Doch was fehlt denn ihrem Dichter ? Soll das der Anfang des großen Gedichts sein ? Richtig - jetzt fällt der Tarub ein , daß er ein » Dschinnengedicht « schreiben will . Sie wird ganz ruhig . Auf einem nicht zerrissenen Papierstreifen steht : » Und ewig bleibt sie still und stumm ! Ich dreh mich müd im Kreis herum , Die Dschinne will mir nichts sagen . « » Ha ! Ha ! « ruft da die Tarub und schmeißt den Streifen fort - daß die Dschinne nichts sagt , kommt der Köchin so schrecklich natürlich vor - jetzt ist sie nicht mehr eifersüchtig - ganz und gar nicht . Doch sie fühlt sich jetzt einsamer denn je . Die Einsamkeit ist ihr gräßlich . Und sie sehnt sich nach Bagdad zurück . Mit dem Safur ist es ja nicht mehr zum Aushalten , sein Gesicht wird immer häßlicher - diese krausen Stirnfalten ! - diese dicke Unterlippe ! - Manchmal allerdings ist der protte Bär recht in Sorge - Safur sieht so krank aus . Indeß - sie kann um Safurs Dichterei willen nicht ihr ganzes Leben so hinfressen - das geht nicht ! Und Safur mag die Tarub nicht mehr ansehen ; ihn berührt das Körperliche an ihr so unangenehm . Er ist sehr höflich zu ihr , wünscht aber innerlich , daß sie recht bald nach Bagdad zurückkehren kann . Als Köchin ist sie ihm jetzt garnichts mehr . Er mag nur noch ungern was Besseres essen . Am liebsten ißt er Brot und Früchte . In der Lehmkate wird nun alles so merkwürdig . Die Menschen da drinnen haben sich nichts mehr zu sagen - sie sind einander fremd geworden . Zank gibts nicht mehr . Einer geht am Andern vorbei , als wär der nicht da . Eines Tages kriegt die Tarub aus Bagdad einen Brief vom Schneider Dschemil - sie möcht doch zu ihm kommen und seine Köchin sein , sie solls gut haben - er , der Schneider Dschemil , sei jetzt sehr reich und wolle öfters Festessen veranstalten und so weiter . Der Brief kommt der berühmten Köchin nicht ungelegen ; sie tut allerdings anfangs so , als wolle sie nichts vom Dschemil wissen - aber wie Safur ihr ruhig zuredet , gibt sie dem Boten , der ihr den Brief brachte , einen andern Brief mit , in dem sie » Ja ! « sagt . Und dann gehts ans Packen . Dabei wird ihr allerdings ein bißchen eigentümlich - Safur ist ihr doch noch nicht so ganz gleichgültig - durchaus nicht ! Sie findet auch jetzt ein sauber geschriebenes Gedicht , das sie noch mal heftig erregt - da steht geschrieben , und es ist nicht zerrissen : » Die Dschinne singt : Ja , unter Deinen weißen Rosen Will ich heut Abend mit Dir kosen . Horch auf meinen knatternden Peitschenknall ! Oh ! der donnert grausig durchs Weltenall ! Wirst ihn schon hören ! Ich will um Deine Liebe werben Mit ganz besondrem Wüstenwitz . Sieh ! Die mich lieben , müssen sterben - Und wen ich küsse , trifft der Blitz ! « Noch einmal ist die Tarub wieder ganz Liebe zu ihrem Safur - noch einmal - unter den weißen Rosen . Und Safur ? Der wird zuweilen so wehmütig . Er fühlt , daß die Tarub stets das schwere Bleigewicht war , das ihn , der immer in eine andre Welt hinauffliegen wollte , an die Erde fesselte - die Tarub war seine Sklavenkette . Aber wenn mal diese Sklavenkette abriß - was dann ? Wirds zu seinem Heile sein ? Wirklich ? War die Sklavenkette nicht auch zu was gut ? Den Dichter fröstelt , als berühre ihn eine Totenhand . Jetzt kann er fliegen - in das andre Land . Ist das aber nicht der Tod ? » Du bist die Nacht ! Du bist der Tod ! « Das murmelt leise der Dichter und fährt auf den Tigris hinaus - er will dichten . Und er dichtet : » Meine Wüstenbraut ! Mein dunkles Weib ! Komm und küß mich tot ! « Und dann wirft der Dichter all sein Papier und sein ganzes Schreibzeug ins Wasser - er will nicht mehr dichten - es wird ja doch nichts . Warum soll er auch dichten - warum ? Er will seine Dschinne sehen - seine Dschinne ! Es flüstert in der Luft . Safur horcht - und träumt und erschrickt zuletzt , als ihn die Tarub vom Ufer aus anruft . Der Kahn , der die Tarub nach Bagdad bringen soll , ist angekommen . Safur küßt seine Tarub noch einmal so stürmisch - als wärs zum » letzten « Mal . Und dann geht die Tarub fort - weinend . Die weißen Rosen duften so wunderbar . Safur steckt noch seiner Köchin ein paar weiße Rosen ins schwarze Haar und streichelt ihren schwarzen Zopf . Der Abendhimmel ist gelb . Bagdads berühmte Köchin hebt sich prächtig vom Himmel ab - wie ein ehernes Standbild , Safur liegt unten am Ufer und sieht seine Tarub da stehen - vor dem gelben Himmel . Und als der Kahn vom Ufer abgestoßen wird , fängt die Tarub furchtbar an zu weinen . Safur weint auch . Dreiundzwanzigstes Kapitel Ein leises Klingen geht durch die Luft . Safur fühlt sich so frei . Ihm ist , als würd er plötzlich emporgetragen hinüber ins andre Reich . So als wenn er schwebe , ist ihm jetzt . Er hat das Gefühl , daß etwas Schweres von ihm genommen wurde , er fühlt sich erleichtert - so frei - so frei - garnicht mehr irdisch . Eine wunderbare Seligkeit umfängt ihn . Wie froh ist er , daß die Tarub fort ist ! Er sieht plötzlich seine Dschinne vor sich und sinkt auf die Kniee - schließt die Augen und fällt zurück . Wunderbar duften die weißen Rosen . Safur träumt von Wolken und von