s , Frau ! Willst du mich nit ? Hast keine Hand ? keinen Gruß ? Die Freude war zu groß , gelt Séfine ? Nun , mir ist ' s eins ! Nit so viel frag ich nach euch ! Tag und Nacht , jede Stunde , jede Minute hab ich gebetet , hab ich gebetet : Wiedersehen , ach , nur ' s Wiedersehen erleben , und dann - was danach kommt - Schweigen . Nun steht man da , nun sieht man sich und - « Er machte ein paar taumelnde Schritte gegen die Tür zu , er ächzte wie ein Greis . » Von Pharisäern verklagt , von Pharisäern verurteilt , von Pharisäern gerichtet , von dem - eigenen - eigenen - einzig - und - unerschütterlich - geliebten - verzweiflungsvoll - geliebten - eigenen - Weibe verstoßen - « Er knickte zusammen und sank mit der Stirn gegen die Wand . » Wohin ! wohin ! « schluchzte er , » keine Hand , keinen Gruß ! Gott , erbarm dich meiner ! « Josefine trat endlich zu ihm . Ihre Hand zitterte , ihr Atem stockte , ihre Stimme war kalt , aber sanft . » Du sollst alles haben , Georges . Vater hat vor kurzem Wein geschickt . In einer halben Stunde ist ein Nachtessen bereit . Wirst auch gut schlafen nach der Anstrengung , wirst dich erholen . Die Worte alle sind nicht nötig - du weißt wohl , wer ich bin . « Er wandte sich um , seine nassen Augen enthüllend , sein Mund zuckte unaufhörlich . » So wahr mir Gott helfe , ich werde jetzt in der Tugend leben ! « sagte er kläglich , » ich habe Gnade gefunden , meine Seele ist erweckt . Die Morgenröte ist da ! Wir werden glücklich sein , Séfine . « Sein Gesicht wurde wie ein Tuch , die Nase scharf und spitz - er fiel in Ohnmacht und lag eine Stunde lang besinnungslos . Laure Anaise half Josefine den Ohnmächtigen auf Hermanns Bett legen . Er war so leicht , daß beide erschraken , als sie ihn aufhoben . Die feinknochige , weichliche Gestalt knickte zusammen unter ihren Händen . Das schöne Mädchen blickte widerwillig auf den Hingestreckten , schüttelte den Kopf und küßte Josefine traurig auf die Backe . » Ja ... aber , « begann sie . Josefine winkte ihr zu schweigen . » Sieh , wie krank er ist , « sagte sie mit mahnender Stimme . Sprach sie zu jener ? Mahnte sie sich selbst ? Ihr gefrorenes Blut begann aufzutauen , ihre Backen färbten sich , der kalte Glanz der Augen trübte sich : langsam pochte das Erbarmen . » Halte seine Hände hoch ! Das Kopfpolster fort und unter die Füße ! « Sie rieb den Todblassen , brachte Äther herbei , tat alles , was in solchem Falle als zweckmäßig erkannt worden . Anfangs war sie nur Arzt . Allmählich kehrte ihre Seele zu ihr zurück . Sie brachte es über sich , ihn anzusehen ; sie vermochte es , seine feuchtkalte Stirn zu streicheln . Schweige ! schweige noch ! flehte ihre Seele ; hättest du geschwiegen - ich wäre nicht so gewesen . Und mitten in ihren Bemühungen , ihn ins Bewußtsein zurückzurufen , wünschte sie , diese Bemühungen hinauszuschieben , um ihn beklagen und bemitleiden zu können , um ihn nicht hassen zu müssen . Wenn er nicht spricht , so reden diese eingesunkenen Schläfen , diese blutlosen Ohren , diese wächsernen Lippen , dieser abgemagerte , in langer Haft verbrauchte Körper eine unwiderstehliche Sprache , fühlte sie , und sie konnte dieser Sprache horchen und wissen , daß sie ein Mensch war . Wenn er sprach - - Wer ist dies ? hatte sie die ganze Zeit gedacht . Was geht mich dieser an ? Was hab ich mit dir zu schaffen , Fremder du ? Und ein Widerwille , ein Ekel , den sie nicht bemeistern konnte , hatte sie gepackt . Wenn er tot zu meinen Füßen läge - ich würde es nicht fühlen , hatte sie gedacht , ganz betäubt von Entsetzen . Und eine Sekunde später hatte er dort gelegen zu ihren Füßen , nicht tot , aber todähnlich , und ihre Menschlichkeit war wiedergefunden . Während sie sich um ihn bemühte , wurde er unter ihren Händen allmählich wieder der Leidende , der Vergewaltigte ; - mit einem ernsten mütterlichen Lächeln begrüßte sie sein erstes Augenaufschlagen , duldete seine bebenden Hände auf den ihren , empfing sein fassungsloses Schluchzen an ihrer Brust . Und auch über den Unglücklichen kam eine sonderbare Regung . Er schwieg und weinte nur . Schwieg , als wolle er sich ihr ins Herz hinein schweigen . Weinte , als wolle er sich ihr ins Herz hinein weinen . Was Josefine noch einen Augenblick vorher für unmöglich gehalten - es war geschehen : in Schweigen und Tränen hatten sie etwas von Gemeinsamkeit zurückgewonnen , und in der Frau war der ganze starke Beschützertrieb erwacht , als sie nun auf den Kläglichen , Gebrandmarkten in ihrem Arm niedersah . Ihr wurde warm , die Augen verklärten sich , eine Art Verzückung spiegelte sich auf ihren Zügen wie in jenem Augenblick , als sie ihrem Vater so neu , so fremdartig erschienen war . Der jammervolle Mann betrachtete sie mit offenem Munde , scheu , angstvoll , in sich zusammensinkend . Er zog seinen Kopf aus ihrem Arm und stöhnte : » Never ! never ! never ! never ! never ! « Die Frau aber , noch ganz ihrem Beschützerimpulse hingegeben , verstand seinen Verzweiflungsruf nicht , sie lächelte dazu . Lächelte wie eine Mutter einem kranken Kinde lächelt , ernst , sanft und überlegen . » Du wirst gesund werden , « sagte sie tröstend , flüchtig seine feuchte , eckige Stirn küssend und ruhig die Hände wegdrängend , die sich nach ihr ausstreckten . » Wenn du