Soldaten exerzieren . Sie drehen sich nach rechts ; sie drehen sich nach links ; sie drehen sich ganz um ; sie laufen bald vorwärts , bald schief , bald rückwärts ; sie thun das Gewehr ganz herunter ; sie nehmen es bis zur Brust empor ; sie werfen es auf die Achsel ; sie heben das rechte Bein und bleiben auf dem linken stehen ; sie heben das linke Bein und bleiben auf dem rechten stehen ; sie bücken sich nieder ; sie springen wieder auf ; sie rennen auseinander und laufen dann wieder zusammen ; sie legen die Finger an die Stirn ; sie drücken die Waden aneinander ; sie pressen die Brust heraus , und das alles thun sie , weil der dabeistehende Offizier diese lächerlichen Verrücktheiten von ihnen verlangt ! Und da meinst du , daß so ein Karagöz93 uns hätte hindern können , das zu thun , was wir gethan haben ? Das kann eben nur ein Solaib denken , der von kriegerischen Angelegenheiten kein Wort , keinen Laut , keinen Hauch versteht ! Aber es war kein Offizier bei ihnen , sondern ein verdammter Schiit , den Allah verurteilt hat , im tiefsten Pfuhle der Hölle zu wohnen . Dieser Schurke war so frech gewesen , unsern Mekkaner Freunden zu folgen , um sie zu beschimpfen und als Diebe , als Räuber zu bezeichnen . Er wagte es sogar , dies in unserer Gegenwart zu thun und uns zuzumuten , sie ihm auszuliefern . Als wir uns weigerten , einen solchen Befehl von ihm anzunehmen , und gar auch auszuführen , besudelte er uns mit Vorwürfen und Beleidigungen , auf welche wir nur mit dem Tode dieses Mißgläubigen antworten konnten . « » Er lebt also nicht mehr ? « fragte ich , indem ich mir Mühe gab , den Eindruck zu verbergen , den diese Mitteilung auf mich machte . » Jetzt ist er noch nicht tot , wird es aber morgen früh , wenn wir den Brunnen verlassen , gewißlich sein . Als wir mit unsern Mekkaner Freunden über ihn zu Gerichte saßen , wurde er zur Faßada94 verurteilt . Wäre er ein Christ , ein Jude oder sonst ein Heide gewesen , so hätten wir ihn ohne Gnade erschossen , aber da er zwar ein mißgläubiger Schiit , aber doch ein Moslem ist , haben wir ihm nur einige kleine Adern geöffnet , welche bis morgen zum Tagesanbruche auslaufen werden . So bleibt ihm also Zeit , seine Rechnung mit Allah und dem Engel des Todes in Ordnung zu bringen . Habt ihr schon einmal von der Strafe der Faßada gehört ? « » Ja . Es giebt Stämme , bei denen sie aus demselben Grunde angewendet wird , den du soeben bezeichnet hast : Der Tod ist bei ihr unvermeidlich , doch bietet die Langsamkeit des Sterbens dem Verurteilten die notwendige Zeit , sich auf den Schritt in das Jenseits vorzubereiten . Welche Ader habt ihr ihm geöffnet ? « » Zunächst nur zwei Fingerschlagadern ; das ist für jetzt genug . « » Die Soldaten , bei denen er liegt , werden aber die Verblutung dadurch zu verhindern suchen , daß sie ihn verbinden . « » Das kann wieder nur ein Solaib sagen ! Der Schiit ist ja gar nicht bei ihnen , sondern er liegt bei meinen Kriegern , welche streng darüber wachen , daß der Ausfluß des Blutes ein stetiger bleibt . Er ist so gebunden , daß er sich , und besonders den betreffenden Arm , gar nicht bewegen kann . Wenn ihr euch etwa darüber wundert , daß ich euch das alles so unbedenklich sage , so wiederhole ich , daß ihr es doch in kurzer Zeit erfahren und sogar sehen würdet , weil wir euch jetzt mit uns nehmen und dann nach unserm Lager bringen . « » Werdet ihr das wirklich thun ? Mein Gefährte hat euch ja gesagt , daß wir nach dem Brunnen wollen und diesen Vorsatz auch ausführen werden . « » Was ihr beabsichtigt , das ist uns gleichgültig , denn hier geschieht nur das , was wir wollen ! « » Aber wenn wir uns weigern ? « » So zwingen wir euch ! « » Und wenn wir uns wehren ? « » Wehren ? Lächerlich ! Drei Solaib-Feiglinge gegen uns ! « Er lachte dabei wieder hell auf . » Ihr seid ja auch nur drei ! « warf ich ein . » Das würde gegen zehn , ja gegen hundert von eurer Sorte genügen ! Versucht ja keinen Widerstand , denn ich schwöre euch bei Allah und all sei - - - « Er hielt mitten in der Rede inne und blickte mit dem Ausdrucke des größten Erstaunens an uns vorüber nach der Felsenecke , hinter welcher wir hervorgekommen waren . Als ich mich umdrehte , um zu erfahren , was seine Aufmerksamkeit in dieser Weise und so plötzlich in Anspruch nahm , sah ich die beiden Kamele , welche den großen Tachtirwan95 trugen , auf dessen Kissen Hanneh thronte . Sie waren , wie das bei diesen widerspenstigen Tieren sehr oft vorkommt , aus irgend einem Grunde unruhig geworden und kamen uns nun nach . In für uns erfreulicher Weise war keiner der Haddedihn so unklug , der Sänfte zu folgen . Sie hegten keine Sorge , weder um uns noch um Hanneh , weil sie wußten , daß wir es nur mit drei Personen zu thun hatten , und blieben also hinter ihrer Ecke stecken . Es war für uns köstlich , die erstaunten Gesichter der Beni Khalid zu sehen . » Ein Tachtirwan mit einem Weibe ! « rief Tawil aus . » Zu wem gehört diese Frau ? « » Zu uns , « antwortete ich . » Warum ist sie nicht gleich mitgekommen , sondern zurückgeblieben ? « » Frage sie selbst ! Oder , wenn du das für besser hältst , frag ihre Kamele , die es wahrscheinlich