unwiderruflich ! Er würde vielleicht noch seine Pflicht an ihr erfüllen , mehr aber nicht , nicht heut , nicht morgen , denn er liebte sie nicht mehr . Eiskalt durchschauerte es sie bei dem Bewusstsein , dass der Gerhart , dessen Name dort in weithin leuchtenden Lettern auf dem grossen grellfarbigen Plakat gedruckt stand , der Gerhart nicht mehr war , in dessen Armen sie sich selbst und ihre Ehre vergessen hatte , und doch dabei so grenzenlos , so unsinnig glücklich gewesen war . Nein , er war es nicht mehr , er war ein anderer geworden und ob sie auch seine Frau würde , sein Herz würde sie niemals wieder besitzen . Fester zog sie den leichten Schulterkragen um die Brust . Die Kälte drang ihr durch Mark und Bein . Kam diese eisige Kälte von innen heraus , oder war es der scharfe Herbstwind , der sie erschauern machte wie im Fieber , sie wusste es nicht . Dazu stellten sich plötzlich unerträgliche Schmerzen in allen Gliedern ein , vor den Augen tanzten ihr rote , grüne und gelbe Punkte , kaum war sie noch im Stande , sich die vier steilen Treppen hinaufzuschleppen . Stöhnend warf sie sich auf ihr Bett . Stundenlang lag sie so allein , ohne zu wissen was mit ihr vorging . Sie hätte fortwährend schreien mögen und doch unterdrückte sie instinktiv jeden Ausbruch des Schmerzes , indem sie sich leise ächzend in das Bettzeug einbiss . Endlich glaubte sie es nicht länger ertragen zu können und schleppte sich zu Frau Korn hinüber . Auguste war zu Haus und bei der Arbeit . Die brave Frau machte nicht viel Worte . Auf den ersten Blick sah sie was los war . Sie lächelte nur und dachte : » Wir scheinen uns also verrechnet zu haben . « Dann führte sie Lotte wieder in ihre Wohnung hinüber , liess durch ihre Aelteste alles Notwendige besorgen und blieb auch , nachdem eine geschäftige , rundliche Frau aus der Nachbarschaft zur Hilfeleistung herbeigeholt worden war , an Lottes Seite , bis sie um die achte Stunde , gerade als in der » Freien Bühne « der Vorhang zu Gerharts Frühlingsdrama aufrollte , einem zarten , zierlichen Mädchen das Leben gab . Die rundliche Frau konstatierte , dass das Kind zwei Monate zu früh auf die Welt gekommen sei , sich aber trotzdem sehen lassen könne . Lotte empfand , als das Kind glücklich auf der Welt war und mit einem gesunden Aufschrei die vier engen Wände seiner Geburtsstätte begrüsste , nicht das geringste von jener hohen , heiligen Mutterfreude , die die ausgestandenen Schmerzen mit einem Schlage vergessen macht . Als Frau Korn ihr die Kleine reichte , küsste sie sie flüchtig auf die braunrote Stirn . Das Kind , Gerhart , die Schande , die ihr nun doch nicht erspart geblieben war , alles war ihr gleichgültig . Nur das Gefühl einer grenzenlosen Schwäche lebte in ihr , ein alles bezwingendes Bedürfnis nach Ruhe . Frau Korn that ihr möglichstes dazu , Lotte diese Ruhe zu verschaffen , obgleich sie selbst , trotz ihrer sieben nie ein ähnliches Bedürfnis empfunden hatte . Sie benachrichtigte nicht einmal den » Schwarzkopf « von dem überraschend eingetretenen Ereignis , denn sie sagte sich mit Recht , dass er der letzte gewesen wäre , Lotte Ruhe zu bringen . Lotte fragte im übrigen auch gar nicht nach ihm , und Auguste war der Ansicht , dass er schon von selber kommen würde , wenn auch nur , um seinen Triumph auszuposaunen und sich von dem armen schwachen Wurm da seinen Extralorbeer zu holen . Frau Korn , die aus dem Hause Veilchenfeld einen so starken Theaterenthusiasmus mitgebracht hatte , dass er in ihrer jetzt siebenjährigen Ehe noch immer nicht ganz erstorben war , hatte unter den Theaternachrichten , die sie tagtäglich im Vorwärts nachschlug , gelesen , dass das Frühlingsdrama des Schwarzkopfs einen rauschenden Erfolg gehabt habe . Da Lotte nicht danach fragte , erzählte sie ihr nichts davon ; zu ihrem Manne aber hatte sie gesagt : » Nun wird der Schwarzkopf wohl gänzlich überschnappen . « Eine andere Aufregung - wenn es eine für Lotte war - konnte Frau Korn ihr indes nicht ersparen . Die hilfreiche Frau drang darauf , dass der kleine Schreihals am dritten Tage beim Standesamt angemeldet werden müsse . Es sei so Polizeivorschrift und nichts dabei zu wollen . Lotte musste sich also für einen Namen entscheiden . Wie im Traum war es ihr , dass irgendwo und irgendwann - die Sonne hatte geschienen , das Wasser gerauscht , und würzige Waldluft sie umströmt - Gerhart für das Kind den Namen Helga gewünscht hatte , wenn es ein Mädchen würde . Sie aber hatte nicht gewollt . In dem Halbschlaf , in dem sie fast dauernd lag , war es ihr so , als ob sie schon damals Gerhart gebeten habe , es nach der Mutter Luise nennen zu dürfen . Ja , Luise sollte es heissen . Auch Frau Korn war durchaus dafür . » Mutters Name bringt allemal Segen « , behauptete sie . Und Helga , nee , das roch ja förmlich nach Roman und Komödie . Das war ganz schön in Büchern und auf dem Theater , aber fürs gewöhnliche - nee . - Und so auffallend wie das klang ! In Lottchens Lage - Frau Korn nannte ihren Schützling jetzt schlankweg Lottchen - musste man alles auffallende vermeiden . So wurde das Kleine auf den Namen Luise Weiss angemeldet . » Armes Mädchen , armes Mädchen « , murmelte Lotte vor sich hin . » Wieder eins mehr auf der Welt . « » Papperlapapp « , unterbrach sie Frau Korn . » Wer weiss denn , was aus dem Mädel ' mal wird , nette kleine Krabbe die es ist . Luise Weiss ist ein ganz guter Name , und wenn es so grosses Verlangen nach dem Namen des Schwarzkopfs haben sollte - na