Dann war ich auf der Burg Wasenstein und hörte das wundersame Harfen . Immer von neuem aber fuhr ich empor , wann das Geheul wieder losging . Doch der Morgen verscheuchte die Bestien , und als ich die Steine von der Öffnung tat , lachte im Sonnenscheine der Bergwald . Kaum hatten wir die Höhle verlassen , so scholl fern ein Ruf . Anfangs beunruhigt , vernahm ich , daß es der Oheim war , der meinen Namen rief . Ich antwortete , und der Oheim brachte den Bericht , die Luft sei rein , da unsere Verfolger sich hätten nach Hirschberg locken lassen . Wiewohl die geliebte Jungfer Thekla zugesagt hatte , mich bei sich zu behalten , kam es nun doch zu einer zeitweiligen Trennung . Barbara Agnes , des Herrn Schaffgotsch Gemahlin , an die sich Thekla brieflich um Beistand gewandt , schrieb , sie möge zu ihr auf das Kemnitzer Schloß kommen , obzwar daselbst nicht für die Dauer ein Asylum zu erwarten sei . Dorthin wandte sich nun Thekla , von bewaffneten Dienern der Schaffgotschin geleitet . Es war Thekla insonderheit darum zu tun , ihre Schwester Elisabeth ausfindig zu machen . Ich blieb beim Oheim - unter stetem Sehnen nach der geliebten Jungfer . Schon verfärbte sich das Birkenlaub , als ich folgenden Brief erhielt : » Wiewohl noch weiter in die Ferne verzogen , hoffe ich doch , in wenigen Wochen meinen treuen Johannem wiederzusehen , wofern er nämlich noch gesonnen , mir zur Schwester Elisabeth zu folgen . Diese Zeilen schreibe ich aus Dresden , wo ich im Hause einer böhmischen Emigrantin Zuflucht gefunden habe . Bei der Schaffgottschin mochte ich nicht länger bleiben , da ihr Mann Gefahr lief , dem Grafen Dohna und anderen Herren , die ihn feindselig umlauern , Anlaß zur Beschwerde bei Hofe zu geben , indem er der Tochter des Rebellen Schlick Unterschlupf verstatte . Übrigens ist die Schaffgotschin krank und wird wohl sterben . In Mannskleidern bin ich mit dem Kemnitzer Schloßhauptmann nach Dresden gereist , wo ich unter dem Namen Junker Jaroslaus bei der Wittfraue des edeln Herrn Selnicki lebe und für ihres Bruders Sohn gelte . Gestern nun ist Nachricht von meiner Schwester aus den Niederlanden eingetroffen . Ihr Mann , Dietrich Falkenberg , des Schwedenkönigs Gustavi Hofmarschall , gehet auf Befehl seines Herrn nach Magdeburg , und Elisabeth will ihn begleiten . Das Erzstift Magdeburg , mit dem Kaiser völlig zerfallen , hat ein Schutz- und Trutzbündnis mit König Gustavo geschlossen . Er kommet den Evangelischen in Teutschland zu Hülfe und soll ein schlagfertig Volk zusammenhaben . Unsere gute Sache wird siegen . Zwar tritt der ligistische Tilly den Schweden und Magdeburgern entgegen . Die kaiserische Armada aber muß zerfallen , da ihre Seele , Wallenstein , ausgetrieben ist . Diesen bisherigen Generalissimum hat der katholische Fürstentag zu Regensburg dem Kaiser verleidet . Auf daß nun der Kaiser nicht in neue Angst gerate und etwa gar am Wallenstein festhalte , hat man ihm die Schwedengefahr als eine Winzigkeit hingestellt . Wie die Botschaft anlangte , Gustavus werde einfallen , war die jagdlustige Majestät im Begriff , wieder einmal Dianen zu huldigen , und ließ sich nicht davon abbringen , indem sie achselzuckend sprach : Haben wir halt ein Feindel mehr ! - Oh du leichtsinniger Ferdinand , wirst das Feindel noch anders einschätzen lernen . Dem Helfer aus Mitternacht jubeln die Magdeburger zu . Mein Schwäher aber wird als oberster Kommandant Magdeburgs Verteidigung leiten . Da beut sich meinem Johanni Gelegenheit , seinem Vaterlande und dem evangelischen Glauben , zugleich auch Seiner Freundin gute Dienste zu leisten . Entscheide Er sich nun : Will Er mich nach Magdeburg bringen und ein Soldat Falkenbergs werden ? Voller Hoffnung harre ich des Bescheides . Sollte Er ihn in eigener Person bringen , so wird Ihn froh willkommen heißen Seine Ihm gewogene Thekla . « Mit Jubel erfüllte mich dies Schreiben , und ich eröffnete dem Oheim , daß ich unverzüglich nach Dresden und dann nach Magdeburg reisen wolle , meine Vaterstadt gen die Papisten zu verteidigen . Des Oheims trübselige Einrede und Beatens Zähren änderten nichts an meinem Entschlusse . Nachdem ich von Preislers Abschied genommen , holte ich aus ihrem Stalle das in Böhmen gekaufte Pferd . Vom Gelde , das mir die Jungfer Gräfin eingehändigt , ließ ich einen Teil beim Oheim , auch die drei gekreuzten Dukaten , so ich als Andenken an meine seligen Eltern bisher im Wamse getragen . Nebst meinem Tiere reisefertig , auch mit Waffen und Zehrung versehen , gab ich in der Morgenfrühe meinen Lieben Umarmung und Valet und ritt übers Isergebirge . Andern Tages gings durch die Lausitz , und schon am dritten Abende langete ich zu Dresden an , stellte mein Pferde in einem Gasthause ein und suchte klopfenden Herzens die Wohnung der Frau von Selnicki . In seltsamer Verwirrung begrüßte ich die Jungfer Gräfin , die in männlichem Gewande , mit kurzgeschnittenen Locken einem schönen Knaben ähnlich war . Da ich zärtlich ihre Hand küßte , lächelte sie : » Ich bin jetzo der Junker Jaroslaus . « Unverzüglich wollten wir nach Magdeburg reisen , weil es von Tag zu Tag schwerer ward , in die von kaiserischen Völkern umschwärmte Stadt hineinzugelangen . Da Thekla alles zugerüstet hatte , so brachen wir gleich den nächsten Morgen auf , begleitet von den Segenswünschen der edeln Frau Selnicki . Wir kamen noch vor Abend bis Meißen und andern Tages nach einem zehnstündigen Ritte ins Brandenburgische . Zu Wittenberg fanden wir einen schwedischen Feldwaibel mit dem Anwerben von Söldnern für Magdeburg beschäftigt . Obwohl der Kurfürst Fremden keine Musterung in seinem Lande verstattete , konnten die schwedischen Werber ihres Amtes walten , weil Bürger und Bauern die Magdeburgische Sache begünstigten . » Vom Kaiser und der Liga « - so sagten sie - » ist nur Schlimmes zu gewärtigen . König Gustavus hingegen rettet vielleicht den evangelischen Glauben und unsern Kurfürsten dazu , zumal er ihm