noch so tief und schön , und sage es in Reimen , das , was du schreibst , ist dennoch kein Gedicht . Der wahre Dichter denkt und schreibt zwar auch , doch was er schreibt ist Wirklichkeit und Leben , ist niemals nur Erdachtes . Dem Einen fehlt das Selbsterleben des Andern . Der Eine hat Geist , der Andere aber ist Geist . Und dieser Geist kennt jene Grenze nicht , von der du sprachst . Ihm sind die Tore anderer Welten offen . Er geht da aus und ein . Ist er zurückgekehrt , um zu berichten , so kann er das nur in der Sprache tun , die man hier in der Körperwelt versteht . Und dieses Uebersetzen ist nicht leicht ; man lernt es nur durch Mühe und Entsagung . Ich kenne keinen einzigen , der hierin Meister wurde ; sie alle blieben bei dem Lehrling stehen . Auch ist dies Uebersetzen undankbar ; ich meine undankbar im engsten Erdensinne . Wer Geistesleben übertragen will , der findet hier bei uns nicht eine einz ' ge Form und keinerlei Begriff für das , was er uns gibt . Er hat sich mit der irdischen Gestalt und mit dem Menschenworte zu begnügen , die aber völlig unzureichend sind für seinen Zweck . Er kann nicht deutlich sagen , was er zu sagen hat , und uns nicht offen zeigen , was wir doch sehen sollen . Und wir , wir stehn dabei , mit vollen Körpersinnen und doch fast blind und taub für seine ganze Mühe . Der Ernste zwar , der logisch denkt und groß und rein empfindet , wird sehr bald ahnen , daß es um Unbeschreibliches , um Heiliges sich handelt , und darum sich befleißigen , sein Auge und sein Ohr dafür zu schärfen . An diesem Fleiße wächst sodann sein eigner Geist empor und lernt den andern nach und nach begreifen . « » So ungefähr , wie ich zu wachsen habe , « fiel da der Ustad ein . » Wer aber nicht so lauteren Herzens ist , « fuhr ich fort , » und trift ' ge Gründe hat , den reinen Geist zu hassen , der stürzt sich wütend auf das arme Wort und auf die unwillkommene Gestalt und gibt sich Mühe , beide zu vernichten . Gelingt ihm dies , so prahlt er laut , den Geist besiegt zu haben , und wird von seinesgleichen hoch auf den Schild gehoben . Gelingt es aber nicht , so wirft er um die Blöße , die er sich gab , den Mantel frechen Spottes und greift anstatt des Geistes nun auch den Menschen an , um nichts an ihm zu lassen , was ihn zum Menschen machte . Welch ein Jubel nun für alle , die ebenso niedrig denken wie er ! Sie fallen mit derselben Gier über den Verhaßten her . Er wird verhöhnt , geächtet , ausgestoßen , und wehe ihm , wenn er nichts Andres wäre als eben nur der Mensch , der an dem Pranger steht ! Weißt du nun , Ustad , wie undankbar , ja wie gewagt es ist , mit der Geisterhand schreiben zu wollen ? Der Spott würde sich sofort deiner bemächtigen . Die raffinierte , rücksichtslose Lüge würde an dich herantreten , um den erhabenen Begriff , welcher dir bei dem Worte Geist vorschwebt , zu fälschen und in Gespenst zu verwandeln . Man würde höhnisch behaupten , du meinest nicht das Reich der Geister , welche große , edle Menschen sind , sondern das Geisterreich , von dessen Vorhandensein nur der Aberglaube faselt . Und selbst wenn du nicht mit Menschen- sondern mit Engelzungen sprächest , die Unvernunft würde dich nicht verstehen können und die Feindschaft dich nicht begreifen wollen , sondern dir alle möglichen Eigenschaften und Absichten unterschieben , aber ja nur keine guten ! « » Aber die Vernünftigen , Effendi ? « » Sie können dir keine Hilfe gewähren , denn sie sind machtlos , dem Heere der Andern gegenüber . Du kannst dich nur auf dich selbst verlassen . Du hast alleinzustehen , ganz , ganz allein , in allertiefster Seeleneinsamkeit , fest , stark , unerschütterlich - - - vollständig gleichgültig gegen jeden Schmutz , mit dem man nach dir wirft , gegen jede Niedertracht und Tücke , die aus vollen Nüstern dir entgegenschnaubt . Selbst die , welche an dir hangen , verstehen dich meist falsch , denn es erfordert Gedankenewigkeiten , bevor sie lernen , durch das Wort und die Gestalt hindurch den Sinn , den Geist , die Seele zu erfassen . Also auch sie stehen nicht bei dir , an deiner Seite . Aber grad diese Einsamkeit , diese Verlassenheit ist es , die dir den allerbesten , den einzigen Schutz gewährt . Bist du stark genug , dich zu dieser Entsagung zu bekennen , so gewinnst du sie lieb , unendlich lieb . Dein Ohr hört weder Lob noch Tadel mehr , und alles , was sich gegen dich aufbäumt , muß ohnmächtig in sich selbst zusammenfallen . « » Ich begreife dich und begreife dich doch nicht , « gestand er ein . » Auch ich habe entsagt , dann aber doch wenigstens meine Dschamikun gefunden . Die Einsamkeit , von der du sprichst , ist mir beinahe undenklich . « » So schreibe , wie du ja wolltest , mit deiner Geisterhand ; dann wirst du sie sofort kennen lernen ! Versuche es , deinen Lesern ins Körperliche zu übersetzen , was Geist , was Seele ist , du wirst die Folgen so schnell an dir verspüren , daß es dir grauen möchte ! Zeige ihnen einmal ein volles Menschen-Ich , von dessen Wesen sie trotz aller Psychologie noch keine Ahnung haben . Zerlege es vor ihren Augen in deutliche Gestalten , von denen du glaubst , daß sie sofort verstanden werden müssen - - was wird die Folge sein ? Man sieht das nicht , was