entgegenzunehmen . Es entstand dabei die herkömmliche Verlegenheitspause ; niemand wußte was zu sagen , bis die Baronin auf den Stamm einer ihr gegenüberstehenden Ulme wies , drauf » Wiener Würstel « und daneben in noch dickeren Buchstaben das gefällige Wort » Löwenbräu « stand . In kürzester Frist erschien denn auch der Kellner wieder , und die Baronin hob ihr Seidel und ließ das » Eierhäuschen « und die Spree leben , zugleich versichernd , » daß man ein echtes Münchener überhaupt nur noch in Berlin tränke « . Der alte Berchtesgaden wollte jedoch nichts davon wissen und drang in seine Frau , lieber mehr nach links zu rücken , um den Sonnenuntergang besser beobachten zu können ; » der sei freilich in Berlin ebensogut wie woanders « . Die Baronin hielt aber aus und rührte sich nicht . » Was Sonnenuntergang ! den seh ich jeden Abend . Ich sitze hier sehr gut und freue mich schon auf die Lichter . « Und nicht lange mehr , so waren diese Lichter auch wirklich da . Nicht nur das ganze Lokal erhellte sich , sondern auch auf dem drüben am andern Ufer sich hinziehenden Eisenbahndamme zeigten sich allmählich die verschiedenfarbigen Signale , während mitten auf der Spree , wo Schleppdampfer die Kähne zogen , ein verblaktes Rot aus den Kajütenfenstern hervorglühte . Dabei wurde es kühl , und die Damen wickelten sich in ihre Plaids und Mäntel . Auch die Herren fröstelten ein wenig , und so trat denn der ersichtlich etwas planende Woldemar nach kurzem Aufundabschreiten an das in der Nähe befindliche Büfett heran , um da zur Herstellung einer besseren Innentemperatur das Nötige zu veranlassen . Und siehe da , nicht lange mehr , so stand auch schon ein großes Tablett mit Gläsern und Flaschen vor ihnen und dazwischen ein Deckelkrug , aus dem , als man den Deckel aufklappte , der heiße Wrasen emporschlug . Die Baronin , in solchen Dingen die scharfblickendste , war sofort orientiert und sagte : » Lieber Stechlin , ich beglückwünsche Sie . Das war eine große Idee . « » Ja , meine Damen , ich glaubte , daß etwas geschehen müsse , sonst haben wir morgen samt und sonders einen akuten Rheumatismus . Und zurück müssen wir doch auch . Auf dem Schiffe , wo solche Hilfsmittel , glaub ich , fehlen , sind wir allen Unbilden der Elemente preisgegeben . « » Und Sie konnten wirklich nicht besser wählen « , unterbrach Melusine . » Schwedischer Punsch , für den ich ein liking habe . Wie für Schweden überhaupt . Da Doktor Wrschowitz nicht da ist , können wir uns ungestraft einem gewissen Maß von Skandinavismus überlassen . « » Am liebsten ohne alles Maß « , sagte Woldemar , » so skandinavisch bin ich . Ich ziehe die Skandinaven den sonst Meistbegünstigten unter den Nationen immer noch vor . Alle Länder erweitern übrigens ihre Spezialgebiete . Früher hatte Schweden nur zweierlei : Mut und Eisen , von denen man sagen muß , daß sie gut zusammenpassen . Dann kamen die Säkerhets Tändstickors , und nun haben wir den schwedischen Punsch , den ich in diesem Augenblick unbedingt am höchsten stelle . Ihr Wohl , meine Damen . « » Und das Ihre « , sagte Melusine , » denn Sie sind doch der Schöpfer dieses glücklichen Moments . Aber wissen Sie , lieber Stechlin , daß ich in Ihrer Aufzählung schwedischer Herrlichkeiten etwas vermißt habe . Die Schweden haben noch eins - oder hatten es wenigstens . Und das war die schwedische Nachtigall . « » Ja , die hab ich vergessen . Es fällt vor meine Zeit . « » Ich müßte « , lachte die Gräfin , » vielleicht auch sagen : es fällt vor meine Zeit . Aber ich darf doch andrerseits nicht verschweigen , die Lind noch leibhaftig gekannt zu haben . Freilich nicht mehr so eigentlich als schwedische Nachtigall . Und überhaupt unter anderm Namen . « » Ja , ich erinnere mich « , sagte Woldemar , » sie hatte sich verheiratet . Wie hieß sie doch ? « » Goldschmidt - ein Name , den man schon um Goldschmieds Töchterlein willen gelten lassen kann . Aber an Jenny Lind reicht er allerdings nicht heran . « » Gewiß nicht . Und Sie sagten , Frau Gräfin , Sie hätten sie noch persönlich gekannt ? « » Ja , gekannt und auch gehört . Sie sang damals , wenn auch nicht mehr öffentlich , so doch immer noch in ihrem häuslichen Salon . Diese Bekanntschaft zählt zu meinen liebsten und stolzesten Erinnerungen . Ich war noch ein halbes Kind , aber trotzdem doch mit eingeladen , was mir allein schon etwas bedeutete . Dazu die Fahrt von Hyde Park bis in die Villa hinaus . Ich weiß noch deutlich , ich trug ein weißes Kleid und einen hellblauen Kaschmirumhang und das Haar ganz aufgelöst . Die Lind beobachtete mich , und ich sah , daß ich ihr gefiel . Wenn man Eindruck macht , das behält man . Und nun gar mit vierzehn ! « » Die Lind « , warf die Baronin etwas prosaisch ein , » soll ihrerseits als Kind sehr häßlich gewesen sein . « » Ich hätte das Gegenteil vermutet « , bemerkte Woldemar . » Und auf welche Veranlassung hin , lieber Stechlin ? « » Weil ich ein Bild von ihr kenne . Wir haben es , wie bekannt , seit einiger Zeit von einem unsrer besten Maler auf unsrer Nationalgalerie . Aber lange bevor ich es da sah , kannt ich es schon en miniature , und zwar aus einer im Besitz meines Freundes Lorenzen befindlichen Aquarelle . Diese Kopie hängt über seinem Sofa , dicht unter einer Rubensschen Kreuzabnahme . Wenn man will , eine etwas sonderbare Zusammenstellung . « » Und das alles in Ihrer Stechliner Pfarre ! « sagte Melusine . » Wissen Sie , Rittmeister , daß ich die Tatsache