gepreßt . „ Ach , und ich glaubte – aber das konnte ja auch gar nicht mit Ihrem Früherkommen zusammenhängen – ja wissen Sie denn nicht , daß die Frau Herzogin einen Schlaganfall hatte ? “ „ Nein ! “ sagte sie erschreckt . „ Wann ? Ich bin seit einer Stunde vielleicht hier – “ „ Vor kurzem wohl – das Nähere weiß ich nicht . Es wurde Seiner Hoheit gemeldet , als wir vom Anstand zurückkamen . “ Das Dienstmädchen erschien jetzt mit einer Schüssel kalten Fleisches und Bratkartoffeln Es zog ein verächtliches Gesicht , als sie die Dame im Gesellschaftskleid dastehen sah , mit der blaue Schürze darüber , die von ihr ausgeborgt war . Man mußte sie dort droben wohl Knall und Fall an die Luft gesetzt habe , anders die Sache sich zu erklären war Karoline nicht im stande . Dem Herrn schien die Geschichte auch nicht geheuer , das sah man ja an seinem Gesicht ; sie hatte wahrscheinlich ein paar Redensarten zu hören bekommen , denn sie sah mit gar so verängstigten Augen zu ihr herüber . „ Wollen Sie mir Gesellschaft leisten , Fräulein von Kerkow ? “ fragte er und wies auf den Stuhl neben sich . „ Karoline , eine frische Serviette ! “ Hedwig Kerkow setzte sich . „ Hier ist das Brotmesser , “ sagte Karoline , „ das vorige Fräulein hat immer das Brot geschnitten . “ Das Fräulein griff mit zitternder Hand nach dem Brote , sie wußte kaum , was sie that . Die Herzogin einen Schlaganfall ! Weiter konnte sie nicht denken . „ Wenn man das hohe Alter erwägt , “ sprach der Oberförster , nachdem er ihr angeboten , und begann zu essen mit einer Gründlichkeit und Behaglichkeit wie seit langer Zeit nicht , „ dann ist ’ s ja leider nichts Unerwartetes – “ Das Mädchen hatte das Zimmer verlassen , Hede Kerkow saß und starrte auf ihren leeren Teller , es war ihr unmöglich , etwas zu genießen . Ja , was sollte dann werden , wenn die Herzogin starb ? Die Existenz ihres Bruders , ihrer Schwägerin , Tante , alles stand auf diesen zwei alten Augen . Draußen tönte die Schelle , hastige Männertritte kamen über den Flur , ein lautes Pochen und der Rentmeister trat ein . „ Steht schlecht droben , Günther , “ sagte er , nach einer ungeschickten Verbeugung , „ May giebt keine Hoffnung , der Anfall hat sich wiederholt . Der Herzog telegraphiert eben nach Nizza an seine Gemahlin und den Erbprinzen , die Herrschaften sollen sofort abreisen . Den Hofmarschall haben sie auch schon wieder am Schlafittchen , “ fuhr er lächelnd fort . „ Wenn er in Berlin eintrifft , liegt die Depesche schon im Hotel . ’ Sofort zurück ! ’ lautet sie . “ „ Es würde für den schlimmsten Fall seine Anwesenheit sehr nötig sein , “ meinte der Oberförster . „ Ihre Durchlaucht ist heute mittag noch ganz wohl gewesen , “ fuhr der Rentmeister fort . „ Als das Brautpaar aus der Kirche kam , ist es in dem Roten Zimmer von Ihrer Durchlaucht empfangen worden , sie hat gesagt , es thue ihr leid , daß sie bei der Trauung nicht habe zugegen sein können , fühle sich jedoch nicht ganz frisch . Um sechs Uhr hat sie von ihrer Kammerfrau Thee verlangt , gegen ihre Gewohnheit , hat über Frost geklagt , um Sieben hat sie nach dem Herzog gefragt , auch gegen ihre Gewohnheit , und um halb acht Uhr ist sie bewußtlos zusammengebrochen . Sie ist rechtsseitig getroffen , hat die Sprache verloren – ja , ja , Günther , da können wir wohl bestimmt für schwarzen Flor sorgen – “ Hedwig stand auf . „ Herr Oberförster , ich – ich möchte wohl – nein , “ unterbrach sie sich , „ es wäre unnütz . “ „ Wenn Sie glauben Ihrer Frau Tante nützen zu können , ist es doch selbstverständlich , daß Sie hinaufgehen ins Schloß . “ Sie schüttelte den Kopf , gewaltsam zwang sie ihre Erregung nieder . „ Ich danke , Herr Oberförster ! “ „ Fräulein ! “ rief Karoline herein . „ Ihr Reisekorb ist da ! “ „ Bitte , Fräulein von Kerkow , gehen Sie ruhig in Ihr Zimmer , Sie werden Ihre Sachen zu ordnen haben – auf morgen früh denn , “ redete der Oberförster ihr zu , der ihr verstörtes Wesen wohl bemerkte . Sie grüßte stumm und verschwand . Der Rentmeister sah der Hinausschreitenden nach . „ Das ist ja wohl dem Kerkow seine Schwester ? “ fragte er , ein spöttisches Zucken um die Mundwinkel . „ Die Herrlichkeit hätte denn auch bald ein Ende gehabt , ein Hofmarschall ist nächstens überflüssig hier , wenn er die Beisetzung angeordnet hat , kann er gehen . “ „ Es ist hart für ihn ; pensionsberechtigt wird er nicht sein ? “ „ Gott bewahre ! Hat ja kaum die Nase hineingesteckt . “ „ Aber er hat seine Carriere drangegeben , “ bemerkte der Oberförster . „ Weshalb hat er das gethan ! Das Risiko mußte er auf sich nehmen . – Da wird ’ s hier übriges recht ruhig werden in Breitenfels , “ fuhr er fort , ein Glas Bier leerend , das ihm der Oberförster eingegossen hatte . „ Das Nest wird einschlafen und wir mit ! Ja , ja , einmal kommt das Ende ! “ Mit diesem Gemeinplatz erhob er sich , schüttelte dem Oberförster die Hand und ging , um droben nachzuschauen . Olbers , der Kammerlakai , würde genau wissen , wie es stand . [ 170 ] Hedwig saß in ihrer ungeheizten Stube , die neben dem Schlafzimmer der Kinder lag , sie war nicht viel besser als ein Dienerzimmer , mit den schadhaften , billigen Tapeten , in Blau und Grau gemustert , dem winzigen Kleiderschrank , der