! Pfui Luder über solches Pack . - Schämt eich ! « - Damit ging er , auf seinem Wege durch das Zimmer an verschiedene Stühle und Tischkanten anrennend . Der Kretschamwirt lief dem Neffen nach . Von der Tür aus rief er hinter ihm drein : » Warte mal ! Wart ack , Kleener ! Ich ha ' noch a Wörtel mit d ' r. Wenn d ' r und ' r denkt , ihr kennt mich lapp ' g machen , da seit ' r an Falschen geraten . Dei Vater is immer a Uchse gewast , ar hat keenen größern in seinem eegnen Stalle stiehn . Sicke dumme Karlen , die brauchen gar kee Pauerngutt . Ob sei Gutt ungern Hammer kimmt , ob ' s d ' ihr alle zusammde betteln gihn mißt , das is mir ganz egal ! Verreckt Ihr meintswegen ! Mit eich ha ' ch kee Mitleed - ich ne ! « Gustav war schon außer Hörweite und vernahm die weiteren Schimpfreden nicht , die ihm der Onkel noch auf die Gasse nachrief . * * * Gustav wollte , da er bei dem Kretschamwirt nichts ausgerichtet hatte , seinen Onkel Karl Leberecht Büttner aufsuchen und dessen Hilfe anrufen . Freilich war dazu eine Eisenbahnfahrt von mehreren Stunden nötig . Aber er meinte , diese Ausgabe nicht scheuen zu dürfen , denn es blieb tatsächlich die letzte Hoffnung . Der Onkel war wohlhabend ; vielleicht konnte man ihn dazu bringen , etwas für seinen leiblichen Bruder zu tun . Ehe Gustav die Garnison verlassen , hatte er sich noch einen Anzug von dunkelblauem Stoff anfertigen lassen . Pauline fand , daß ihm die neuen Kleider ausgezeichnet stünden . Auch einen ziemlich neuen Hut besaß er und ein paar Stiefeln , die noch nirgends geflickt waren . So konnte er denn die Reise guten Mutes wagen . Er wollte bei den Verwandten in der Stadt nicht den Eindruck eines Bettlers machen . Sie sollten sehen , daß sie sich der in der Heimat zurückgebliebenen Familienglieder nicht zu schämen brauchten . So trat er die Fahrt an . Angemeldet hatte er sich nicht bei den Verwandten , damit sie ihm nicht abschreiben konnten . Denn Gustav war sich dessen wohl bewußt , daß man ihm und den Seinen nicht allzu günstig gesinnt sei von jener Seite . Das hatte sich ja auch in der plötzlichen Kündigung der Hypothek im Frühjahre ausgesprochen . Der alte Bauer hegte nicht die geringste Hoffnung , daß die Reise seines Sohnes irgendwelchen Erfolg haben könne . Er hielt nicht viel von Karl Leberecht . Der Bruder war ihm im Alter am nächsten gewesen von den Geschwistern . Sie hatten sich als Jungen stets in den Haaren gelegen . Karl Leberecht war lebhaft gewesen und geweckt , zu allerhand Streichen aufgelegt , ein » Sausewind und Würgebund « , wie ihn der Bauer noch jetzt zu bezeichnen pflegte , wenn er von dem jüngeren Bruder sprach . Gustav ließ sich jedoch durch das Abreden des Vaters nicht irre machen . Karl Leberecht mochte in der Jugend gewesen sein wie er wollte , er hatte es jedenfalls zu etwas gebracht im Leben . Und er war und blieb auf alle Fälle der Bruder des Vaters . Vielleicht schlummerte der Familiensinn doch noch in ihm , und es bedurfte nur der richtigen Ansprache , um ihn zu wecken . Aus dem Briefe , welchen damals der Vetter - der wie er den Namen Gustav trug - geschrieben ! hatte , ersah er , daß das Materialwarengeschäft von Karl Leberecht Büttner und Sohn am Marktplatze gelegen war . Dorthin richtete Gustav also seine Schritte . Nach einigem Suchen fand er die Firma , die in goldenen Lettern auf schwarzem Untergründe weithin leuchtend prangte . Es war ein eigenes Gefühl für den jungen Menschen , seinen eigenen Namen auf dem prächtigen Schilde zu lesen . Gustav ging nicht sofort in den Laden hinein , eine geraume Weile betrachtete er sich erst das Geschäft von außen mit ehrfurchtsvoller Scheu . Das war ja viel größer und glänzender , als er sich ' s vorgestellt hatte . Das Büttnersche Geschäft bestand aus einem geräumigen Eckladen , der mit zwei Schaufenstern nach dem Markte hinaus blickte und außerdem noch mehrere kleinere Fenster nach einer Seitengasse hatte . Eine reiche Auswahl von Verkaufsartikeln lag da ausgestellt : Kaffee und Tee in Glasbüchsen , Seifen , Biskuits in Kästen , Lichte in Paketen , Südfrüchte , Tabak , Viktualien aller Art , Spezereien , Droguen . In dem einen der vorderen Schaufenster saß ein Chinese , der mit dem Kopfe wackelte . Auf einem Plakate , welches Karawanentee anpries , war ein Kamel abgebildet , von einem Araber geführt , auf dem Rücken einen mächtigen Berg von Ballen tragend . Gustav stand da , staunend . Obgleich er als Soldat mehrere Jahre in einer größeren Stadt kaserniert gewesen , war doch das Landkind lebendig in ihm geblieben . Alles Fremde , besonders wenn es unverständlich war , imponierte ihm gewaltig . Die Schaufenster mit den vielen fremdartigen Dingen bestärkten ihn in der Vermutung , daß der Onkel doch sehr reich sein müsse . Und wenn man bedachte : der Mann stammte aus Halbenau ! Hatte das Vieh gehütet und Mist aufgeladen wie jeder andere Bauernjunge . Dann war er davongelaufen , weil ' s er daheim nicht mehr ausgehalten ; wohl hauptsächlich , weil sein Vater , der alte Leberecht , ihn nicht aufkommen lassen wollte neben dem älteren Bruder und Erben des Hofes . So war er denn in die Fremde gegangen , hatte alles Mögliche erlebt und erfahren , hatte die verschiedensten Lebensstellungen innegehabt . Markthelfer war er unter anderem gewesen . Als solcher hatte er in ein Grünwarengeschäft geheiratet und damit den Grund zu seinem Vermögen gelegt . Ja , in der Stadt da konnte man es noch zu etwas bringen ! In Gustav stieg ein bitteres Gefühl auf , als er sich hier umsah und