saßen auf Bänken in der Sonne und blickten hinter uns drein und steckten die Köpfe zusammen . Wir schwiegen eine Weile und hingen unseren Gedanken nach . Wie war Angelina doch so vollständig anders , als sie bisher in meiner Einbildung gelebt hatte ! - Als sei sie erst heute für mich in die Gegenwart gerückt ! War das wirklich dieselbe Frau , die ich damals in der Domkirche getröstet hatte ? Ich konnte den Blick nicht wenden von ihrem halboffenen Mund . Sie sprach noch immer kein Wort . Schien im Geiste ein Bild zu sehen . Der Wagen bog über eine feuchte Wiese . Es roch nach erwachender Erde . » Wissen Sie , - - Frau - - ? « » Nennen Sie mich doch Angelina « , unterbrach sie mich leise . » Wissen Sie , Angelina , daß - daß ich heute die ganze Nacht von Ihnen geträumt habe ? « , stieß ich gepreßt hervor . Sie machte eine kleine rasche Bewegung , als wolle sie ihren Arm aus meinem ziehen , und sah mich groß an . » Merkwürdig ! Und ich von Ihnen ! - Und in diesem Moment habe ich dasselbe gedacht . « Wieder stockte das Gespräch , und beide errieten wir , daß wir auch dasselbe geträumt hatten . Ich fühlte es an dem Beben ihres Blutes . Ihr Arm zitterte kaum merklich an meiner Brust . Sie blickte krampfhaft von mir weg aus dem Wagen hinaus . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Langsam zog ich ihre Hand an meine Lippen , streifte den weißen , duftenden Handschuh zurück , hörte , wie ihr Atem heftig wurde , und preßte toll vor Liebe meine Zähne in ihren Handballen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Stunden später ging ich wie ein Trunkener durch den Abendnebel hinab der Stadt zu . Planlos wählte ich die Straßen und ging lange , ohne es zu wissen , im Kreise herum . Dann stand ich am Fluß über eisernes Geländer gebeugt und starrte hinab in die tosenden Wellen . Noch immer fühlte ich Angelinas Arme um meinen Nacken , sah das steinerne Becken des Springbrunnens , an dem wir schon einmal Abschied voneinander genommen vor vielen Jahren , vor mir , mit den faulenden Ulmenblättern darin , und sie wanderte wieder mit mir , wie soeben erst vor kurzem , den Kopf an meine Schulter gelehnt , stumm durch den frösteldnen , dämmrigen Park ihres Schlosses . Ich setzte mich auf eine Bank und zog den Hut tief ins Gesicht , um zu träumen . Die Wasser brausten über das Wehr und ihr Rauschen verschlang die letzten , aufmurrenden Geräusche der schlafengehenden Stadt . Wenn ich von Zeit zu Zeit meinen Mantel fester um mich zog und aufblickte , lag der Fluß in immer tieferen Schatten , bis er endlich , von der schweren Nacht erdrückt , schwarzgrau dahinströmte und der Gischt des Staudamms als weißer , blendender Streifen schräg hinüber zum andern Ufer lief . Mich schauderte bei dem Gedanken , wieder zurück zu müssen in mein trauriges Haus . Der Glanz eines kurzen Nachmittags hatte mich für immer zum Fremdling in meiner Wohnstätte gemacht . Eine Spanne von wenigen Wochen , vielleicht nur von Tagen , dann mußte das Glück vorüber sein - und nichts blieb davon als eine wehe , schöne Erinnerung . Und dann ? Dann war ich heimatlos hier und drüben , diesseits und jenseits des Flusses . Ich stand auf ! Wollte noch durch das Parkgitter einen Blick auf das Schloß werfen , hinter dessen Fenstern sie schlief , ehe ich in das finstere Ghetto ging . - - - Ich schlug die Richtung ein , aus der ich gekommen war , tappte mich durch den dichten Nebel an Häuserreihen entlang und über schlummernde Plätze , sah schwarze Monumente drohend auftauchen und einsame Schilderhäuser und die Schnörkel von Barockfassaden . Der matte Schimmer einer Laterne wuchs zu riesigen , phantastischen Ringen in verblichenen Regenbogenfarben aus dem Dunst heraus , wurde zum fahlgelben , stechenden Auge und zerging hinter mir in der Luft . Mein Fuß tastete breite , steinerne Stufenflächen , mit Kies bestreut . Wo war ich ? Ein Hohlweg , der steil aufwärts führt ? Glatte Gartenmauern links und rechts ? Die kahlen Äste eines Baumes hängen herüber . Sie kommen vom Himmel herunter : der Stamm verbirgt sich hinter der Nebelwand . - Ein paar morsche , dünne Zweige brechen krachend ab , wie mein Hut sie streift , und fallen an meinem Mantel hinab in den nebligen grauen Abgrund , der mir meine Füße verbirgt . Dann ein strahlender Punkt : ein einsames Licht in der Ferne - irgendwo - rätselhaft - zwischen Himmel und Erde . - - - Ich mußte fehlgegangen sein . Es konnte nur die » alte Schloßstiege « sein neben den Hängen der Fürstenbergschen Gärten - - - Dann lange Strecken lehmiger Erde . - Ein gepflasterter Weg . Ein massiger Schatten ragt hoch auf , den Kopf in einer schwarzen , steifen Zipfelmütze : » die Daliborka « = der Hungerturm , in dem Menschen einst verschmachteten , derweilen Könige unten im » Hirschgraben « das Wild hetzten . Ein schmales , gewundenes Gäßchen mit Schießscharten , ein Schneckengang , kaum breit genug , die Schultern durchzulassen - und ich stand vor einer Reihe von Häuschen , keines höher als ich . Wenn ich den Arm ausstreckte , konnte ich auf die Dächer greifen . Ich war in die » Goldmachergasse « geraten , wo