Ernestine bitter . „ So ? Das kannst Du nicht wissen ! Du denkst wohl , die armen Dinger fühlen es nicht , wenn man häßlich mit ihnen ist ? Mama sagt , sie wüßten es wohl und trügen es nach , wenn sie es auch nicht zeigten ! “ „ Glaubst denn Du Alles , was Deine Mutter sagt ? “ frug Ernestine kopfschüttelnd . „ Ei gewiß , das versteht sich . Mama spricht immer die Wahrheit . “ „ Woher weißt Du das ? “ Angelika sah Ernestine groß an . „ Woher ? Ei ich weiß es eben . “ „ Ja , aber wer sagte Dir ’ s ? “ „ Niemand — ich weiß es von mir selbst . “ Ernestine blickte schweigend vor sich nieder . „ Ich weiß es von mir selbst — “ wiederholte sie in Gedanken und konnte nicht begreifen , warum das Wort sie so seltsam traf . „ Wenn sie nun aber doch einmal etwas behauptet , was man nicht glauben kann ? “ „ Ach , was eine Mutter sagt , muß ein Kind im ­ mer glauben . “ „ Wenn man ’ s nun aber nicht kann ? “ „ Man muß es aber können ! “ schrie Angelika ganz böse . „ Man muß es können , — wie ist es möglich etwas zu glauben , weil man muß ? Das steht ja doch nicht in unserm Willen , “ sagte Ernestine und dachte bei sich , Angelika sei sehr töricht ; da fiel ihr aber plötzlich ein , daß der alte Pfarrer ja nicht einmal klüger sei , denn er hatte auch gesagt : man müsse glauben und wenn man ’ s nicht tue , so begehe man eine Sünde — und dennoch konnte sie ’ s nicht — wie war ’ s denn nun mit dem Muß ? „ Ernestine , starre doch nicht so vor Dich hin , “ unterbrach Angelika ihr Brüten , „ sieh nur , wie mein Püppchen sitzen kann — ganz allein , ohne Lehne ! Ach , gib ihm nur einen einzigen Kuß , es ist ja Deine Namensschwester , ich taufte es Ernestine . “ „ Nein , ich mag nicht , solch ein lederner Balg fühlt es nicht und ich küsse nichts , was nicht fühlt , noch lebt . “ „ O Ernestine , sag ’ das nicht . Sie ist nicht lebendig , aber sie könnte es doch werden . Mama er ­ zählte mir einmal von einem Manne in Griechenland Namens Pygmalion , der habe sich eine steinerne Puppe gemacht und sie so liebgewonnen , daß sie erwärmte und lebendig wurde . Siehst