, ewig neu aufgeweckt , und ewig ihn neu stöhnen machend und stöhnen , und sich nicht finden können , weder zu sich , noch zu dem , was ihn sonst im Leben in Ordnung umgeben hatte . Einhart war dann , als der Morgen kam , in seiner Zigeunertracht , wie er war , an der kalten Erde tiefverzehrten Blickes eingeschlafen . 16 In Einharts Leben war damit etwas verklungen , jäh und schaurig , und hatte ihn ganz verhärmt und stumm und scheu zurückgelassen . Es war eine Zeit , in der er sich kaum anders noch blicken ließ , als daß er ungesehen in einer kleinen Spelunke saß , wo Arbeitsleute aßen und weder Künstler , noch Menschen der guten Gesellschaft ihn ansprechen konnten . Frau Rehorst hatte zwischen Tod und Leben Tage und Wochen hingebracht . Man hatte völlig eine Weile verzweifelt , daß man sie könnte zurückgewinnen . Die schöne , stille Frau , die sie gewesen , war in weißen Spitzenkissen eingebettet , von Visionen und Verängstigungen geplagt , in wilden Fieberträumen hingejagt . Und hatte ein Leben von Tagen wie in Hölle und Fegefeuer gelebt . Um dann in das Nichts unergründlicher Erschöpfung eine Weile einzusinken , aus dem sie mit ebensolcher Flugkraft wieder in die Abgründe ihrer sinnlosen Peinigungen hinflog . Endlich erschienen Anzeichen der Besserung . Und man kam an einem Tage zu der bestimmten Hoffnung , daß Frau Rehorst die schwere Krankheit doch überstehen würde . Einhart war zu Herrn Rehorst hingegangen und hatte es aus seinem Munde selber gehört , der es in einem heimlichen Beben und Zittern der Freude ausgesprochen . » Sie wird uns wiedergegeben , « hatte Herr Rehorst nur gesagt und war dann verstummt , und war leise zurückgegangen , wie Einhart ebenfalls zum Gehen sich anschickte . » Sie wird uns wiedergegeben , « das begriff Einhart gar nicht . Er wußte es ja wohl , ohne es sich vorzuhalten , daß das wirklich eine Wahrheit war . Aber seinem Gemüte war es ein tiefes Rätsel . Er konnte nicht einmal darüber sinnen , weil er merkte , daß er dann ins Grenzenlose und ganz Unhaltbare fortgetrieben wurde . So lief er nur in Halbgedanken , von denen er keine Aengste und Enttäuschung zu befürchten brauchte , und malte und zeichnete dann daheim , so gut er eben konnte in der dunklen Trauer seiner Seele , als Vorhang um Vorhang sich um die Gefilde einer erlebten Traumseligkeit zog , und die einsame , schöne Insel Liebe in Tiefdunkel und Gram immer tiefer einsank . Einhart kannte das Menschengemüt . Es gibt Kinder und Junge , die Weise sind . Das Blut ist von lange her und fließt wie ein ewiger , roter Strom mit allen Geheimnissen und ihrem Sinn beladen durch die Lebensgefilde . Es braucht nicht erst von Auge und Ohr ins Blut . Das Blut enthüllt es aus der Tiefe hinaus ins Leben . So werden allein auch Weisheitsbringer und Schönheitsbringer , wenn sie aus der Ewigkeit jenes roten Stromes schöpfen , und die dunklen Blumen des Schicksals brechen , die an dessen Ufern blühen . Einhart wußte , was jener Schrei der Frau Rehorst gewesen , ein Hilferuf der armen Seele , die , aus ihrem engen Käfig vertrieben , nun in der grenzenlosen Oede und Wildnis der Seele sich nicht mehr ausfand . Er wußte , daß die großen Dämonen jetzt gewichen . Daß der sanfte Vatergeist sie wie eine weiße , verflogene Taube in seine warme Hand nun gebettet . Und daß , wenn sie aus den Fieberschrecken des Leidenschaftenkampfes genesen sich wiederfinden und sich mit ihrem eigenen Namen neu nennen würde , ihre Augen schamhaft lächeln würden über die verhallten Lärmschrecken der Seele . Sie sich erkennen würde mit sanfter , allzu schwacher Gebärde nur geborgen in ihren Kissen , von Liebe und kindlichen , gestillten Sehnsuchten umgeben , und nichts mehr wissen würde , als nur wie ein fernes , fremdes Geläut , dessen Melodie das Herz vergeblich sucht noch zu finden , und das einmal wie eine Freiheit und eine Erlösung geklungen . Einhart gewann Kraft in solchen Versunkenheiten . Daß er im Leide allmählich zu schaffen vermochte , das war sein Glück . Er tat allerhand Arbeit in Skizzen und Malweisen . Sein Atelier gewann ein buntes Aussehen . Er ließ niemand ein . Er war mit seinen Gesichten allein , die immer mehr leibhaftig wurden . Das hielt ihn immer neu aufrecht , wenn die Anfechtungen der Sehnsucht in ihm aufschrien . Daß er schließlich vor dem entstehenden Bilderwerk zu lächeln vermochte . Und ihn nur manchmal noch der Gedanke hin und her peinigte , wann er wohl endlich einmal das Glück haben würde , Frau Rehorst wieder zu sehen ? Denn ihr malte er jetzt in diesen Frühlingsmonaten , wo er wußte , daß sie genas . Ihr - auch wenn sie hingestorben wäre , hätte er es getan . Ihr , auch wenn sie ihn nicht erkennen würde jetzt - wenn sie ihn nur ansehen sollte , rein und unschuldig geworden wieder , wie ein schöner Engel , und von allen Dämonen rein geworden durch ihre schwere Zeit . Aber allen diesen Gefühlen kam dann auch an einem schönen , warmen , blütenduftigen Frühlingstage eine letzte Erlösung . Einhart war gerade im Begriff gewesen , in Herrn Rehorsts Vorhalle zu fragen . Da übergab man ihm einen Brief , der mit feinen , zärtlichen Zeichen geschrieben war . Frau Rehorst war jetzt zum ersten Male im Lichte des Tages und in den Duft des Flieders hingebettet gewesen . Da hatte sie den Brief geschrieben . Eine einzige Träne war still aus ihrem Auge geronnen - und ganz sanft schrieb sie dann , wie wenn sie Dinge und Ereignisse nicht mehr einstweilen fühlen könnte , nur noch ahnen : » Mein lieber Einhart ! Genesen ! Ja ... ! Es war eine unsägliche Zeit . Eine unsäglich-unbegreifliche Leidenszeit ! Aber der Hall im