alten Zauberstaub und berührte mit ihm . meine Stirn ; die Spitze des Stabes war kalt und prickelnd . Ein langes Summen ging durch die Luft , als kämen tausend Bienen an . Und dann ward Alles hellblau vor meinen Augen . Und aus dem Hellblauen schritt in goldener Rüstung ein schlanker Ritter heraus , kam auf mich zu , öffnete sein Visir und sprach : » Die Güter der Erde ruhen zu Deinen Füßen . Erhebe Dich und streichle , was Du da siehst . « Ich erhob mich und sah , daß ich auf einem hohen Felsen gelegen hatte . Unter mir in den Abgründen rings umher krochen wilde Drachen herum . Und ich wollte meine Hand ausstrecken , um die Tiere zu streicheln ; aber das ging nicht ; sie waren zu tief unter mir . » Warum streichelst Du die guten Tiere nicht ? « fragte der Ritter . » Ich kann nicht ! « gab ich zurück . » So blick mich an ! « rief der Ritter heftig aus . Durch seine Rüstung quollen seine dunkelblauen Adern durch , seine Augen brannten wie Rubine . Und die dunkelblauen Adern wurden immer dicker , daß ich glaubte , sie müßten gleich platzen . Und die Muskeln des ganzen Körpers zerbogen die goldene Rüstung , daß sie klirrte . Eine krampfhafte Erregung packte mich ; ich hörte , wie meine Zähne knirschten . » Jetzt blick runter ! « rief mir der Ritter rauh zu . Ich tat ' s - und die Drachen waren mir ganz nahe . Ich streichelte sie , und Alles erglühte in mir , daß ich einen Schrei der Wonne ausstieß . Ich streichelte in den Drachen die Güter der Erde . Die Drachen schlugen mit den langen Schwänzen um sich und waren ganz zahm . Die Geschichte wurde von Herrn Lapapi scharf kritisiert . » Man sehe , « sagte er zum Schluß , » die Wellen des Meeres an - sie sind jeden Tag anders - und immer wieder anders - wie die Schachpartieen , die auf der Erde gespielt werden , auch immer wieder anders sind . Und so sind auch die Güter der Erde immer wieder anders - und wir dürfen nicht denken , daß wir mal eines schönen Tages alles Gute und Schöne gemütlich zu unsern Füßen sehen werden . Das wäre ja das Ende vom Liede . Wenn wir auch öfters das Vergnügen haben , uns einzubilden , daß wir viel - sehr viel - erreicht haben - Alles werden wir nie haben - und es ist gut , daß es so ist . Daß wir immer wieder nach einem neuen Ziel jagen - das sollte uns doch beweisen , daß die Welt unendlich reich ist . Und trotzdem hat es Leute gegeben , die von dieser letzterwähnten Tatsache auf die Armut der Welt schließen wollten ! O , es gibt so unendlich viele Komödien ! Demnach - immer mutig , liebes Onkelchen ! « Und dann sprachen wir vom Abschiednehmen , und dabei las der Lapapi dieses hier : Die Türklinke » Franz , mach ' die Laden zu ! « sagte der alte Tischler Dömpke . Und Franz ging heraus und tat das . Der Wind heulte durchs Dorf , in der Küche hustete die alte Marie , und die Laden gingen klappernd draußen zu . Franz kam wieder in die warme Stube und sagte : » Die Türklink ' ist draußen kaputt . « Der alte Tischler brummte was - Franz ging wieder fort und legte sich schlafen . Die alte Marie tat das auch . Und der alte Tischler saß nun wieder ganz allein in der warmen Stube - ganz allein . Der Wind heulte durchs Dorf . Der Tisch stand dicht am Ofen , und die Lampe auf dem Tisch brannte trübe . Der Alte hatte in einem Reisebuch gelesen - von Afrika , wilden Tieren und vielen vielen Schwarzen , die immer grinsten und um ein großes Feuer herumsprangen . Dabei hatte er immer an seine Knabenjahre denken müssen - als Knabe wollte er Missionar werden - es war aber anders gekommen . Jetzt saß der alte Tischler träumend da , nahm die Brille ab und legte sie auf ' s Buch , dachte an lange vergangene Zeiten und an die Türklinke . Da hörte er ' s draußen im Flur knarren - es flüsterte was - und dann ging die Stubentüre auf . Und herein trat ein Matrose mit einer Handharmonika unterm Arm . Der Matrose setzte sich dem alten Tischler gegenüber auf einen Schemel , steckte sich eine Kalkpfeife an und spielte ein bißchen auf der Handharmonika . Als der Matrose zu spielen aufhörte , da ihm die Pfeife ausging , frug der Alte heiser : » Wer bist Du ? « Der Matrose lächelte und sprach : » Das mußt Du doch wissen . Wir kannten uns doch - so vor vierzig Jahren - nicht wahr ? « Und nun sahen sich die Beiden lange an . Und der alte Dömpke nickte - jeder Zug stimmte - so sah er - der alte Dömpke - vor vierzig Jahren aus . Und ihm wurde so merkwürdig still zu Mute . Er hatte immer gewünscht , sich noch einmal so zu sehen , wie er einst war , als er noch zu den Jungen gehörte . Matrose war er allerdings nie gewesen - aber so wie der da vor ihm - so sah er aus - mit der Kalkpfeife und der Handharmonika . » Willst Du , « fragte der Alte , » etwas trinken ? « » Ich hab ' s bei mir ! « erwiderte der Junge , und dabei zog er eine Flasche Rum aus der Tasche . Sie tranken , und dann sprach der junge Matrose - mit stiller leiser Stimme : » Ich bin der Mensch , der Du einst warst , bin der junge Dömpke - frisch und lustig ! Ich fürchte