können , als dieser Mann es mit diesen Worten that . Halef traute den Dinarun , ich aber nicht . Das brachte mich in einen zunächst zwar nur innern Zwiespalt mit ihm , der uns aber äußerlich gefährlich werden konnte . Hatte doch Halef mir schon da oben im Lager Widerstand geleistet ! Ich mußte wünschen , daß sein Vertrauen zu diesen Leuten ihn nicht wieder zu einem solchen Fehler verleite . Wirklich erschüttert aber mußte es nicht von mir , sondern von ihnen selbst werden . Da kam Nafar Ben Schuri mit seinem Worte » hilflos « mir zur rechten Zeit zur rechten » Hilfe « . Dieses Wort wirkte auf meinen kleinen Hadschi wie ein feindlicher Pistolenschuß . Er ritt zu dem Scheik hin , blieb hart vor ihm halten und fuhr ihn zornig an : » Wer wird hilflos sein ? Wer wird hungern ? Und wer wird dürsten ? Warum besteht ihr darauf , daß wir mit euch reiten , wenn ihr uns für junge Schakals haltet , die sich den eigenen Schwanz abfressen , wenn nicht die Mutter ihren Hunger stillt ? Hast du jemals gehört , daß Hadschi Halef Omar , der Scheik der Haddedihn , sich nicht zu helfen gewußt habe ? Hältst du uns für kleine Buben , denen du auf ihre Fragen mit der Beleidigung des Schweigens antworten darfst ? Meinst du , daß wir nur dir zuliebe unsere Gewehre mühsam nach dem Thale des Sackes schleppen , um von dir dann einen Wasserschluck und eine Dattel zu erhalten , damit wir nicht vor Durst und Hunger uns in die Brühe faulender Gurken verwandeln ? Denkst du , wir lesen dir die schwere Sprache der Fährten zu dem Zwecke vor , von dir zu erfahren , daß sie unnütz sei ? Ob dieses Land uns bekannt oder unbekannt ist , das ist uns völlig gleich . Jeder Schuß aus unsern Gewehren wird uns Nahrung bringen , und jeder Busch oder Strauch hat uns zu sagen , wo wir Wasser finden werden ! Du hast uns hilflos genannt . Schau dich an ! Weißt du , als was ich dich jetzt vor mir krumm im Sattel sitzen sehe ? Als den niedergeschmetterten Scheik der Dinarun , dem jetzt , in diesem Augenblicke , um nichts als nur um unsere Hilfe bange ist ! Ich habe gesprochen ! « Er wendete sein Pferd um und kam wieder her zu mir . Der Scheik antwortete nicht sogleich . Daß er zornig sei , war ihm wohl anzusehen , doch gebot ihm die Klugheit , sich zu beherrschen . Seine Leute sprachen leise auf ihn ein . » Hast du jemals so etwas gehört , Sihdi ? « fragte Halef mit unterdrückter Stimme . » Hilflose Menschen sollen wir sein ! Mit solchen Freunden hat man freilich nur mit der nötigen Vorsicht umzugehen ! Wenn mich ein Freund beleidigt , so ist das schlimmer , als wenn ein Feind es thut ! Ich werde mich in Zukunft nicht nach meinem Herzen , sondern nach deinem Verstande richten ! « Da kam Nafar näher und wendete sich an mich : » Sihdi , ich konnte nicht ahnen , daß euch mein Schweigen beleidigen werde . Ich bin Moslem und rede also nicht gern von dem , der ein Feind des Propheten ist . Ich habe nicht daran gedacht , daß du ein Christ bist . Willst du mir verzeihen ? « Ich nickte nur . Da fuhr er fort : » Hast du noch den Wunsch , etwas über den Mann zu hören , den sie den Ustad nennen ? « » Natürlich ! « » Er ist ein Dschamiki , wurde aber nicht bei den Dschamikun geboren . Sie waren arme Teufel , doch treue Anhänger des Propheten , als er aus einer fernen Gegend zu ihnen kam . Er unterrichtete sie in der Weisheit und Fertigkeit der Abgefallenen . Sie wurden durch ihn wohlhabend , viele sogar reich , haben sich aber aus freien Nomaden in unfreie Sklaven der Arbeit verwandelt . Sie züchten Vieh ; sie bebauen Aecker , und sie besitzen Gärten , in welche sie Bäume pflanzen . Pfui ! « » Und dennoch sind sie Räuber , die euch eure Herden gestohlen und die Wächter ermordet haben ? « warf ich ein . » Ja , das sind sie freilich auch ! Der Abfall vom Propheten treibt stets zu Raub und Mord ! « » Meinst du ? « » Ja . Das darf dich nicht beleidigen , denn du bist ja nie ein Moslem gewesen und also kein Abgefallener . « » Sind die Dschamikun Christen ? « » Das weiß ich nicht . Ich weiß nur , daß sie von Muhammed abgewichen sind . « » Wie nennen sie sich ? « » Nur Dschamikun . Ihrer Religion geben sie keinen Namen . Der Ustad ist ein alter , alter Mann , aber mit tiefschwarzen Haaren . Man sagt , er sei mehrere hundert Jahre alt . Ja , einige meinen sogar , daß er nie geboren worden sei und niemals sterben werde . Das ist gewiß nur Aberglaube . Aber Eins , was man über ihn sagt , ist richtig . Nämlich , daß man sich hüten muß , bös von ihm zu reden . Wer das thut , dem folgt die Rache wie ein böser Geist , der nicht eher ruht , als bis er ihn vernichtet hat . Darum wollte ich deine Frage nicht beantworten . Bist du nun versöhnt ? « » Ich will es sein , warne dich aber vor ähnlichen Beleidigungen . Weißt du vielleicht , ob Sallab , der Fakir , mit den Dschamikun bekannt ist ? « » Er geht überall hin , wahrscheinlich auch zu ihnen . « » Ist er ihnen mehr Freund als euch ? « » Wer kann das sagen ! « » Er ist hier gewesen . « » Hier ? An diesem Orte ?