und ruhig ; jeder Baum hob sich deutlich ab von dem klaren Hintergrunde , und dort unten blitzte Licht aus den Fenstern der Mühle . Das alte trauliche Haus , wie gemüthlich trat es vor seine Erinnerung ! Wie geborgen mochte es sich dort wohnen in behaglicher , sorgenloser Existenz , ohne Angst vor der Zukunft , vor kommender drückender Noth ! „ Aus der Jugendzeit , aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar ; O wie liegt so weit , o wie liegt so weit , Was mein einst war – “ klang es innig und weich zu ihm herüber ; er wandte sich – da stand sie an dem alten Pianino , die schlanke und doch so leicht aufgebaute Mädchengestalt ; der kleine Kopf war etwas vorgeneigt , und Army meinte bei dem schwachen Lichte , das die Lampe bis in diesen Winkel warf , eine zarte Röthe in Lieschen ’ s Gesicht aufsteigen zu sehen . „ Als ich Abschied nahm , als ich Abschied nahm , War die Welt mir voll so sehr ; als ich wieder kam , als ich wieder kam , War Alles leer – “ Es klang tiefe Bewegung aus Lieschen ’ s Stimme . „ Noch den letzten Vers ! “ bat Nelly , „ Mama hört es so gern . “ „ Ich kann nicht mehr , “ entgegnete sie leise und wandte sich in ’ s Zimmer zurück . „ O , wie schade , Lieschen , “ sagte Nelly ’ s Mutter jetzt , „ auch nicht ein Weihnachtslied ? “ Sofort trat sie wieder zum Clavier : „ Am Himmel funkelt hehr ein Stern , Der still zur Erde sieht , Und heil ’ ge Engel singen fern Ein jubelnd Weihnachtslied . Und um das arme Kripplein strahlt Ein wunderglänzend Licht ; Ein Kindlein liegt auf harter Streu Mit göttlichem Gesicht . [ 803 ] O , freut Euch doch zu dieser Stund ’ , Wo Fried ’ die Welt umschließt ! So lächelt hold des Kindes Mund . – Gelobt sei Jesus Chist ! Ihr Menschen alle , groß und klein , Kniet nieder fern und nah Und dankt dem Herrn auf seinem Thron : Das Licht der Welt ist da “ Leise verhallten die letzten Töne des alten Weihnachtsliedes in dem hohen Gemache ; es blieb still drinnen ; für einen Jeden hatte es andere Erinnerungen geweckt , und doch wurzelten sie alle in demselben Boden . Die kränkelnde Frau dort im Sessel , sie gedachte der Zeiten , wo sie als junge Mutter ihrem Knaben diese Worte eingeprägt , damit er sie dem Vater unter dem prächtigen Weihnachtsbaume wiederholen sollte ; sie sah wieder den reizenden Jungen , von ihrem Arme umfaßt , vor dem schönen Manne stehen ; sie war neben dem Kinde hingeknieet und legte ihm die kleinen Hände betend in einander , von den Zweigen des Baumes glänzte Licht um Licht und strahlte zurück aus den treuen glänzenden Kinderaugen , er mußte ja auch stolz sein aus seinen Sohn . „ Nun bete , mein Junge ! “ und die klare Kinderstimme hatte so rührend ernsthaft gesprochen : „ O , freut Euch doch zu dieser Stund ’ , Wo Fried ’ die Welt umschließt ! “ Dem jungen Manne stand nicht dieser Abend vor Augen ; er war aus seiner Erinnerung geschwunden , aber er sah sich neben zwei kleinen Mädchen dort unten in der Stube der Muhme . Beide saßen auf dem Bänkchen zu den Füßen der alten Frau , die rosigen Mündchen weit geöffnet , die Augen ernsthaft in die Ferne gerichtet ; sie sangen , zwar nicht kunstgerecht , aber doch so tapfer und vor Weihnachtsfreude glühend : „ Und um das arme Kripplein strahlt Ein wunderglänzend Licht , Ein Kindlein liegt auf harter Streu – “ „ Army singt nicht mit , Muhme , “ hatte die Größere den Gesang unterbrochen und fragend zu ihr aufgeschaut . „ Dann giebt ’ s nachher auch keine Pfefferkuchen , wenn der Knecht Ruprecht kommt , “ war die Antwort gewesen . Da war die Kleine zu ihm getrippelt , „ Army , mitsingen ! “ hatte sie mit Thränen in den blauen Augen gebeten und als er trotzig den dunklen Lockenkopf geschüttelt , da hatte sie ganz trostlos die Händchen vor das Gesicht geschlagen . Und dann war Knecht Ruprecht gekommen in einem großen rauhen Pelz und hatte mit den Nüssen im Sacke gerasselt und drohend eine Ruthe unter dem Arme hervorgezogen . „ Sind die Kinder artig , Muhme ? Können sie auch beten ? “ hatte er mit hohler Stimme gefragt . „ Ja , die Mädchen wohl , aber der da , der Junge , der ist ein kleiner Trotzkopf , der nicht sein Weihnachtslied singen will ; den nimm nur getrost in Deine Schneehöhle mit , Herr Ruprecht ! “ Und da war das kleine Mädchen laut weinend und ihre Angst vergessend zu dem gefürchteten Manne hinübergelaufen . „ Nein , nein , lieber Onkel Ruprecht , nimm den Army nicht mit ! er ist nicht unartig ; ich will auch keinen einzigen Pfefferkuchen haben . “ Und Nelly hatte mit eingestimmt in das trostlose Weinen , und schließlich mußte Knecht Ruprecht abziehen , ohne ein Gebet gehört zu haben , und das Trösten der Muhme und das Weinen der Kleinen scholl hinter ihm drein . Nur er , der Böse , weinte nicht ; er lachte , als der letzte Zipfel des Pelzmantels verschwunden war , und behauptete kecklich , es sei gar nicht Knecht Ruprecht gewesen , sondern der Peter , der Kutscher , in Onkel Müllers umgekehrtem Pelze . An all diese trauten Erlebnisse des Kinderherzens dachte Army zurück , und unwillkürlich drängte sich ihm die Frage auf die Lippen : „ Wißt Ihr noch ? “ Dann schwieg er , wie erschreckt über seine Worte , die so unheimlich laut durch das stille Zimmer tönten ; sie waren ja