Tropfen fielen , warfen sie die Segel nieder und gingen hinunter , denn bei einem Gewitter an Deck sein , ist der gefährlichen Nähe der Masten wegen nicht gut . Sausend harfte der Wind auf den Wanten , prasselnd schlug der Regen auf das Deck , die Masten erdröhnten , der Ewer zitterte , die Lampe schwankte , die See kam allmählich in leise Bewegung . Geruhig saßen oder lagen die Seefischer unter Deck und horchten . Als das Gewitter halb vorüber war , zogen sie die Ölröcke an und setzten die Segel auf . Und im blauen Schein der letzten Blitze fierten sie die Kurre über Bord , denn nun hatten sie wieder Wind genug . * * * Ships that pass in the nigt ... Tiefdunkel , samtschwarz ist der Nachthimmel . Die Sterne funkeln um so heller um den Schleier der Milchstraße . Wie tanzt der Orion , wie blitzt die Wega , wie leuchten die Zwillinge , wie strahlt der Himmelswagen , wie gleißt der Aldebaran ! Die Weltwiese hat sich aufgetan , die gewaltige Wisch , die mit abertausend weißen und bunten Blumen bewachsen ist , und auf der Myriaden von Tautropfen glitzern . Die riesenhaften , schwarzen Segel des Fischerewers aber sind wie urgewaltige dunkle Kühe , die auf der großen Wiese in den Blumen grasen . Ruhig und bedächtig grasen sie , wie Kühe tun , und fressen sich langsam weiter . Klaus Störtebeker steht bei seinem Vater am Ruder . Gesprochen wird in solchen Nächten nicht viel . Eine Kühlung , eine leichte , westliche Brise , wandert über die See und gibt den Segeln die Kraft , die Kurre zu ziehen . Rot , grün und gelb spielen die Fischerlichter auf der Dünung . Die Kielfurche leuchtet , als ginge es durch Silber . Wo die Kurrleine ins Wasser taucht , ist sie wie ein diamantenbesetztes Zepter . Leise knarren die Gaffeln oben am Mast , und wie im Traum reißt der Klüver , der Jager , das kühnste aller Segel , an seiner Schote , über der Besan aber weht die dunkle Flagge im Nachtwinde . Seemann schläft im Nachthaus neben dem Kompaß , und Klaus Mewes geht nach Schifferart auf dem Achterdeck hin und her , die Hände in den Taschen , während Störtebeker das Ruder mit einem Tau regiert , denn Steuern hat er längst gelernt . Bei sturem Wind und bei Regen singt Klaus Mewes , wenn er allein an Deck ist , er singt auch bei Sonnenschein , aber in solcher Nacht singt er nicht : da fühlt er tief das geheime Leben und Weben seines Ewers , sein Wesen , seine Atemzüge , da haben alle Segel und Wanten , alle Bäume und Masten ihre eigene Sprache . Nächte , die gewesen sind , und Nächte , die noch kommen sollen , stehen vor seiner Seele , und dunkle Ahnungen beschleichen ihn , denn jeder Seefischer ist ein Hagen , der ins dunkle Heunenland hinunterzieht . Gedanken über Gedanken kommen ihm entgegen , wie der Wind in die Segel weht , die ihn weit hinaustragen aus der Sehnsucht nach Gesa , nach einem guten Streek und einem schönen Markt , die ihn Auge in Auge mit der Ewigkeit stellen . In solchen Nächten muß er Verklarung über sich selbst tun , der lachende Seefischer , und nicht lachend , sondern ernst beantwortet er seine eigenen Fragen , denn je höher dem Baum die Krone gewachsen ist , desto tiefer streckt sich seine Wurzel , - und Klaus Mewes ist ein solcher gewachsener Baum . Rund um sie herum stehen Lichter auf der See , rote , weiße , grüne , denn sie fischen zwischen Helgoland und dem Weserfeuerschiff , und auf diesen Gründen wimmelt es von Finkenwärdern und Blankenesern . Mitunter ist das Geklapper einer Winsch in der Weite zu hören , wenn sie irgendwo einziehen , mitunter schallen die Rufe zweier Fischer , die einander nahe gekommen sind , abgebrochen herüber . Dann kommen dunkle Segel an ihnen vorüber , und weil der Laertes wegen seiner Besansflagge leicht ausgemacht ist , so wird hüben und drüben gerufen . » Klaus , büst du dat ? « » Jo , Hinnik ! Wat fangt ji ? « » Ochott , is ne slimm : acht Stieg ! « » So . Jä , wi hebbt ok ne mihr hat . Hest all bald de Reis ? « » Morgen wöf utscheiden ! « » Uppe Wesser ist bannig slecht wesen , gor keen Schullen lostowardn , Klaus . « » So ! « Dann sind die Schiffe zu weit auseinander gekommen , als daß das Seegespräch fortgesetzt werden könnte , und Klaus Mewes geht wieder schweigend auf und ab . Einmal steht er hart an den Wanten und blickt starr in die Weite , als sähe er seines Großvaters Kuff im Norden untergehen , dann horcht er , als höre er seines Vaters Todesschrei aus der See heraus . Die ganze Nacht aber grasen die Segel ruhig und bedächtig in den Sternen . * * * Gesa rang in dieser Nacht mit schweren Träumen . Sie sah , wie ein Schiff sich mit haushohen Seen abriß , wie es leck wurde , und wie zuletzt eine große Woge ins Segel schlug und es umwarf , wie zwei Menschen in schwerem Seemannszeug in der See schwammen , sie hörte , wie sie um Hilfe riefen . Als sie ihnen in die Gesichter sah , schrie sie laut auf , denn es waren ihr Mann und ihr Junge . Da erwachte sie und weinte bis an den Morgen . Zwölfter Stremel . Am Deich jagten die Kinder den Schmetterlingen nach , den Kohlweißlingen , Füchsen und Pfauenaugen , wobei sie sangen : Schomoker , sett di annen greunen Diek , Schomoker , sett di annen greunen Diek . » U kiek , Klaus Störtebeker , de jümmer mit no See geiht ! « » Woneem ? «