Abschluß - sei es durch Erfüllung oder durch Entsagung , - zu geben vermocht . Das Verhältnis , dem ihr Kind entstammte , war nicht einer unbesieglichen Leidenschaft entsprungen ; ihrem heiter-klaren Wesen lag nichts ferner , als sich in einem » Rausch « zu » vergessen « . Die Ruhe , mit der sie das ihren Freunden bekannte , war ihnen beiden ein Neues . Gerade als sie Lores Geschichte erfuhr , grübelte Olga manchmal bis zur Selbstpeinigung über ihr Verhältnis zu Werner . Hier aber hatte ein Weib die Bestimmung seines fruchtbaren Leibes unter bedrohlichen Verhältnissen erfüllt , ohne im Gleichgewicht ihrer in sich selbst wurzelnden Natur erschüttert zu werden . » Ich habe jahrelang niemanden kennen gelernt « , erzählte sie den Geschwistern . » Niemanden , mit dem auch nur im mindesten eine andere als eine konventionelle Beziehung möglich gewesen wäre . Sollte man das wohl glauben ? Ist es nicht die landläufige Meinung aller Leute , Liebe , ja sogar Ehe , sei das selbstverständliche Geschick , das alle hübschen Mädchen erwarte ? - Und dabei lebte ich immer in Berlin « Ihr Vater war ein kleiner Kaufmann gewesen , nun tot . Die Mutter lebte bei einem älteren Bruder in Königsberg . Sie hatte der Tochter mit einem Teil ihrer Einrichtung ein eigenes Heim gründen helfen , - da nun , nach dem » Unglück « , an eine normale » Versorgung « nicht zu denken war . Das » Unglück « bestand darin , daß dem einsamen Mädchen , das schon im Hause der Eltern an der Schreibmaschine sein Brot verdiente , eines Tages ein Mann begegnete , der ein freundliches Gefühl für sie faßte . Es war ein Ingenieur , deutscher Abkunft , der seit Jahrzehnten in Amerika lebte . Zu kurzem Aufenthalt in Deutschland , suchte er eine Privatsekretärin und fand sie in Lore . Schon sein Äußeres gewann sie , mehr noch sein fröhliches Wesen . Von hohem Wuchs , mit dichtem , rötlichen Bartgestrüpp , klug , klar und ehrlich , - so trat er in ihr Leben . Daß der Mann sie begehrte und daß er vor dem Antrieb seiner Gefühle nicht » floh « , wie alle anderen , die sie kannte , - die , wenn nicht alles » stimmte « , keinen Glücksversuch mehr wagten , - das hatte Lore , die » Glücksjägerin « , als die sie sich selbst , wenig schonend , bezeichnete , mit einer starken , neuen Freude erfüllt . Mr. Shubert - wie er sich amerikanisiert nannte - war verheiratet , Vater dreier Kinder , und lebte in zufriedener Ehe . Seine Frau , eine Irin , war , nach seiner Erzählung , eine gute Genossin für ihn . Und obwohl Lore wußte , daß Mr. Shubert bald zu den Seinen zurückkehren werde und daß er ihr nichts weiter zu bieten hatte als eine freilich zärtliche Neigung , - ein Gefühl , das er selbst erotische Freundschaft nannte , - gab sie sich ihm . Als das Kind geboren wurde , war er weit fort . Sie waren in Korrespondenz geblieben , in die zuzeiten große Pausen eingestreut waren , die aber nicht abbrach und die freundschaftliche Herzlichkeit nicht verlor . Als er von ihrer Schwangerschaft und dann von der Geburt des Kindes erfuhr , war der Ton seiner Briefe noch wärmer und herzlicher geworden . Nun hatte er das bisher als Geheimnis gehütete deutsche Erlebnis auch seiner Frau anvertraut . Trotz des Schmerzes , der über sie , wie über jede natürlich empfindende Frau , bei dem Gedanken gekommen war , daß er eine andere begehrt , - in seiner Art geliebt - und besessen hatte , war diese Ehe nicht erschüttert . Denn dieser Mann mit seiner fröhlichen , tüchtigen und starken Art , das Leben zu bewältigen , der ihr nie eine Stunde des Unwillens bereitet hatte , - dieser Mann , das fühlte sie , hatte ihr durch die Hinneigung zu einer anderen Frau nichts genommen . Und um eine Geringe konnte er die immer gewahrte Treue nicht gebrochen haben . Ihn hatte Lores Art an seine Frau gemahnt . Und das Mädchen , das anfing zu verbittern , weil es keinem begegnete , der so aussah wie man sich gemeinhin einen » Mann « vorstellt , - sie hatte dem deutlich frohen Gefühl , das sie zu ihm zog , mit keiner Faser ihres bewußten Willens widerstrebt . - Er sorgte treulich für das Kind . Ein Mehr lehnte sie ab , da sie für sich selbst arbeiten konnte . Sie erzählte den Geschwistern an einem Abend , an dem sie in Olgas Heim zusammensaßen , dieses so seltsam scheinende und doch so schlichte Begebnis ihres Lebens . » Wie vielfältig ist alles Sollen , Wollen und Müssen in Fragen des Geschlechtsschicksals eines Menschen « , sagte Olga . » Wie kann man in feste Regeln zwängen wollen , was in unendlichen Formen immer wieder sich offenbart . « Stanislaus hatte mit glänzenden Augen , in tiefem Schweigen auf Lores Erzählung gehorcht . » Und nun ? Sind Sie froh ? « Er fragte es gespannt , mit verhaltenem Atem , als erwarte er eine Entscheidung . » Sie meinen mit dem Kind ? Wie sollte ich da nicht froh sein ? « » Das ist gut , das ist gut « , sagte er freudig und erfaßte unwillkürlich ihre Hand , die sie ihm , mit freundlichem Blick , überließ . » Denn es ist wirklich ein Gutes , ein unzweifelhaft Gutes aus Ihrem Erlebnis geworden , - da Sie es so ganz und heil überstanden haben ! Kennen Sie Ardinghello ? « fuhr er fort . » Das ist eine kostbare Geschichte von Heinse , einem Zeitgenossen Goethes ; da wird von einer ähnlichen - Verirrung etwas Rechtes gesagt . « Er trat ans Bücherbrett , fand das Buch und die Stelle , die er suchte , und las : » Und