es grob zu schütten . Viele Tage währten diese ruhelos wechselnden Gewitter . Die Bäche traten über die Ufer , die Straßen wurden zu dickem Morast , um alle Berge und Wälder hingen die schweren Nebel . Während dieser nassen Tage wanderten zwischen Berchtesgaden und den armen Chorherren von Hall die protestierenden Pergamente hin und her . Mit jeder Antwort verschärfte sich die Tonart . In der nächtlichen Kapitelsitzung , bei der man zu Berchtesgaden die Entgegnung auf ein drohendes Schreiben des heiligen Zeno beriet , kam es trotz allem Ernste der Zeit zu einer großen Lustigkeit . Sie wurde verursacht durch ein Papier , das am dunklen Abend dem Propste mit einem stumpfen Bolzen in die Stube geflogen war . Hellsehende Augen hätten den Gram und Zorn eines zerbrochenen Menschenherzens aus diesem Brief herausgelesen ; doch auf die Gadnischen Chorherren , die ihn durch die Brille dieser üblen Tage lasen , wirkte er belustigend in seinem weitschweifigen Stil , der mit dem Schwulste hochtrabender Herrenworte überladen war . Ein Bauer - für den Gadnischen Hof ein dem Strang verfallener Meutrer und landflüchtiger Brandstifterkündete in diesem Brief seinem einstigen Lehensfürsten die Treu und sagte ihm Fehde an , wider Blut und Leben , wider Gut und Land . Der Brief war unterschrieben : » Runotter der Ramsauer , ehmals Richtmann der Gnotschaft in Treu und Redlichkeit , itzt , nach Gotteswillen Feind und Widerpart der Herren , so da Mißtreu und Unrecht heißen und so man vertilgen muß von der Welt . « Doch eines mußten die lachenden Herren zugeben : Der Bauer , der diesen drolligen Brief verfaßt hatte , konnte sich eines geschickten Botengängers rühmen . Dieser Bote hatte sich von irgendwo außer Lands bis an das Gadnische Stift geschlichen und war den Augen aller Wachen entronnen . Und ein guter Armbruster mußte das gewesen sein , der die um den stumpfen Bolzen gewickelte Epistel in der Abenddämmerung von der Straße außerhalb des Hirschgrabens durch die kleine Fensterluke der Fürstenstube zu schießen verstand . Der Fehdebrief des heiligen Peter wider den heiligen Zeno war geschrieben und lag , gesiegelt und in einer Blechkapsel verschlossen , zur Albsendung bereit . Nur besseres Wetter mußte abgewartete werden . Und um Zeit zu gewinnen und rüsten zu können , wechselte man hoch immer Pergamente mit gereiztem Inhalt , doch mit höflichen Anreden . Zum Schaden für Land und Leute machte die Arbeit des Friedens Feierabend , und die Arbeit für den Krieg begann . Herren ritten davon , um Geld zu borgen , wo es zu kriegen war . Söldlingswerber wurden mit zärtlichen Verheißungen nach vielen Orten gesandt . In den Korn- und Haferkammern wurde lärmend geschanzt . Die Backöfen und Selchereien rauchten durch Tag und Nacht . Die Schneider bekamen Schwielen an den Fingern , und ruhelos hämmerten die Hufschmiede , die Schwertfeger und die Wehrklempner . Mit liebevoller Sorgfalt behütete man die Annasusanne und erhielt sie bei geölten Rädern . Steinkugeln wurden gemeißelt und mit Blei umgossen . Sechs Karren sandte man nach Salzburg , um Pulver zu holen ; sie kamen nicht leer zurück ; doch sie brachten nur Salpeter und Schwefel ; der Salzburger sagte : Da es in den bayrischen Landen zwischen Herzog Ludwig und Herzog Heinrich bedenklich gäre , könne er aus Vorsicht seines trockenen Pulvers nicht entraten . In dieser Ausrede war ein Körnchen Wahrheit ; seit dem Konzil in Konstanz - auf welchem Herr Ludwig im Bart bei Beredung alter Händel den Vetter Heinrich von Landshut als Sohn eines Kochs beschimpft , und Herzog Heinrich diese Schmach in einem meuchlerischen Überfall mit sieben Schwertstreichen an seinem Vetter Ludwig gerächt hatte - , seit diesem heiligen Konzil zu Konstanz erschienen die Dinge zwischen Ingolstadt und Landshut sehr bedrohlich . Aber Salzburg hatte noch andere Gründe , sich in den Streit , der zwischen St. Peter und St. Zeno entbrannte , nicht hilfreich für den ersteren einzumischen . Jede Schwächung des Stiftes zu Berchtesgaden war für Salzburg eine Verheißung kommender Gelegenheiten , die sich nützen ließen . Und statt den Gadnischen Herren , die schon hoch in der Kreide standen , das , teure , fertige Pulver auf Borg zu geben , kreditierte man ihnen lieber den schlechten Salpeter und Schwefel , den der vorsichtige Salzburger Büchsenmeister nicht mehr zu vermahlen wagte . Also wurden zu Berchtesgaden , in sicherer Entfernung vom Stifte , flink drei Pulvermühlen errichtet und zu ihrer Bedienung in der aus allen Ländern zusammengewürfelten Knappschaft des Salzwerkes die Leute gewählt , die von solchen Dingen einige Kenntnis hatten . Gleich zu Beginn der Arbeit flog eine der drei Mühlen unter dumpfem Donnerschlag in die Luft . Dabei wurden zwei Knappen getötet . Der eine war ein Schwabe , der verblutend noch sagen , konnte : » I hab mer aber scho älleweil denkt , es wird emal pumpere ! « Der andre , der nimmer sprach weil er keinen Kopf mehr hatte , war Ulrich Eirimschmalz der Menzer . Sein früher Tod hatte zur Folge , daß man im Berchtesgadner Land für einige Jahrzehnte vom Tagdieb Henrichen Gänsfleisch zu Gutenberg kein Wort mehr hören sollte . Das grauenvolle Geböller hatte die Frommen im ganzen Lande abergläubisch gemacht . Sie versahen sich keiner guten Dinge von dieser Fehde wider den heiligen Zeno . Doch die Herren , da sie , mit wenigen Ausnahmen , nicht zu den Frommen zählten , blieben von solch törichtem Aberglauben unberührt und setzten feste Hoffnung auf ihre hundertachtundsechzig Söldner und wehrfähigen Holden , auf ihre guten Grenzschanzen , auf die acht alten und zwölf neugeschmiedeten Faustbüchsen , auf die liebe Annasusanne und auf die unanzweifelbare Tatsache , daß die Gadnischen im Rücken von der Salzburger Seite her Gefahr nick zu befürchten hatten . Auch beim Hallturm war nur eine kleine Scharmützelei , kein ernstlicher Angriff zu besorgen . Hier schob sich zwischen den heiligen Zeno und den heiligen Peter der Burgfrieden der bayrischen Feste Plaien als ein breiter Riegel herein . Und wie Herr Pienzenauer bereits erkundet