ist gut , Sie können gehen . « » Ah , « dachte Joachim glücklich , » man hat Fanny ein besseres Logis gegeben « - er sah sich in seinem einfachen Zimmer um - » sie hat einen Salon , sie erteilt dort Audienzen , man kann zu ihr gehen . « Dabei fiel ihm ein , daß er ihr Etui mit ihrem Brillantencollier in der Brusttasche seines Pelzes hergebracht habe , weil Fanny es nie in ihrem Koffer zu transportiren pflegte . » Das werde ich ihr bringen , « dachte er , » es wird sich schon eine Zeit dazu finden heute . « Und in der That , sie fand sich . Vorerst aber wechselte Joachim seine Kleider und ging in die Halle hinab , wo Vetter Heini ihn mit den jungen Damen bekannt machte . Vetter Heini war bisher der » Einzige « gewesen ; zu den Tanzfesten kamen von dem Nachbarstädtchen die Offiziere des dort garnisonirenden Regiments , in den anderen Zeiten mußte er allein die jungen Mädchen unterhalten . Kein Wunder , daß der Zuwachs an Herrengesellschaft sehr willkommen war und Joachim von den ihm günstigen Umständen Vorteil hatte . Als die Glocke in der Halle zum Frühstück läutete , war er schon bon camarad mit allen , insbesondere aber mit der kleinen Meerheim , die bloß auf Joachim gewartet hatte , um den - heimlich von ihr zum Gatten ausersehenen Heini - eifersüchtig zu machen . Als Fanny die Treppe herab kam , sah sie mit Vergnügen , daß Joachim mit der Jugend schon auf bestem Fuß stand . Die Hausordnung in der Taißburg forderte , daß alle Gäste sich um halb zwei zum gemeinsamen Frühstück versammelten . Nachher stand es in jedermanns Belieben , seine Zeit bis zum Mittagessen um sechs Uhr zu verbringen , wie er wollte . Es war heute von einer Schlittenfahrt die Rede , aber es schien , als sollten die jungen Damen nur Herrn und Frau von Dören , sowie den Hausherrn dazu bereit finden . Fanny und Joachim hatten ja von früh um acht Uhr bis um zwölf des Mittags im Schlitten gesessen . Die Gräfin und ihre Schwester mußten für den morgigen Doppelgeburtstag viel vorbereiten . Die Herren zeigten keine Lust . Joachim bemerkte , daß Lanzenau an Fanny die Bitte richtete , ihr dann vor Tisch ein Stündchen zu schenken , aber Fanny sagte , daß sie ganz schläferig von der langen Schlittenfahrt sei . Lanzenau war davon sichtlich verstimmt , als er nach dem Frühstück mit Joachim den Korridor entlang ging . Auch Joachim sagte , daß er schlafen wolle . Der Baron warf sich in seinem Zimmer auf die Chaiselongue , daß es krachte . Er deckte sich die Schlafdecke über die Beine , wickelte dasjenige , in welchem ihn die Ischias zuweilen plagte , besonders ein und nahm ein Buch . Aber die » hypochondrischen Plaudereien « von Amyntor , an denen er sich sonst mit einer Art grimmigem Behagen sättigte , konnten ihn heute nicht fassen . Von unten her klang Pferdewiehern , Glöckchenklang , Stimmenruf , dann läutete die kleine Reihe der Schlitten davon . Die Gesellschaft hatte in der That ihren Plan ausgeführt . Bald nachher ging nebenan die Thür . Lanzenau horchte : war jemand zu Joachim gekommen , oder war dieser gegangen ? Alles still ! Wo konnte er hingegangen sein ? - Er hatte doch von Müdigkeit gesprochen . Lanzenau schrak zusammen . Zu Fanny ? Ach , Unsinn ! Zu Fanny , mit der er heute viele Stunden im Schlitten gesessen , die er auf Mittelbach jeden Tag so oft und so lange er gewollt sprechen konnte ? Wohin denn ? Schließlich - was ging es ihn an ? Lanzenau zündete sich eine Cigarrette an und las weiter . Es ging nicht , die unbegreifliche Unruhe verzehrte ihn . Dann fiel ihm etwas ein . Natürlich - so war es : der Rittmeister von Meerheim , der martialische Vater des » pikanten , schwarzhaarigen Mopses « war ein fanatischer Skatspieler - der hatte sich ohne Zweifel Heini und Joachim gepreßt und sie saßen zu dritt in Heinis oder in des Rittmeisters Zimmer . Eine Weile hielt Lanzenau das aus . Es dunkelte - alle Geister der Ungeduld erhoben sich von neuem . Da kamen auch die Schlitten zurück ; also mehr wie eine Stunde war vergangen . Es wurde laut in den Korridoren , alle Welt ging , um auszuruhen , oder sich zu Tisch anzukleiden . Durch die Thürspalte fiel Licht ; ein leiser Schritt ging draußen vorbei : der Diener hatte die Lampen in den Korridoren entzündet . In Lanzenaus Gemach war jene tiefe Dämmerung , die vom Schnee draußen einen letzten trügerischen grauen Schein borgt , ehe sie zur schwarzen Nacht versinkt . Wenn in Fannys Zimmer auch diese Dunkelheit herrschte - wenn dort im Schatten zwei flüsterten - zwei Augenpaare sich nahe , ganz nahe anblitzten ? ... Lanzenau fühlte , daß ein kalter Ohnmachtsschweiß an seinem Körper hinab ging . Er ertrug es nicht mehr , er sprang auf . Die Glieder gehorchten der jugendlichen Hitze des Kopfes nicht so leicht ; ein Schmerzgefühl riß durch sein Bein . Er ging nach Heinis Stube . Niemand rief : » Herein ! « alles war still . Der Rittmeister wohnte ein Stockwerk höher . Ah - schon auf der Treppe hörte Lanzenau die rauhe Stimme lachen und eine andere dazu . Er klopfte an , trat ein ; da saß der Rittmeister mit Heini beim dampfenden Grog , den er wunderbarerweise zu allen Tageszeiten und zwischen allen Getränken vertrug . Der Rittmeister auf einem Ledersofa , die Ellenbogen auf dem Tisch , die eine Hand an der riesigen pfeifenkopfartigen Cigarrenspitze , die andere am grauen Schnauzbart . Heini ihm gegenüber rittlings auf einem Rohrstuhl , auf dessen Lehne er die Arme verschränkte . Der Rittmeister hielt in seinem Bericht eines unglaublichen Kriegserlebnisses inne und rief Lanzenau entgegen : »