! Uff , wie es anstrengt ! Ich richtete mich auf . Vor der Tür lag der von unzähligen Tritten festgewordene Lehmboden im weißen Lichte . Als ich des bewußt wurde , kam mir der übellaunige Drang zu schreien . Ich spürte den Eigensinn bis in die Gliedmaßen , die nervös waren und jede einen anderen Plan zu haben schienen . Dabei stellte sich ein unbehagliches Gefühl der Zerstückelung ein . Ich dachte nach . Was war geschehen ? Und glaubte , mich beruhigen zu können . Noch war ich im Vollbesitze meiner geistigen und leiblichen Güter . In der Hütte war alles in bester Ordnung . Es fiel mir ein , daß ich zusammenpacken könnte , denn nach all dem , was gestern vor sich gegangen war , würde Slim mit seinen Absichten nun wohl endlich Ernst machen ! Hurra , da gab es dann doch wieder Abwechslung ! - Dieser Ausdruck eines Aufschwungs an Laune kam aber gleichsam etwas dünn heraus . Na , aber doch . Also ? Tja - nein , es ging nicht . Da kam ich nicht herum . Und weil ich mich mit mir selbst nicht auskannte , traten mir boshafte Tränen in die Augen . Es war zwar nichts Besonderes los , aber meine Glücksfähigkeit war doch erheblich vermindert . Ich fühlte meinen Rücken ; es stach noch heftig , in Flächen zuckte der Schmerz das Kreuz hinab . Es war die deutliche Erinnerung daran , daß ich mich vor Zana bloßgestellt hatte . Denn darüber konnte jetzt kein Zweifel mehr bestehen : mit peinigendem Gedächtnis erinnerte ich mich an den Gesichtsausdruck der verschiedenen Personen , die es mit angesehen hatten , und zwar mit einer Schärfe , die meine gestrige Dreistigkeit und Nonchalance in bezug auf meine Umgebung Lügen strafte . Durfte ich zugeben , daß ich um Zana litt ? Ich litt . Aber es war nicht Liebeskummer , sondern Geschlechtsgram . Ich wußte mein Geschlecht beeinträchtigt , mein Selbsterhaltungstrieb in den Lenden war herausgefordert , und man bestritt mir meine Männlichkeit . Die Verneinung als Geschlechtswesen wird wie leibliche Tyrannei empfunden . Ich wollte toben , das Stroh herunterreißen , mit Checho anbinden . Ich war hysterisch . Was jetzt ? Ich begehre zu wissen , warum man reist . Reist man vielleicht , um sich zu drücken ? Es hat keinen Nutzen . Denn , lieber Hans , willst du auch in einem neuen Lande und unter andersartigen Menschen endlich das gesunde Verhältnis zu deiner Umgebung finden , verlierst du dich doch von neuem . Nimmt einer Reißaus , um in fremde Länder zu gehen , und schlägt sein Zelt in einem weltverlassenen Dorfe im Djungle auf : gleich tritt die Aufgabe an ihn heran , sich eine Position zu schaffen . Er sieht sich der tanzenden Phalanx der Bürger gegenüber , den geschlossenen Kreisen , den Würden und Schönheiten und Schmuckstücken , mit einem Worte : der Pace . Überallhin trägt er seinen inneren Menschen mit , für den es keine Geographie gibt . Und exotischer denn eine brasilianische Wildnis ist die Straße im Verkehrszentrum einer großen Stadt . Ein freier und glücklicher Mensch weiß in sämtlichen Gesellschaften der Welt die Gleichgewichtslage inmitten der Konventionen einzunehmen , ohne sich und sie zu stören . Ein schofler Kerl mit einem niederträchtigen Gemüte wird sich überall belauert finden , annehmen , daß er kaltgestellt wurde und daß seine würdige Person nicht ins richtige Licht gerückt ist . - Nun mag es Seelen geben , die überall als Gäste auftreten , nirgends mit anpacken , sondern sich hofieren lassen . Sie sind von mächtigem persönlichen Zauber , ihre Erwartungen sind hochgespannt und gleichsam naschhaft ; kein Land wird wagen , sie zu enttäuschen , und ihnen die seltensten Impressionen bieten . Diese gastierende Truppe von Weltreisenden reist ohne Persönlichkeit . Menschen , die nie bei sich sind , finden überall das andere . Wer aber in sich daheim ist , sieht überrascht , wie der Djungle ihm dieselben ewigen Notwendigkeiten mit freigebiger Hand vorstreckt und nichts anderes zu vergeben zu haben scheint . Er ist der Abkömmling jenes nordischen Geschlechts , dem man eine Horde Löwen entgegenjagte - die erschlugen sie mit ihren Knütteln und glaubten , es wären blonde Hunde gewesen . Und immer wieder werden , wenn die alten , rassigen Kulturträger faul werden und das Leben nur mehr zu einem aufregenden Zirkusspiel gestalten , wenn die Lust der Beobachtung greisenhaft zu kindischen Anfängen zurückkehrt und der Jägerinstinkt zur Behaglichkeit des Varietézuschauers verderbt , diese alten Knüttel in unserem Blute lebendig . Das Leben ist ein solcher Löwe und das Geschlechtliche und die fremden Länder und alle die bissigen Dinge , die man uns jüngst noch vorgesetzt hat . Dann ist es Zeit , dann tritt einer unter uns auf und verkündet die » blonden Hunde « , wir treten den Gegenständen unserer Beobachtung ehrlich Aug ' in Auge gegenüber , stellen uns einer Wirklichkeit und schlagen die neuen Löwennamen hundetot . Gesetzt , in einer europäischen Gesellschaft würde das Thema angeschnitten . Was ist ' s mit den indianischen Djunglen , hoho , erzählen , erzählen ! - Meine Damen und Herren , es tut mir leid , daß ich Sie werde enttäuschen müssen . Mit den indianischen Djunglen ist es nämlich nichts . Es gibt sie kaum . Ich rate Ihnen zu irgendeinem Kohlenweiler , oder doch zu einem Kaffeehause . Man hat Ihnen die Tropen in einer falschen Tonung zur Kenntnis gebracht . Bilden Sie sich nicht ein , Sie könnten dort auf die Pantherjagd gehen ; dort erdrosselt man das Raubtier genau mit einer Kette von Treibern , und das kommt auch bei uns in den besten Familien vor . Die Gefahren werden aufgerieben , und unter dem südlichen Kreuze hausen Sie langweiliger als unter der elektrischen Birne Ihres Hotelzimmers . Würde ich von dem Djungleleben erzählen , seinen Sitten und Situationen , Sie würden mich in Verdacht bekommen , ich triebe Spaß und